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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-05-12 · Heft 19 (12.5.1887) · p. Seite 300

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 19 (12.5.1887)
Date
1887-05-12
Page
Seite 300 (sequence 12)
Language
German
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300 Grunde das, was dem Menschen als Uebel erscheint, ebenso von Gott ausgehen läßt wie das Gute, glaubt er doch an böse Dämonen und an Exorcismen. Des Satans erwähnt er nirgends, ein Beweis, daß dieses Wort und sein Begriff in der Zeit des Josephus nicht gang und gebe war. Die Prophetie hält auch er mit Maleachi abgeschlossen, aber er glaubt, daß doch noch weiterhin prophetische Inspirationen Vorkommen, namentlich durch Träume, und hält sich selbst für solcher theilhaftig. In klarster Weise tritt bei ihm der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele hervor, ebenso das Auferstehungsdogma; dagegen finden wir die Messiasidee bei ihm nicht ausgesprochen. Er hält sich fast überall an den einfachen Sinn der Bibeltexte und weist die Allegorisirung, wie sie sowohl im Allgemeinen von Seiten der Stoa als auch wie sie in der Anwendung auf die Bibel von der Alexandrinischen Schule, besonders von Philo geübt ward, entschieden zurück. Die Schrift des Herrn Poznanski erfüllt demnach ihren Zweck vollständig, und erkennen wir gern die lichtvolle Weise an, mit der er seinen Gegenstand behandelt. Wien, 27. April (Literarische Notizen.) In dem Artikel: „Zur Geschichtte des jüdischen Schulwesens in Galizien« (Allg. Ztg. d. Zud. 1887, Nr. 15) sagte ich S. 233, „daß Homberg ein Werk . . . verfaßt habe. Dieses Werk mag im Manuscript Vorgelegen haben, erschienen ist es nicht." Hierzu bemerken Sie: „Doch hat Homberg . . . ist? -hon Wien 1801 und . . . Tp' p Wien 1814 erscheinen lassen." Abgesehen davon, daß mir diese Werke Homberg's bekannt waren: so wäre es doch geradezu eine sträfliche Leichtfertigkeit gewesen, wenn ich obigen Satz niedergeschrieben hätte, ohne die Bibliographen zu Rathe zu ziehen. Selbstverständlich fand ich bei Fürst diese Schriften; aber ich kann es auch jetzt nicht glauben, daß diese mit dem angeführten Werke, das 1796 fertiggestellt war, identisch seien und zwar aus folgendem Grunde: Wenn man weiß, wie ich dies in mehreren meiner Schriften nachgewiesen habe, daß die österreichische Regierung seit 1781 förmlich darauf, wie man sagt, gebrannt hat, einen Lehrtext für den israelitischen Religionsunterricht herbeizuschaffen, eine „Sittenlehre", so ist es mir nicht glaublich, daß Homberg ein Buch von 1796 bis 1801 resp. 1814, welches letztere noch weit über die Horaz'sche Regel hinausgeht, hätte als Manuscript liegen lassen, wozu noch kommt, daß 1812 das Bne Zion erschien. G. Wolf. I e u i i i e f o n. Leopold von Hanke über die Abel. Im Jahre 1863 hat der große deutsche Geschichtsschreiber in Venedig, wo er damals weilte, biographische Skizzen niederzuschreiben begonnen, die jedoch Bruchstücke geblieben sind. Das erste Fragment über die Kindheit, die Gymnasial- und Universitätsjahre sind in der dreizehnten Nummer der „Deutschen Rundschau" veröffentlicht worden. Wir begegnen darin zweien Aussprüchen des Historikers über die Bibel, denen wir deßhalb einen besonderen Werth beilegen, weil sie eben bekunden, welchen Einfluß die heilige Schrift auf die Heranbildung des jugendlichen Geistes gehabt hat. Der eine betrifft seine Schuljahre, die auf der bekannten Schulpforte zubrachte, und lautet; „In dem Lauf der fünf Jahre, die ich auf der Schule zubrachte, waren meine Studien vornehmlich auf die Lectüre der klassischen Autoren gerichtet, namentlich der Dichter. Die Zeit des Abendgottesdienstes, wo ich, wie ich bekennen muß, den kalten und matten Vorträgen wenig folgte, verwandte ich vielmehr dazu, die Bibel so viel als möglich ganz durchzulesen. Es waren die Evangelien bei Weitem mehr als die Episteln, die Psalmen mehr, als die prophetischen Bücher, hauptsächlich aber waren es die historischen Bücher des Alten Testaments, die ich immer von Neuem las. Es war ein vollkommen abweichender, aber doch naheliegender Horizont, wie der der Homerischen Gedichte. Es ist der Hintergrund oder vielmehr die Grundlage aller Bildung, aller Anschauungen der späteren Welt. Die junge Seele gleitet leicht über das Anstößige und Unverständliche weg; aber sie wird von dem Geheimnißvollen, was etwas ganz Anderes und wenigstens die Ahnung des Verständnisses in sich schließt, dem Großartigen und der Macht der Erscheinung, dem starken unmittelbaren Ausdruck derselben, in ihrer Tiefe ergriffen; sie athmet die Luft des Unvergänglichen ein." Aus seinen Universitätsjahren zu Leipzig, wo er anfangs Theologie studirte, schreibt Ranke: „Großes Vergnügen machte mir ein Versuch, die Psalmen aus dem Hebräischen zu übersetzen, rhythmisch, aber so eng an den Text anschließend, wie möglich. Ich bemühte mich, den Gedankengang aufzufassen, den eigensten Gehalt jedes dieser merkwürdigen Ueberreste eines hohen Alterthums zu ergreifen. Das Eine oder das Andere meinte ich auf einzelne Momente der Geschichte der Könige beziehen zu können. Erst, wenn ich mich selbst versucht hatte mit einigen älteren Hülfsmitteln, las ich De Wette. Ich habe mich seitdem immer mit dem Gedanken getragen, in den Psalmen nicht allein religiöse Gefühle

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