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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-05-12 · Heft 19 (12.5.1887) · p. Seite 297

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 19 (12.5.1887)
Date
1887-05-12
Page
Seite 297 (sequence 9)
Language
German
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297 erreicht, wovon auf die Rubrik Wäsche und Bekleidung allein 9149 fl. 20 kr. entfallen; Ziffern, die von jeder weiteren Erörterung über die humanitäre Mission dieses Vereins entheben. Wiewohl der Verein Subventionen von der Ersten Oesterreichischen Sparkasse, sowie von mehreren ihm zweckverwandten Instituten bezieht, kämpft.derselbe doch seit vielen Jahren mit einem Deficit, das durch die unzureichenden Mitgliedsbeiträge und den sieten Zuwachs seiner Zöglinge verursacht wird. Es wäre daher zu wünschen, daß diesem Humanitären Institute ein reger Beitritt von Mitgliedern die vollkommene Erfüllung seiner schönen Zwecke erleichtern möge. Prag, im April. Wie in den Vorjahren hat auch Heuer der k. k. Feldrabbiner Herr Dr. Alexander Kisch aus Anlaß des isr. Osterfestes einen festlichen Gottesdienst für die isr. Soldaten der Prager Garnison abgehalten. Derselbe fand unter zahlreicher Betheiligung aus militärischen Kreisen am 15. d. M. in der Meiselsynagoge statt, welche der Vorstand dieses Gotteshauses in entgegenkommender Weise zur Verfügung gestellt hat. Der feierliche Gottesdienst und die begeisternde patriotische Predigt übten auf die zahlreichen Anwesenden einen erhebenden Eindruck. Lemberg, 30. April. Der Grodeker Grundbesitzer Ivan Rap, der sich geäußert hatte, daß er bei dem zu erwartenden Einmärsche der Russen in Galizien, sowohl die Juden als auch die Polen massakriren werde und der beim Verhör seinem Judenhasse unzweideutigen Ausdruck gab, wurde heute zu sechs Wochen Arrest verurtheilt. Rußland. Petersburg, im April. Nach einer Verfügung des Finanzministers ist der „Kr. Z." zufolge der sogenannte jüdische Colonisationsfonds, welcher ursprünglich zur Einrichtung von Ackerbau-Colonieen für Juden bestimmt war und mehr als zwei Mill. Rubel betrug, dem Staatsschatz überwiesen worden. Als Grund dieser Maßregel wird die angebliche Abneigung gegen die Ansiedelung von Juden auf dem Lande angegeben. Italien. Rom, im April. Als vor einiger Zeit der Abg. Luzzatti, Israelit, dem Könige zum Minister des Unterrichts vorgeschlagen war, wobei wir noch einmal hervorheben wollen, daß sich König Humbert durchaus nicht, wie das Gerücht ging, dagegen erklärt hatte, sondern mit diesem Vorschläge einverstanden war — mußte man neugierig sein zu erfahren, wie dieser Vorgang von clericaler Seite, also von der römischen Curie, angesehen und beurtheilt werben würde. Zur großen Ueberraschung äußerte sich das päpstliche Blatt »Unitä eatolica“ in durchaus nicht feindlichem Sinne. Wir entnehmen dem langen Artikel einige Stellen, welche die „Arch. isr." anführen. „Thatsächlich stehen kein Gesetz und keine Antipathie dem Eintritt der Israeliten in die italienische Regierung entgegen, und wie man im Jahre 1873 ein Ministerium mit dem Israeliten Maurogonato in den Finanzen und im Jahre 1887 mit Luzzatti im öffentlichen Unterricht hätte haben können, so könnte man einmal ein ganzes Ministerium von Juden haben. Wir sind sicher, daß ein solches Ministerium nicht schlechter sein würde, als die vorhergehenden, und vielleicht läßt es selbst die Mönche und Nonnen ruhiger in ihren Klöstern." . . . „Und ein jüdisches Ministerium würde in unserem Herzen die Hoffnung wieder aufleben lassen, daß die römische Frage gelöst werden würde und daß man dem obersten Haupt der Kirche „geschmückt mit der dreifachen Krone der Gerechtigkeit, der Weisheit und der Gottesfurcht", die Unabhängigkeit und die Freiheit wieder geben würde, mit deren Hilfe er die Weisheit und Gerechtigkeit, mit denen er geschmückt ist, zum Wohle Italiens und der Welt kundthuen könnte, und indem er die Gottesfurcht in das Herz der Völker eiuflößen würde, würde er sie frei machen in dem Sinne jener christlichen Freiheit, welche die allein wahre ist." Jedenfalls geht aus diesen Zeilen hervor, daß man von ultramontaner Seite den Juden einen unparteiischen Sinn gegenüber dem Papstthum zutraut, und zwar mehr als den bis jetzt in Italien herrschenden Kreisen. Diese Unparteilichkeit auf dem confessionellen Gebiete haben die Juden in Wort, Schrift und That, wo die Gelegenheit sich darbot, erwiesen. — Einer von Rom aus nach Cincinnati gerichteten Kabeldepesche zufolge hat der König von Italien, wie die „Frkf. Ztg." mittheilt, den amerikanischen Bildhauer Moses Jakob Ezekiel geadelt. Ezekiel wurde 1844 in Richmond, Virginia, geboren, besuchte die dortige Kriegsschule, kämpfte im amerikanischen Bürgerkriege in den Reihen der Südstaaten und ging 1869 nach Berlin, wo er die Academie bis 1879 besuchte und später unter Albert Wolff arbeitete. Als er 1873 den Preis der Meyerbeer-Stiftung errang, begab er sich nach Rom. Zu seinen bedeutendsten Werken gehören: das Denkmal der Religionsfreiheit im Fairmountpark zu Philadelphia, die Statuen Eva, Israel, Pan und Amor, der an einen Pfahl gebundene Märtyrer, der Glaube, der Trost und das Reiterdenkmal des Generals Lee. (Die Nachricht scheint uns zweifelhaft, weil ein nordamerikanischer Bürger den Adel nicht annehmen darf. Red.) Amerika. New-Nork, im April. (Privatmitth.) Zwei mit einander eng verbundene Strömungen gehen jetzt durch die Bereinigten Staaten und werden noch viele Streitigkeiten und Kämpfe Hervorrufen: die Temperance und die puritanische Sonntagsfeier. Was die letztere betrifft, so holt man alte vergessene Verordnungen in den einzelnen Staaten hervor, welche zur 19

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