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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-05-19 · Heft 20 (19.5.1887) · p. Seite 317

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 20 (19.5.1887)
Date
1887-05-19
Page
Seite 317 (sequence 13)
Language
German
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317 des israelitischen Familienlebens. Darum erinnert Jesaias II (51, 19.) die Exulanten besonders daran, daß in der Hungersnoth „ihre Kinder lagen verschmachtet an der Ecke der Straßen". — Pest, Schwert, Hunger und Gefangenschaft sind es, die Jeremias dem entarteten Volke, seinen Fürsten, Priestern und falschen Propheten ankündigt (14, 13. 15, 2. u. oft. Auch bei ihm sind es besonders die Kinder, die dem Hunger preis gegeben werden, während die Jünglinge durch das Schwert fallen (18, 21.) Jenen schrecklichen Dreibund von Strafen: Pest, Schwert und Hungersnoth sieht denn auch Jeremias selbst wüthen in der umlagerten Stadt (32, 24.) Damit bedroht er auch vom Ueberrest Juda's, welche nach Egypten ziehen wollten, daß sie dort sämmtlich umkommen würden (Kap. 42.) — In demselben Sinne spricht sich Ezechiel aus, nur daß er zu jenen drei Schrecken noch ein viertes, wilde Thiere, hinzufügt. Er sagt (14, 13.): „Menschensohn, so ein Land wider mich sündigt, Untreue begehend, und ich strecke meine Hand gegen selbiges, und zerbreche ihm den Stab des Brodes, und lasse Hungersnoth dawider los, und rotte Mensch und Vieh aus ihm aus," rette ich die wahrhaft Gerechten und Gottesfürchtigen. So Ezechiel in seinen Strafreden. Wo er die Wiederherstellung verkündet, sagt er (34, 29.): „Ich richte ihnen eine Pflanzung her zum Ruhme; nicht mehr sollen von Hungersnoth Welche hingerafft werden im Lande und sie nicht mehr tragen die Schmach der Völker." (36, 29.): „Ich verhelfe euch von all' dem, was euch verunreinigt, und entbiete Getreide und mehre es und lasse keine Hungersnoth über euch kommen." — In den Klageliedern spricht sich Jeremias fast mit denselben Worten, wie in seinen Prophetien aus. Dagegen klingen uns viel sanftere Töne entgegen, wenn wir in die Psalmen und das Buch Hiob blicken. Da heißt es (33,18): „Siehe des Ewigen Auge ist auf die, so ihn fürchten und harren seiner Huld zu retten vom Tode ihr Leben, in Hungersnoth sie zu erhalten!" Der Psalmist (105, 16) erklärt als die Ursache der über Egypten und Kanaan verhängten Hungersnoth die Berufung Josephs, um Jacob und seine Familie zu erretten. 107, 8 heißt es: „Danken müssen sie dem Ewigen seine Gnade und seine Wunder für die Menschenkinder, denn die lechzende Seele hat er gesättigt und die hungernde Seele mit Gutem erfüllt." V. 35: „Er wandelt die Wüste zum Wasserleiche und Steppenland zu Wafferquellen und macht dort Hungernde seßhaft, daß sie gründen eine Stadt zum Wohnsitz. Sie besäen die Felder, sie pflanzen Weinberge und schaffen Frucht des Ertrages. Da segnete er sie und sie mehren sich sehr und ihr Vieh läßt er nicht mindern. Im Buche Hiob heißt es 5, 19: „In sechs der Nöthen hilft er dir, in sieben läßt er Böses dich nicht treffen: in Hungersnoth erlöst er dich vom Tode" rc. In unfern Tagen hat man in den civilisirten Ländern eine Hungersnoth nicht zu fürchten, sondern nur Theuerung. Denn wenn ein Land von Mißwachs heimgesucht ist, wird der Mangel durch den Handel mittels der Zufuhr aus gesegneteren Gegenden ausgeglichen. Giebt es doch nicht wenige Länder, in welchen bei der stark angewachsenen Bevölkerung der Ertrag überhaupt das Bedürfniß an Getreide und Früchten nicht deckt, und die deßhalb der Zufuhr stets bedürfen. Des Segens von oben aber bedürfen wir alle Zeit. — Correspon-en). Saarwellingen, 29. April 1887. Jahresversammlung des Vereins isr. Lehrer Südwest- Drutschlands. Die diesjährige Eonferenz des Vereins isr. Lehrer Südwest-Deutschlands, welche am 17. und 18. d. M. zu Saarbrücken (Hotel Victoria) stattfand, war von 20 Lehrern besucht. Der Besuch wäre ohne Zweifel bedeutend zahlreicher gewesen, wenn, wie in den Vorjahren, die Pflngsttage zur Abhaltung der Eonferenz hätten verwendet werden können. Am 17., Vormittags 11 Uhr, wurde die Versammlung von dem Vorsitzenden Eppstein-Hoppstädten eröffnet. Derselbe theilte mit, daß der D. I. G. B. den Conferenzbesuchern auch dieses Jahr einen Betrag von 75 Mark als Beihilfe zu den Reisespesen gewährt habe, die statutenmäßig erforderliche Neuwahl eines Vorstandes wurde durch die einstimmige Wiederwahl der bisherigen Mitglieder erledigt. In die Tagesordnung eintretend, wurde zunächst von dem Unterzeichneten der Rechenschaftsbericht erstattet. Hieran schloß sich die Besprechung einer vom Unterzeichneten entworfenen, an die Königl. Regierung zu Trier gerichteten Petition um Regelung unserer Anstellungsverhältniffe. Die Petition fußt: 1) auf einer Verfügung genannter Regierung vom 30. Juli 1827, welche wörtlich lautet: „Die jüdischen Lehrer werden künftighin nach der ersten vor unseren Commissarien wohlbestandenen Prüfung nur auf 3 Jahre und erst nach einer abermaligen Prüfung, von welcher wir nur bei einer ausgezeichneten Amtsführung dispensiren werden, . definitiv angestellt; Keine jüdische Schulgemeinde darf aber einen provisorisch angestellten Lehrer willkürlich entlassen, sondern der für die Schule ernannte Commissarius hat 3 Monate vor dem Ende der festgesetzten Zeit, wenn der Angestellte bis dahin die abermalige Prüfung noch nicht bestanden hat, über die Entlassung oder Beibehaltung desselben durch die Vorgesetzte landräthliche Behörde an uns zu berichten: Diese Bestimmungen erstrecken sich auch auf die ausschließlich für den jüdischen Religionsunterricht angestellten Lehrer;"

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