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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-05-26 · Heft 21 (26.5.1887) · p. Seite 331

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 21 (26.5.1887)
Date
1887-05-26
Page
Seite 331 (sequence 11)
Language
German
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331 der Bericht auf das nächste Jahr verschoben. Die Gemeinde zählt gegenwärtig 443 stimmberechtigte Mitglieder. Daß die Gemeinde in steter Zunahme begriffen ist, geht daraus hervor, daß 1885 30 neue Mitglieder und 33 im Jahre 1886 ausgenommen wurden. Die Gemeinde verausgabte im vorigen Jahre M. 28,161. Sie ist in der seltenen Lage, einen Gemeindefonds zu besitzen von M. 49,289, so wie einen Lehrerpensionsfonds von M. 13,010. Der Bericht hebt insonders den schmerzlichen Verlust hervor, welchen die Gemeinde durch den Tod des Oberrabbiners Dr. W. Landau erlitten hat. Er verstarb in Folge eines Schlaganfalles am 24. August. Es heißt darüber: „Am 1. März 1811 Hierselbst geboren, Sohn des als Lehrer, Vorbeter uud Schriftführer um die Gemeinde hochverdienten Markus Landau, Enkel des ersten Oberrabbiners David Wolf Landau (1801—1818) hat Dr. Wolf Landau seit 1839 als Lehrer an der israelitischen Gemeindeschule, seit 27. December 1854 als Oberrabbiner in unserer Gemeinde unendlich segensreich gewirkt. Am 31. August 1879 beging die Gemeinde festlich in der Synagoge sein 40jähriges Amtsjubiläum, zu dem ihm Se. Majestät der König das Ritterkreuz des Verdienstordens 1. Klasse verlieh. Es war ihm nur noch eine siebenjährige Amtszeit vergönnt. Die allgemeine Liebe und Verehrung, die er sich erworben, gab sich am 26. August bei der Trauerfeier in der Synagoge und der ihr sich anschließenden Beerdigung kund. In der Synagoge gaben im Namen des Gemeinderaths Herr Vorsteher Emil Lehmann, Herr Rabbiner Dr. Feilchenfeld aus Schwerin, der Schwager, und Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt aus Leipzig, der nächste Amtsgenosse des Heimgegangenen, am Grabe die Herren Rabbiner Dr. Mühlfeld aus Chemnitz und Dr. Bärwald aus Saaz und Rechtsanwalt Emil Lehmann den Gefühlen der zahlreichen Trauerversammlung Ausdruck." Frankfurt a. M., 10. Mai. (Privatmitth.) Se. Maj. der König und Kaiser hat dem emerit. Lehrer an der israel. Realschule A. Teblse bei Gelegenheit, als dieser in den Ruhestand getreten, den Kronenorden vierter Klasse verliehen. Darmstadt, im Mai. (Privatmitth.) Wie öffentliche Blätter melden, hat dieser Tage bei den Kammerverhandlungen über die Feuerbestattung*) Herr Oberbürgermeister Ohly den immer mehr überhand nehmenden Luxus bei den Beerdigungen in hiesiger Stadt zur Sprache gebracht und einen scharfen Tadel darüber ausgesprochen; und man findet es hoch an der Zeit, daß gegen dieses sich immer breiter machende Unwesen mit aller Energie angekämpft werde. — *) Die Rüge über den Luxus stand mit den Debatten über die Feuerbestattung in keiner Verbindung, sie wurde nur gelegentlich derselben vorgebracht. Corresp. Ein ähnliches Beispiel finden wir merkwürdigerweise im alten Israel. Wie aus talmudischen Schriften hervorgeht, waren auch da Prunk und Luxus bei der Todtenbestattung eingeriffen; namentlich wurde in Betreff der Leichengewänder ungeheurer Aufwand gemacht, den selbst Wohlhabende kaum erschwingen konnten. Für die Armen war dieser Mißbrauch sehr beschämend. Da trat Gamliel II., der vom Jahre 80 bis 118 n. Chr. an der Spitze des Synhedriums stand, das damals seinen Sitz in Jamnia hatte, dagegen auf. Er führte den Titel Nasi (Fürst), ein Titel, der auch vom römischen Kaiser Domitian anerkannt wurde. Gamliel verordnete, daß man ihn nach seinem Tode in einfachen leinenen Gewändern bestatten solle. Dieses bestimmte die Gelehrten, Verordnungen gegen den Prunk bei Leichenbegängnissen zu erlassen, um fernerhin jeden Unterschied zwischen Arm und Reich abzustellen. Die schöne Sitte der Einfachheit und Gleichheit bei Behandlung und Bestattung der Todten hat sich im Judenthume über 18 Jahrhunderte bis auf die neueste Zeit erhalten. — LI. LI. (Bis jetzt ist es allerdings gelungen, bei unseren Glaubensgenossen die Einfachheit der Bestattung und damit die Gleichheit der Reichen und Armen zu erhalten. Die Vorsteher der Gemeinden und der Chewroth mögen wohl achten, diesen Vorzug uns zu erhalten. Denn bekanntlich schlüpfen Luxus und Prunksucht in jede Spalte ein, die sich ihnen bietet, und sind sie erst drinnen, so sprengen sie wie schmelzendes Eis auch das härteste Gestein. Bereits haben sie sich der Grabdenkmäler auch auf unsren Friedhöfen bemächtigt und der Wetteifer in prachtvollen Monumenten ist geweckt. Dem läßt sich nun kein Einhalt thun und nur auf die Einhaltung der religiösen Vorschriften hinsichtlich bildlicher Darstellungen streng achten. Redact.) Oesterreich-Ungarn. Wien, 15. Mai. Wir haben schon berichtet, daß der Unterrichtsminister gegen die Wiener Burschenschaften eine Untersuchung wegen eines Schreibens hat einleiten lassen, das sie an den Abg. Tomaszczuk gerichtet haben, weil dieser eine Rede gegen den Antisemitismus der sog. „Deutsch-Nationalen" im Abgeordnetenhause gehalten hat. Das Schreiben lautete: „Euer Wohlgeboren! Unter Hinweis auf die in Ihrer Rede vom 29. v. M. gemachten Ausfälle gegen den Verband der Deutsch-Nationalen, welche in den Worten gipfeln: „Die Korruption wird geradezu ein nationales Unglück, wenn sie sich zu dem Object ihrer Verlockung die Jugend wählt und wenn sie in das Herz der Jugend das Gift des Hasses, des Neides und der jüdischen Gehässigkeit einimpft", müssen wir deutsche Burschenschaften Wiens Ihnen als Nichtdeutschem vor Allem die Berechtigung absprechen, sich zum deutsch- 21*

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