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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-05-19 · Heft 20 (19.5.1887) · p. Seite 313

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 20 (19.5.1887)
Date
1887-05-19
Page
Seite 313 (sequence 9)
Language
German
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313 zur Erwägung zu überweisen, ob und auf welche Weise, insbesondere durch Abänderung des Reichsstrafgesetzbuches, unter Ihnnlichster Schonung religiöser Gebräuche, den in der Petition geltend gemachten Mißständen entgegenzutreten ist. Gegen den Passus des Antrages, unter thunlichster Schonung religiöser Gebräuche erklärte sich jedoch die Mehrheit der Commission; es wurde geltend gemacht, daß damit einer der jetzt üblichen Schlachtmethoden der Vorzug gegeben wurde, was durchaus vermieden werden müsse. Der Antrag des Referenten ivurde daher mit Streichung der genannten Worte angenommen. (Es kommt nun darauf an, ob der Commissionsbericht noch vor das Plenum kommt, und wie dieses sich ausspricht.) Dessau, 10. Mai. Die Sammlungen und Zeichnungen für das Mendelssohn-Denkmal haben das Resultat ergeben, daß die Errichtung gesichert ist. Das Comitö hat vorgestern Sr. Hoheit dem Herzog Vortrag gehalten und um Bestimmung über den Ort des Denkmals gebeten. Se. Hoheit hat die neuen Bahnhofsanlagen gewählt. In Kürze wird das Comitö nun eine Konkurrenz für das Denkmalsproject ausschreiben. Oesterreich-Ungarn. Wien, 6. Mai. (Privatmitth.) Bischof Ronay, der Erzieher der Kinder unseres Kaisers, veröffentlichte neulich sein Tagebuch, allerdings nur in zehn Exemplaren. In demselben bezeichnet er den Antisemitismus als die „neueste Pest unserer Zeit" und schreibt: „Die ungarische Regierung wünscht die Ehe zwischen Christen und Juden durch ein Gesetz zu sanctioniren, um die erregten Gemüther einigermaßen zu beschwichtigen und den drohenden Unruhen vorzubeugen. Ob sie daran gerade jetzt klug gethan hat, darüber will ich nicht sprechen. Das Abgeordnetenhaus hat den Gesetzentwurf angenommen, das Oberhaus schaart sich zur Opposition mit dem aus seiner Ruhe aufgeschreckten Episkopat, und die Begeisterung ist so groß, als ob wir am Vorabend eines Culturkampfes ständen. Da wage ich schon zu sagen: sie handeln nicht weise." Wien, 8. Mai. (Privatmitth.) Der Kampf um den Sprachenerlaß des Ministeriums ist ein lebhafter im Herrenhause, ein erbitterter im Abgeordnetenhause. Die Sprache bedeutet die Nationalität, und es gilt den Deutschen sich durch die slavischen Nationalitäten nicht bis hinter die zweite Linie zurückdrängen zu lassen. Selbstverständlich ist der parlamentarische Kampf nur ein Symptom des zwischen den verschiedenen Völkerstämmen hoch auslodernden Kampfes. Wie sehr dieser an den Kräften des Staates und der Völkerschaften nagt und sie aufreibt, den Staat bis in seine innersten Tiefen erschütternd, braucht nicht gesagt zu werden, wie er denn schon über unzählige Individuen durch die gegenseitige Berfolgung bitteres Elend gebracht hat und mit noch größeren Gefahren droht. Denn ein Ausgang ist nicht sichtbar. Man hat für Böhmen eine Trennung der von Deutschen und der von Czechen bewohnten Landschaften vorgeschkdgen. Das würde wenig helfen, denn die Czechen würden nicht unterlassen, mit aller Kraft nach der Verdrängung der Deutschen aus den Gegenden zu streben, wo beide Nationen untermischt leben, und dann übergehen, deutsche Landstriche allmälig zu occupiren. Der Kampf würde also bleiben, nicht weniger heftig von den Polen gegen die Ruthenen, von den Slovenen, Italienern u. s. w. gegen die Deutschen geführt. Daß unsere Glaubensgenossen unter diesem Völkerhader viel zu leiden haben, ist einleuchtend. Denn einerseits machen es die Parteien den Juden zum Vorwurf und zum Gegenstand der Verfolgung, so weit sie sich ihnen nicht anschließen. Andererseits wird der Nationalhaß und die nationale Ausschließlichkeit so geschärft, daß jede Nationalität die Juden als ein fremdes Element ansieht und ihnen schließlich ebenso abgeneigt ist wie den anderen Nationalitäten. Dies ist auch der Grund, warum hier der Antisemitismus immer neue Nahrung findet. Man seufzt unter diesem Joche, und doch sind die Friedensaussichten äußerst trübe und man begreift kaum wie der Staat dies aushalten könne. Wien, 11. Mai Der Unterrichtsminister ordnete die strengste Disciplinar-Untersuchung gegen die Burschenschaften an, welche eine beschimpfende Zuschrift an den Abgeordneten Tamszczuk wegen dessen letzter Rede gegen den Antisemitismus richteten. Pest, 6. Mai. (Privatmitth.) Wir haben kurz über die Absicht der Regierung berichtet, dem ungarischen Reichstage einen Gesetzentwurf vorzulegen, welcher die Wahlmißbräuche, ahnden und verhindern soll, besonders was die Aufreizungen der Classen, Nationalitäten und Confessionen gegen einander betrifft. Es ist dies gewiß in einem Lande nothwendig, wo so viele Nationalitäten und Confessionen neben und unter einander bestehen. In den jüngsten Tagen hat der Ministerpräsident Tisza die Absicht ausgesprochen, auf die Berathung dieses Gesetzentwurfes in der gegenwärtigen Session zu verzichten, wenn die beantragte Hausordnung für das Abgeordnetenhaus angenommen würde, mit Rücksicht darauf, daß die revidirte Geschäftsordnung genügende Mittel an die Hand gebe, wenigstens gegen die Aufreizungen der Classen, Nationalitäten und Confessionen Abhilfe zu schaffen. Die voraussichtlich langwierigen Debatten über diese Vorlage machten die Discussion jenes Gesetzentwurfes so gut wie unmöglich- Man muß nun den weiteren Vorgang dieser Angelegenheit abwarten und ob die Hoffnungen Tisza's sich erfüllen werden. Pest, 10. Mai. In der benachbarten Gemeinde Budaeoers wurde in der vorletzten Nacht bei einem antisemitischen K:a- 20

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