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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-05-19 · Heft 20 (19.5.1887) · p. Seite 308

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 20 (19.5.1887)
Date
1887-05-19
Page
Seite 308 (sequence 4)
Language
German
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308 Thätigkeit als einer der glänzendsten Heroen aus unserem Stamme anerkannt und verehrt werden. Die Einwanderung in Spanien. Die Aufmerksamkeit ist in jüngster Zeit auf die Einwanderung von Juden in Spanien wiederholt gerichtet worden, und müssen wir deshalb unsererseits diese Angelegenheit nicht aus den Augen lassen, und um so mehr, als sich doch schon herausgestellt hat, daß sie ihre gefährlichen Seiten habe. Spanien hat für die Einheit des römischen Katholicismus innerhalb seiner Grenzen die größten Opfer gebracht, man kann sogar sagen, sich selbst geopfert. Es vertrieb um der Ausschließlichkeit der römisch-katholischen Kirche willen die Juden und die Mauren, einen sehr beträchtlichen und schwer entbehrlichen Theil seiner Bevölkerung; es verfolgte in grausamster Weise jede sog. Ketzerei, jede Spur des Protestantismus; es zündete dafür Tausende von Scheiterhaufen an; es sandte seine besten Heere in die Länder aus, um der katholischen Kirche zur unbedingten Herrschaft zu verhelfen; es nahm dafür den geistigen Stillstand auf allen Gebieten des Lebens auf sich. So sank es von der Höhe der Suprematie herab, die es eine Zeit lang in Europa besessen, verarmte und verkümmerte. Da die Fortschritte, die Spanien in den letzten Jahrzehenden gemacht, doch noch gering sind und wohl wesentlich nur in den oberen Kreisen vorgingen, so kann man nicht voraussetzen, daß der Geist der Duldung und das Bedürfniß der Gewissensfreiheit im spanischen Volke wirklich Raum gewonnen hat. Man muß vielmehr einsehen, daß nicht diese, sondern vorzugsweise volkswirthschaftliche Motive es sind, welche den Wunsch Hervorrufen, daß Juden in Spanien sich ansässig machen. Die Ansicht, daß die Juden das Capital, welches Spanien fehlt und wirksame Gewandtheit in Industrie und Handel mit sich bringen würden, ist, wie wir sehen werden, in Spanien schon seit längerer Zeit verbreitet. Alle Phrasen von Gewissensfreiheit oder von Sühne für die grausame Vertreibung von 1492 sind nur Verkleidung des eigentlichen Zweckes, den volkswirthschaftlichen Uebelständen eine Abhülfe zu schaffen. Es soll dies keine Anklage sein, denn man weiß, daß materielle Interessen eine viel kräftigere Triebfeder abgeben, als ideale Gesinnung. Für die Einwanderung von Juden aber ist diese Einsicht von großem Gewicht. Denn es folgt daraus, daß eine Einwanderung armer oder wenig bemittelter Juden für diese in hohem Grade nachlheilig, wenn nicht gefährlich sein würde; daß man vielmehr von spanischer Seite nur die Niederlassung bemittelter, am besten reicher Juden erstrebt. In dieser Hinsicht sind Warnungen bereits genugsam erflossen. Wir haben denselben wiederholt Ausdruck gegeben. Das Centralcomitö der Alliance isr. univ. hat sich aus demselben Grunde gegen jede Gewährung von Unterstützungen zur Einwanderung in Spanien bewogen gefunden und vor Kurzem ist die Anglo- Jewish Association zu demselben Beschlüsse gelangt. Es ist deßhalb auch eine verdienstliche Arbeit, daß Herr Isidore Loeb dem Aprilbnlletin der Atliauos isr. univ. eine ausführliche Abhandlung „Spanien und die Juden", d. h. über die Versuche, den Juden den Eintritt in Spanien wieder zu verschaffen, hinzugesügt hat, und entnehmen wir demselben Folgendes: Der Vers, bespricht zuerst die Geschichte der Frage. Wir erfahren da, daß schon am 22. März 1797 der Handelsminister Don Pedro Varela ein Memoire an den König Carl IV. richtete, in welchem er den Widerruf des Edictes von 1492 forderte, um das commerzielle, industrielle, und finanzielle Gedeihen Spaniens zu bewirken. Der König lehnte den Vorschlag ab. Der erste Versuch, die Frage wieder zu erwecken, ging von dem Redacteur dieser Zeitung im Jahre 1854 mit dessen Memoire an den Regenten Espartero und die damaligem Cortes aus. Der Verlauf ist bekannt. Die politische Situation änderte sich in diesem Lande der Revolutionen und Militäremeuten bald und der günstige Artikel der Constitution wurde bald wieder verändert. 1865 suchte das französische Centralconsistorium die Erlaubniß für die in Spanien weilenden französischen Juden einen Friedhof zu errichten nach und erhielt eine günstige Antwort, jedoch unter der Bedingung, keine Capelle oder sonstiges gottesdienstliches Gebäude auf dem Friedhof zu errichten. 1868 richteten Sir Moses Montefiore und die Consistorien von Bordeaux und von Bayonne Gesuche um völlige Religionsfreiheit an die damalige provisorische Regierung. Der Art. 21, der damals votirten Verfassung lautete günstig für die Religionsfreiheit, so daß mehrere protestantische Kirchen erbaut wurden. Im Jahre 1871 wurden 9 Israeliten durch den König naturalisirt. Aber die Constitution vom 2. Juli 1876 ging zurück und verbot den öffentlichen Gottesdienst nichtkatholischer Culte, obschon sie nicht gestattete, Jemanden wegen seiner religiösen Meinungen zu beunruhigen. Wurde doch auch ein protestantischer Gottesdienst polizeilich in Madrid unterbrochen, weil man den Gesang auf der Straße gehört haben wollte. Jndeß giebt es jetzt in Spanien eine ziemliche Anzahl protestantischer Capellen. — Der zweite Abschnitt handelt von der Gründung eines spanischen Comits's zur Förderung der Einwanderung von Juden. Die Veranlassung zu dieser Bewegung geht also nicht mehr von Juden, sondern von Spaniern selbst aus. Der Senator und Advocat Jsidoro Lopez Lapuya gründete im Juli vor. I. ein Comits zu diesem Zwecke, welchem einige angesehene Spanier und auch ein deutscher Israelit, Herr Jonas, beitraten. Der Zweck ist im zweiten Artikel des Statuts ausgesprochen, daß das Comitö

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