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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-05-26 · Heft 21 (26.5.1887) · p. Seite 333

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 21 (26.5.1887)
Date
1887-05-26
Page
Seite 333 (sequence 13)
Language
German
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333 erbarmen; aber die Soldaten ließen nicht ab, prügelten ihn weiter und warfen ihn endlich zur Thür hinaus; aber damit sollten seine Qualen noch nicht ihr Ende haben; vor der Thür wartete der Oberlieutenant, und als er des Pächters ansichtig ward, befahl er den Soldaten, diesen Mann noch zurückzuhalten; die Soldaten schleppten ihn abermals in das Zimmer; der Oberlieutenant kam mit und schrie den Unglücklichen an: „In meinem Zimmer wagst Du es, mit den Soldaten zu raufen und die Lampe auszulöschen!" Der Pächter erbot sich, seinem Peiniger sein ganzes Vermögen zu geben, er solle ihm nur das Leben schenken; dieser aber ergriff einen dicken Stock und versetzte dem Pächter damit einige Hiebe auf den Kopf, so daß dieser bewußtlos zusammenstürzte. Nun bemühten sich die Soldaten, den Ohnmächtigen zur Besinnung zu bringen. An allen Gliedern verwundet, schleppte er sich nach Hause. Nach seiner theilweisen Genesung reiste Hersch Löw nach Lemberg, um bei dem Landescommandirendcn im Audienzwege Beschwerde zu führen. Sechs Tage wartete er in Lemberg auf diese Audienz, aber trotzdem wurde er nicht vorgelassen; da paßte der Pächter dem Herzog von Württemberg auf der Straße ab und übergab ihm dort das Bittgesuch; am 30. December 1886 erhielt er von dem 11. Corpscommando ad präs. Nr. 657 eine Verständigung, daß das Garnisonsgericht beauftragt wurde, in dieser Angelegenheit Erhebungen einzuleiten. Einige Tage später wurde der mißhandelte Pächter selbst einvernvmmen, seither, also seit fünf Monaten, ist es in der Sache still und nicht bekannt geworden, was und ob das Garnisonsgericht etwas veranlaßt hat. Mitlerweile hat derselbe Oberlieutenant v. Hauernic sich einer zweiten ähnlichen Gewaltthat schuldig gemacht. Am 15. December v. I. hat dieser den Bäckermeister Naphtali Beglaubter zu sich rufen lassen, um ihm einen Restbetrag von 10 fl. auszuzahlen. Der Oberlieutenant nahm ihm die Quittung ab, aber statt des Geldes gab er dem Bäckermeister einen fürchterlichen Schlag auf den Kopf, so daß dieser blutend zusammenstürzte, und beschimpfte ihn zugleich. Der also Angefallene flüchtete aus dem Zimmer und eilte zu seinem Brodwagen. Aber auf Befehl des Oberlieutenants holten Soldaten den Wagen ein; der unglückliche Bäckermeister wurde vom Wagen gerissen und blutüberströmt in eine Kammer geschleppt. Die Soldaten hielten ihn fest, während der Oberlieutenant ihm mehrere Stockstreiche versetzte, bis der Unglückliche das Bewußtseit verlor. Um ihn zur Besinnung zu bringen, gossen die Soldaten eine Butte Wasser über ihn. Auch der Kutscher des Bäckermeisters wurde mißhandelt. Auch hier verlautet nichts über eine Genugthuung; nur so viel vernimmt man, daß der Oberlientenant versetzt worden sein soll." (Wir müssen die Verantwortung für diese uns kaum glaublich scheinenden Thatsachen der „Wiener Correspondenz" überlassen. Die Red.) Frankreich. Paris, 16. Mai. Die Zeit der völligen Gleichachtung, wo niemals bei irgend welchen öffentlichen Kundgebungen nach der Confession eines Candidaten gefragt wurde, scheint auch in Frankreich, hoffentlich auf keine lange Zeit, vorüber zu sein. Die Parteiwuth, die in Frankreich bei den schroffen Gegensätzen der Republikaner und Royalisten, der Clericalen und Freidenker und bei der Zersplitterung herrscht, in welche diese Parteien wiederum gerathen sind, läßt jedes Mittel zum Zwecke recht erscheinen und so bedient man sich auch bei Gelegenheit des confessionellen Hasses gegen die Juden. Es zeigte sich dies bei den jüngsten Pariser Municipalwahlen, wo die Gegner der jüdischen Candidaten, namentlich des Herrn N. Leven, alle Hilfsmittel des Antisemitismus spielen ließen, um deren Wahl zu verhindern. Man weiß ja, wie sich die Antisemiten der frechsten Verleumdungen, der lügenhaftesten Anschuldigungen gegen Religion und Person eines jüdischen Candidaten bedienen, mag derselbe sowohl in seinem öffentlichen wie in seinem Privatleben noch so rein und tadellos dastehen. Dennoch wurden die Herren Strauß und Meyer in den Stadtrath gewählt, und Herr Leven kam in die Stichwahl. Wir hoffen, daß der letztere nun doch gewählt werde und dann haben die Manöver der Gegner nichts weiter erlangt, als eine verbitterte Stimmung in die Gemüther friedlicher Bürger zu senken. Der Gegencandidat des Herrn Leven war der radicale Daumas, und bekanntlich hat ein solcher in Paris große Chancen für sich. Bezeichnend ist, daß in den gegnerischen Flugblättern Jude und Preuße als identisch aufgestellt werden. — Paris, 17. Mai. In der Stichwahl für den Stadtrath ist Herr R. Leven mit 978 Stimmen seinem Gegner Daumas mit 1202 Stimmen unterlegen. Schuld sind die conservativen Wähler, welche im zweiten Wahlgang eine eigene aussichtslose Candivatur mit 683 Stimmen aufstellten und unterstützten. So überwand auch im Faubourg Montmartre die radicale Richtung die opportunistische, welcher Leven angehört. Lyon, 12. Mai. Der Borstand der hiesigen Gemeinde — vielleicht die einzige in Frankreich — veröffentlicht jährlich einen Verwaltungsbericht. Im Jahre 1886 hat sie Frcs. 50,400 eingenommen und Frcs. 41,300 verausgabt, so daß sie einen Ueberschuß von 9000 Frcs. in Kasse hat. Die Gemeinde verlor 1000 Frcs. Einnahme bei der Verminderung der Staatsunterstützung durch die Kammern, zahlte dagegen 300 Frcs. an das Rabbinerseminar in Paris zum Unterhalt der Seminaristen, deren Staatsstipendien die Kammern ebenfalls gestrichen. Aus der Erbauung der Synagoge ist die Gemeinde noch mit 300 Obligationen belastet im Betrage von Frcs. 74,500. Was wir aus diesem Jahres-

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