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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-05-26 · Heft 21 (26.5.1887) · p. Seite 332

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 21 (26.5.1887)
Date
1887-05-26
Page
Seite 332 (sequence 12)
Language
German
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332 nationalen Lehrmeister aufzuwerfen. — In begründetem Hasse gegen alles Unwahre und Undeutsche sprechen wir Ihnen, dem begeisterten Anwälte der korrupten, verlogenen jüdischen Presse und jenen keineswegs beneidenswerthen Vertretern des deutschen Volkes in Oesterreich, welche eines Sinnes mit Ihnen in ihrer Abhängigkeit vom Judenthum es noch nie zu einer wahrhaft deutschen That bringen konnten, unser tiefstes Bedauern aus. Nicht vom Gifte politischer Gehässigkeit erfüllt, sondern in glühender Begeisterung für die Größe und Ehre unserer deutschen Nation entflammt, werden die Burschenschaften Wiens nach wie vor in freier Selbstbestimmung an ihren deutsch-nationalen und daher antisemitischen Grundsätzen festhalten. (Folgen die Unterschriften.) Die Geschichte kennt schon mehrere Beispiele, daß die sog. deutschen Burschenschafter, man denke an 1818 bis 1821, in ihrem Furor für „Freiheit und Deutschthum" sich veranlaßt sahen, gegen die Juden loszustürmen. Wir brauchen uns daher nicht allzusehr zu verwundern, daß diese unreifen Jünglinge auch jetzt wieder in derselben Richtung sich geltend machen wollen, da sie sonst wohl vergebens nach einem Objecte suchen, an welchem sie sich vor den Augen des Publikums reiben könnten. Pest, 10. Mai. Ein genauerer Bericht über die Vorgänge in'Buda-Eörs ist wohl darum am Platze, weil sie einige Züge enthalten, die sonst nicht gewöhnlich sind. Die Excesse sollen aus dem Umstande entsprungen sein, daß der dortige Kalkbrennereibesitzer Samuel Pollak fremde Arbeiter ausgenommen hätte. Jndeß hat uns unser Pester Correspondent (s. vor. Nr.) aus bester Quelle berichtet, daß der Boden in jenem Orte von den Antisemiten unterwühlt war. Ein Trupp von Bauern machte den Versuch, die Fabrikgebäude zu stürmen. Der Besitzer der Fabrik sah sich genöthigt, sein Gesinde sowie seine Arbeiter mit Revolvern und Jagdgewehren zu bewaffnen. Anfangs ließen sich die Tumultuanten durch blinde Schüsse in die Flucht jagen. Als sie aber merkten, daß keiner unter ihnen verwundet worden war, kehrten sie wieder zurück und versuchten auf's Neue gewaltsam in die Fabrik zu dringen. Nun feuerten die Arbeiter in die Menge, wobei fünf Arbeiter schwer verwundet wurden. Einer derselben starb wenige Minuten darauf an den Verletzungen. — Nachträglich werden über die nächtliche Revolte noch folgende Details gemeldet: Nachdem es der Menge gelungen, das Thor zu stürmen, stürzte sie in das Innere des Hauses und bedrohte die Bewohner mit dem Tode. In dieser äußersten Gefahr schoß Pollak auf die Angreifer und Einer von ihnen stürzte blutüberströmt zu Boden. Pollak schoß noch einmal und verwundete einen zweiten Angreifer schwer. Die Angreifer hoben den Leichnam ihres mittlerweile gestorbenen Kameraden auf, zogen schreiend vor die Wohnung des Ortsrichters und forderten ihn auf, Pollak zu verhaften. Der Richter weigerte sich anfangs, als die Leute jedoch drohten, daß sie ihn aufhängen würden, und seine Wohnung zu erstürmen begannen, begab sich der Ortsrichter mit dem Kleinrichter und zwei Knechten, von der Menge gefolgt, zur Wohnung Pollaks. Der Ortsrichter erklärte Pollak und sämmtliche Insassen des Hauses für verhaftet und führte sie in das Gemeindehaus. Die Menge folgte schreiend und bewarf die in gesegneten Umständen befindliche Frau Pollaks mit einem Hagel von großen Steinen. Die Unglückliche wurde so hart getroffen, daß jsie bewußtlos zusammensank und fortgetragen werden mußte. Die Familie und die Verwandten Pollaks wurden noch im Laufe der Nacht auf freien Fuß gesetzt, während Pollak weiter in Haft behalten wurde. Der Compagnon Pollaks, Adam Bleyer, begab sich heute nach Buda-Eörs, wo er eine beträchtliche Kaution erlegen wollte, damit Pollak auf freien Fuß gesetzt werde, welchem Verlangen jedoch nicht stattgegeben wurde. Heute Nachmittags erschien der hauptstädtische Advokat Geza Polonyi in Buda-Eörs, um die Freilassung Pollaks zu erwirken, was jedoch auch ihm nicht gelang. — Andern Berichten zufolge hatte der sonntägige blutige Exceß in Buda-Eörs antisemitische Färbung. Lemberg, im Mai. Die „Wiener Correspondenz" meldet: Mehrere jüdische Bürger aus Lemberg haben an den Reichsraths-Abgeordneten vr. Bloch ein Memorandum gerichtet, worin über Acte unglaublicher Brutalität Beschwerde geführt wird, welche ein Oberlieutenant gegen zwei wehrlose Geschäftsleute unternommen und die, obwohl sie der competenten Behörde mitgetheilt worden sind, bisher ohne Genugthuung geblieben seien. Diesem Memorandum zufolge ist der Sachverhalt nachstehender: Am 14. December 1886 ließ der in Oporzec in Galizien stationirte Pionier-Oberlieutenant Hermann Hauernic, der dort bei einem Bahnbau beschäftigt war, den Propinationspächter Hersch Löw zu sich rufen, angeblich um bei ihm Bier für die Soldaten anzukaufen. Zu bestimmter Stunde — 7 Uhr Abends — stellte sich der Pächter ein; er traf den Oberlieutenant allein an, welcher ihm jedoch bedeutete, in einer halben Stunde wieder zu kommen. Als nun Löw wieder kam, gab der Oberlieutenant einem Diener den Befehl, fünf Soldaten zu holen. Der Oberlieutenant fragte ihn, wie theuer er das Bier gebe und wie viel Wasser er hineinmische. Auf seine Betheuerung, daß das nicht seine Art sei, schrie der Oberlieutenant: „Ich kenne Euch, Ihr Betrüger und Spekulanten; Ihr sollt wissen, daß ich hierher gekommen bin, Euch zu züchtigen." Zu den Soldaten gewendet, sagte er: „Macht mit diesem Manne ab; dazu braucht Ihr kein Licht." Er ging fort, die-Lampe wurde abgedreht; die Soldaten fielen über den Unglücklichen her» schlugen ihn mit den Fäusten und warfen ihn zu Boden; der bejammernswerthe Pächter flehte, man möge sich seiner und seiner Familie

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