Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1887)
- Date
- 1887-06-02
- Page
- Seite 342 (sequence 6)
- Language
- German
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342 ihr eigenes Grundstück mit Wohn- und Wirthschaftsgebäude. Im Wohngebäude sind zwei Schulzimmer eingerichtet. Die übrigen Räume dienen zu Wohnungen für Lehrer und Gemeindebeamte». In dem daranstoßenden Garten ist im verflossenen Jahre eine kleine, aber gar hübsche Synagoge aufgebaut und am Rosch-Haschono (Neujahr) 5647 dem Gottesdienste übergeben worden. Die Einkünfte der Schule bestehen fast ausschließlich in den 8^/2 procentigen Zinsen von 50,000 M., welche der Schule von dem ehemaligen „Deutschen Central- Comitö" zn Berlin (Vorsitzender: Herr Justizrath Makower) geschenkt und dem Vorstande der Synagogen-Gemeinde zur Verwaltung übergeben worden sind. Mit diesem geringen Einkommen von 1750 M. muß die Schule auszukommen suchen. Die Zusammensetzung des Comitss ist auch für das folgende Vereinsjahr dieselbe geblieben. — Die herkömmlichen Vierteljahrssitzungen haben regelmäßig stattgefunden. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Rechnungslegung einer jeden der drei Cossen des Comitss, der Unterstützungscasse, der Krankenhauscasse und der Schulcasse. Einnahmen und Ausgaben sammt deren Belege wurden sorgfältig geprüft und der vierteljährige Abschluß einer jeden Casse von dem gesammten Comitö mit dem Entlastungs - Vermerk versehen. Außer diesen ordentlichen haben noch eine Anzahl außerordentlicher Sitzungen je nach Erforderniß stattgefunden. Theure Glaubensgenossen! Unsere Unterstützungscasse ist völlig leer. Das ist sehr schlimm in Anbetracht einer nach Hunderttausenden zählenden, in den russischen Grenzstädten lebenden jüdischen Bevölkerung, die im größten Elend schmachtet, die ewig gehetzt, verfolgt, vergewaltigt wird und bei welcher das allen Besitz ersatzlos vernichtende Brandunglück an der Tagesordnung ist. Die Auswanderung scheint im Laufe des Sommers große Ausdehnung annehmen zu wollen. Die große Masse der armen Auswanderer zu stützen und zu fördern ist kaum möglich. Nur eine Classe derselben, die zahlreichen Frauen und Kinder, die in ganz unbeschreiblicher Armseligkeit und Abgehärmtheit hier anlangen und zu den vorausgegangenen Männern und Vätern meist nach England und Amerika reisen wollen, zu unterstützen, wäre unabweisbare Pflicht. Wer ein Herz hat, dieses Elend der armen Glaubens- und Stammesgenossen nachzuempfinden, der wende uns entsprechende Liebesgaben zu, damit wir diesem Elende einigermaßen abhelfen können. Es wäre wünschenswerth, daß überall Vereine zum Zwecke solcher Unterstützungen, von hochherzigen Männern gegründet und geleitet, sich bilden möchten. Zunächst jedoch bitten wir so innig als dringlich, uns recht viele Spenden für unsere Unterstützungscasse zukommen zu lassen. Auch die kleinste Gabe kann zu einem Rettungswerke sich gestalten. Das ständige Hülfs-Comits für die Nothstände russischer Israeliten zu Memel. Rabbiner vr. I. Rülf. S. Bloch. N. Margulies. Leiser Lewy. L. Hillelsohn. I. M. Schapiro. Die für das Comits bestimmten Gaben nimmt entgegen und bescheinigt deren Empfang Rabbiner vr. I. Rülf. Es sind noch 5 bis 6 Familien hier und in der Umgegend, welche den Ausweisungstermin mit allen möglichen Mitteln hinauszuschieben gewußt haben. Wie man hört, sollen diese jetzt das Land zu verlassen executivisch gezwungen werden. Es sind arme Menschen, zu deren Unterstützung und Fortschaffung noch mindestens 1000 Mark erforderlich sind. Es wäre schrecklich, wenn diese Menschen ohne Hülfe bleiben sollten. Deutschland. W. Berlin, 23. Mai. Die Repräsentanten der jüdischen Gemeinde Hierselbst wählten in ihrer Sitzung am Sonntag Vormittags 11 Uhr den Rabbiner vr. Rosezweig aus Teplitz zum Rabbinats-Assessor und Prediger für die Berliner Hauptgemeinde, so daß dieselbe jetzt vier Prediger und zwar die Herren vr. Ungerleider, vr. Frankl, vr. Maybaum und vr. Rosen zweig zählt. Herr vr. Maybaum wird die Einsegnung der Confirmandinnen der jüdischen Gemeinde am Dienstag den 31. d. M. Vormittags in der neuen Synagoge, Oranienburgerstraße, vollziehen. Die Zinsen des Vermächtnisses von 00,000 Mark, aus einem Reichenheim'schen Legate stammend, werden laut Beschluß der Repräsentanten für die Altersversorgungsanstalten verwendet werden, und das Herrmann Kaufmann'sche Legat von etwa 50,000 Mark zur Erwerbung eines Grundstücks in Pankow, in welchem die jüdische Gemeinde Berlins 50 elternlose russische Kinder untergebracht und erzieht, theils schon erzogen hat (es sind bereits 14 davon in die Lehre als Handwerker, Landwirthe re. untergebracht), angelegt werden sollen. Diese 50 russische Waisen haben ihre Eltern bei der grausamen Verfolgung