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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-05-26 · Heft 21 (26.5.1887) · p. Seite 329

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 21 (26.5.1887)
Date
1887-05-26
Page
Seite 329 (sequence 9)
Language
German
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329 seine Ausführungen nicht weiter auszudehnen, als zu dieser Zurückweisung nöthig ist. Abg. Brömel (fortfahrend): Darin stimme ich dem Herrn Präsidenten vollständig bei. (Heiterkeit.) Ich begnüge mich zum Schluß mit der Bemerkung, daß der Abg. Böckel künftig, wenn er über diese Frage hier sein Urtheil spricht, doch auch zunächst das gesummte vorliegende Material vollständig prüfen möge, und daß er dann bei Abgabe seines Urtheils dieselbe wohlwollende und humane Gesinnung üben möge, die er, wie es scheint» den Schlachtthieren gegenüber hegt. Abg. Miquel: Um Mißverständnissen vorzubeugen, erkläre ich, daß ich für den Principalantrag des Abg. Windthorst stimmen werde, indem ich die Beunruhigungen, welche sich eines großen Theiles unserer jüdischen Mitbürger bemächtigt haben, beseitigen will. So weit es sich um Mißbräuche auf dem Gebiete des Schlachtens handelt, unterstütze ich allerdings die Bestrebungen der Thierschutzvereine. Wer Gelegenheit hat, namentlich in Dörfern, aber auch auf städtischen Schlachthöfen Beobachtungen zu machen, weiß, daß die Quälerei der Thiere dort eine herkömmliche Sache ist, und welch demoralisirenden Einfluß ein solches Schauspiel hat, ist klar. Diese Frage darf durch die Frage des rituellen Schächtens nicht in den Hintergrund gedrängt werden. Andere Nationen sind auf diesem Gebiete uns zuvorgekommen und haben gute Erfolge erzielt. Auf Grund dieser Erfahrung und meiner eigenen Kenntniß der Dinge wünschte ich eine allgemeine reichsgesetzliche Regelung. Ich halte eine solche für möglich. Durch polizeiliche Verordnung ist ja freilich schon Manches erreicht. So darf in Frankfurt nur ein von der Stadt angestellter Schläger den Schlag zur Betäubung des Schlachtviehes führen, nicht etwa Lehrlinge der Metzger, um sich im Schlachten zu üben. Geh.-Rath Wermuth: Ich ergreife nur das Wort, damit nicht der Schein entstehe, als ob in Deutschland in dieser Frage noch gar nichts geschehen sei. Die weit überwiegende Zahl der Ortspolizeibehörden hat sich damit befaßt, und soweit es in ihrer Competenz stand, auch Verordnungen erlassen, und die Polizeibehörden vieler Orte sind in einer Weise vorgegangen, die ungefähr den Wünschen der Thierschutzvereine entsprechen würde. Die Lücke, die gegenwärtig noch vorhanden ist, bezieht sich vornehmlich auf die Verhältnisse des platten Landes. Die Frage, ob die reichsgesetzliche Durchführung polizeilicher Vorschriften in vollem Maße möglich sein wird, muß nach dem Resultat der vorhergehenden. Verhandlungen immer noch als offen betrachtet werden. Abg. Böckel: Für mich ist das Urtheil des Herrn Virchow kein objektives; er ist ein Judenfreund; er hat sich am Grabe von Ludwig Löwe ausdrücklich als Judenfreund bekannt. Was die Behauptung des Abg. Brömel anlangt, ich hätte die Bevölkerung in Hessen — (Glocke des Präsidenten) — gegen einander verhetzt — Präsident: Ich bitte, zu schweigen, wenn ich klingele. Ich bitte die Debatte nicht auf Dinge auszudehnen, die nicht zum Gegenstand der Berathung gehören. Abg. Böckel (sortfahrend): Ich hoffe, daß bei den nächsten Wahlen wir Antisemiten (Glocke des Präsidenten) — ich hoffe — Präsident: Ich muß wiederholt bitten, daß Sie schweigen, wenn ich die Glocke rühre. Ich habe Sie vorhin schon einmal ersucht, nicht auf Dinge zu kommen, die vom Gegenstand der Tagesordnung abliegen. Ich rufe Sie jetzt förmlich zur Sache und mache Sie auf die geschäftsmäßigen Folgen aufmerksam, wenn Sie nicht Folge leisten. . Abg. Böckel: Dann kann ich nur mit dem Wunsche schließen, daß die Regierung die Frage des Schächtens unparteiisch prüfen lassen möge, damit dieselbe endlich gelöst werde. Die Diskussion wird darauf geschlossen. Bei der Abstimmung selbst wird der Antrag der Commission mit dem Zusatz des Abg. Windthorst über die Petitionen, soweit sie sich auf das Schächten beziehen, mit großer Mehrheit gegen die Stimmen einiger Conservativen und des Abg. Böckel angenommen. %eibuvicp>vi<xc Deutschland. Berlin, 15. Mai. Das neue jüdische Krankenhaus legt in diesem Jahre das 25. Jahr seiner Wirksamkeit zurück, der Vorstand hat daher seinem diesmaligen Kassenbericht eine Geschichte der Krankenpflege in der jüdischen Gemeinde zu Berlin beigegeben. Die Organisation dieser Krankenpflege beginnt bereits mit dem Jahre 1753 und führte zur Errichtung des alten Lazareths in der Oranienburger Straße. Mit dem Anfang dieses Jahrhunderts machte sich aber das Bedürfniß nach einer Erweiterung immer dringender geltend, doch war erst 1857 der Plan zur Erbauung eines großen, umfassenden Krankenhauses so weit gediehen, daß die Erwerbung des Grundstücks Augustenstraße 14 ins Auge gefaßt 21

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