Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-05-26 · Heft 21 (26.5.1887) · p. Seite 334

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 21 (26.5.1887)
Date
1887-05-26
Page
Seite 334 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227663-3227685--44441-3266720
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

334 bericht im Allgemeinen zu schließen berechtigt sind, ist, daß die etwaige völlige Streichung des staatlichen Cultusetats die jüdischen Gemeinden in Frankreich nicht allzu hart treffen werde, da die Staatsunterstützung jetzt doch nur einen Theil der Cultuskosten deckt. Gerade die allmählige Verringerung der Staatssubvention ist günstig, weil sie die Gemeinde nach und nach an die eigene Tragung des Cultusetats gewöhnt. Rußland. Petersburg, 14. Mai. Meldung der „Pol. Corr.": Die seit Langem eingesetzte Commission für das Studium der Judenfrage soll demnächst aufgehoben werden. (Dies war bis jetzt immer das Schicksal dieser Commissionen!) Riga, 16. Mai. (Privatmitth.) Anbei übersende ich Ihnen das Nähere über einen erfreulichen Fortschritt. In einer Zuschrift an den Oberlehrer Dr. Ehrlich, den Leiter der hiesigen Allerhöchst bestätigten Ebräerschule, ä. 6. 28. April c. sub Nr. 240, hat der Riga'sche Gouvernements- Schulendirector, wirklicher Staatsrath Krannhals erklärt, daß in der Folge auch von den Knaben mosaischer Confession, die sich zum Eintritt in's Gymnasium melden, die Kenntniß ihrer Religion gefordert werden wird. Dem «beigefügten Programm zufolge werden fortan von den ebräischen Knaben bei der Prüfung zur Annahme in das Riga'sche Gouvernements-Gymnasium folgende Kenntnisse in der Religion verlangt: 1) Zum Eintritt in die Septima: Erzählungen der heiligen Schrift von der Schöpfung bis zum Abschlüsse der Richterzeit. Die zehn Worte. 2) Für Sexta: Biblische Geschichte bis zur Theilung des Reiches. Glaubensartikel. Die Feste Israels und ihre Bedeutung. 3) Für Quinta: Biblische Geschichte bis zum babylonischen Exil. Bibelkunde. 4) Für Quarta: Die biblische Geschichte vollständig im Zusammenhänge. Grundzüge der Glaubens- und Sitten- Lehre. 5) Für Tertia: Nachbiblische Geschichte bis zur Auflösung des jüdischen Staates durch die Römer. Glaubenslehre. 6) Für Secunda: Jüdische Geschichte bis zum Erlöschen des Gaonats. Die Sittenlehre. 7) Für Prima: Jüdische Geschichte und Literatur bis zum Ende des Mittelalters. Die Religionslehre in systematischer Entwickelung. Amerika. Philadelphia, 29. April. Der hier erscheinende ckovisb Lxpouout enthält einen Bericht über die soeben in New-Iork abgehaltene Jahreseonferenz des Vereins jüdischer Cultusbeamten von Amerika. Der Verein zählt jetzt 50 Mitglieder (gegen 43 des Vorjahres) und befinden sich darunter die angesehensten Rabbiner und Vorbeter. Aus den Verhandlungen heben wir nur die einstimmige Resolution heraus: „Die Cultusbeamten der Conferenz drücken ihre Mißbilligung an der modernen Sitte des äußeren Prunkes bei Beerdigungen aus und empfehlen allen ihren College», streng solche Schaustellungen zu tadeln und sich zu bestreben, den einfachsten Begräbnißritus, für Reich und Arm gleich, herzustellen. (Vergl. den Artikel aus Darmstadt in dieser Nummer. Man wird aus Obigem ersehen, wie richtig unsere Bemerkung zu diesem Artikel ist. Bonn, 22. Mai. (Notizen.) Aus Breslau vom 9. Mai wird uns mitgetheilt, daß am Tage zuvor die durch den Tod G. Tiktin's erledigte Rabbinerstelle durch den einstimmigen Beschluß des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung dem Rabbiner vr. Rosenthal in Beuthen O. S. ertheilt worden ist. Derselbe, 1838 geboren, studirte jüdische Theologie in Preßburg und Eisensladt, besuchte das Gymnasium in Wien, studirte in Berlin und Leipzig, wo er auf Grund seiner Dissertation: „Das erste Makkabäerbuch, eine historisch- und sprachlich-kritische Studie" promovirte. Seit 1867 ist er Rabbiner in Beuthen, wo er auch eine 8klassige jüdische Schule leitet und am Gymnasium den jüdischen Religionsunterricht ertheilt. Er hat sich in seinem Wirkungskreise allgemeine Hochachtung erworben, und so erwartet man, daß er im Verein mit dem verehrten hiesigen Rabbiner vr. Joel eine segensreiche Wirksamkeit entfalten werde. — Am 7. Mai wurde in Buchau am Federsee Rabb. Laupheimer aus Buttenhausen durch den Kirchenrath vr. von Wassermann in einem feierlichen Gottesdienste in sein Amt eingeführt. Die bürgerlichen Collegien der Stadt und viele christliche Honoratioren wohnten dem Gottesdienste und auch dem Festessen bei, so auch der Stadtpfarrer Ruber. — In der Nacht des 18. April e. wurde der israelitische Friedhof zu Forbach (Elsaß) auf eine schmähliche Weise verwüstet. Sieben Grabsteine wurden umgeworfen und zerbrochen. Eine ähnliche Schandthat war hier schon vor einigen Jahren begangen und unbestraft geblieben. Die Gemeinde hat 50 Frcs. auf die Entdeckung der Thäter ausgeschrieben. — Die kleine Gemeinde zu Luzern hat mit vielen Opfern einen israelitischen Friedhof errichtet, der am 3. März eingeweiht wurde. — Man schreibt uns aus Ostfriesland: Am Donnerstag den 12. Mai wurde die neuerbaute Synagoge in Papenburg eingeweiht. Die Feier verlief Programmgemäß. Festzug vom Festlocal nach der neuen Synagoge unter Vorantragung der Thorarollen, Abschied von der alten Synagoge und Weihe der neuen Synagoge. Die Weih- und Festrede hielt Herr Landrabbiner

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.