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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-05-12 · Heft 19 (12.5.1887) · p. Seite 295

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 19 (12.5.1887)
Date
1887-05-12
Page
Seite 295 (sequence 7)
Language
German
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295 Selbstverständlich schenkt diesem Redner Niemand auch nur die geringste Beachtung, und seine Aeußerungen sind nur Curiositäten. — Stöcker hat wirklich, trotzdem der Reichskanzler die Cabinetsfrage gestellt hatte, gegen das neue kirchenpolitische Gesetz gestimmt. Das ist erklärlich, da dasselbe allseitig für einen Friedensschluß erklärt worden. Seine Parteigenossen hierbei (von der äußersten Rechten) waren — 7 an der Zahl! Hieraus kann man erkennen, wie groß der Einfluß Stöcker's bei der Regierung und im Parlamente ist. In der vor einigen Tagen stattgefundenen Versammlung von Geistlichen und Laien zu Gunsten von Hammerstein-Kleist-Retzow's Antrag für größere Freiheit und bessere Dotirung der evangelischen Kirche hat unter Anderen auch Stöcker eine Rede gehalten, in welcher er die ehrwürdigen Herren mehrere Male zum Lachen brachte, was wohl eine angenehme Unterbrechung war. Nachschrift vom 5. Mai. Endlich hat Böckel sich auch zu einem direkten Angriff aufgeschwungen, in der Sitzung des Reichstages vom 5. Mai, der ihm jedoch schlecht bekommen. S. nächste Nr. Magdeburg, 29. April. (Privatmitth.) Zwischen dem hiesigen Rabbiner Dr. Rahmer, Redacteur der „Israelitischen Wochenschrift", und dem Rabbiner Dr. Bloch, Redacteur der „Oesterr. Wochenschrift", hatte sich eine heftige Polemik entsponnen. Da schickte Di-. Bloch ein Pamphlet voll schmählicher Injurien gegen Dr. Rahmer in vielen Exemplaren nach Magdeburg. In Folge dessen erließen der Vorstand und die Repräsentantenversammlung und eine Versammlung von Mitgliedern der dortigen Gemeinde Ehrenerklärungen an Dr. Rahmer, in welchen sie jene Schmähschrift mit Entrüstung zurückwiesen und ihr volles Vertrauen auf ihren Rabbiner, der bereits zwanzig Jahre alldort segensreich wirke, kundgaben. Es ist traurig, daß solche Verirrungen und Zwistigkeiten innerhalb unserer Kreise Vorkommen, welche nur unseren Gegnern eine bedauerliche Befriedigung schaffen. Frankfurt a. M., 29. April. Der Almosenkasten der israelitischen Gemeinde zahlte im abgelaufenen Jahr an Quartalspenden M. 28,723, an monatlichen und sofortigen Spenden M. 34,775 an 425 Familien und Einzelne. Während die Ausgaben Zunahmen, haben sich die Einnahmen vermindert. Die Spenden zur Vertheilung betrugen M. 27,284, die Legate und Geschenke M. 4083, die Beiträge M. 12,166. Vorsitzender des Pflegeamts ist Herr Georg Speyer. Leipzig, 2. Mai. (Privatmitth.) Wir haben bereits öfter über die treffliche Organisation der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde berichtet, so daß wir auf den eben erschienenen Verwaltungsbericht des Vorstandes für das Jahr 1886 nicht näher einzugehen brauchen. Wir wollen deshalb nur Gelegenheit nehmen, auf einen besonderen Ausgabeposten aufmerksam zu machen, nämlich auf die Heizung der Synagoge, die für das abgelaufene Jahr mit 227 M. 43 Pf. angesetzt ist. So klein der Gegenstand an sich erscheinen mag, so legen wir ihm doch eine nicht geringe Bedeutung für den Besuch des öffentlichen Gottesdienstes bei. Für kränkliche, besonders zu Katarrhen geneigte Personen wird der Aufenthalt in den kalten und oft auch feuchten Räumen der Synagogen, wenn jede Art von Heizung fehlt, nicht allein beschwerlich, sondern auch gefährlich, und wir halten es daher geradezu für eine ernste Pflicht, daß die Vorstände diesem allgemein verbreiteten Mangel abhelfen. Die Ausgaben dafür gehören zu den nothwendigsten. In unserem Klima sind ungeheizte größere Räume nicht bloß im Winter, sondern auch im Frühling und Herbst für einen längeren Aufenthalt, wie ihn namentlich der Festgottesdienst erfordert, ungeeignet. Man mag nicht einwenden, daß unsere Väter eine Heizung der Synagogen gar nicht kannten, und doch täglich den Gottesdienst besuchten. Nun wird es aber Niemand leugnen, daß das Bedürfniß und das Pflichtgefühl in Bezug auf den Besuch des Gottesdienstes sehr abgenommen hat, und so muß man um so mehr jeden triftigen Grund hinwegräumen, der vom Besuch des Gottesdienstes abzuhalten vermag. Es giebt sehr viele Fälle, wo kränkliche Individuen den dringenden Wunsch hegten, den Gottesdienst zu besuchen, aber durch die eisige Luft in der Synagoge selbst auf ärztliche Verordnung davon zurückgehalten wurden. Möge deshalb diese Mahnung nicht übersehen werden, und besonders die Leiter des Gottesdienstes auf Abhilfe dringen. Königsberg, 1. Mai. (Eingesandt.) In dem von dem hiesigen Comite zur Unterstützung der Ansgewiesenen veröffentlichten Rechenschaftsberichte hat sich in Folge falscher Bezeichnung bei dem Eingänge ein Jrrthum eingeschlichen. Nach dem Berichte hat das Comite vom deutschen Central- Comite zu Berlin Mk. 1O000, vom Berliner Konnte, für verfolgte russische Juden, Mk. 1000 erhalten. In Wirklichkeit haben wir vom erstgenannten Comite nur Mk. 7500, dagegen vom Berliner Comite rc. Mk. 3500 erhalten. Die letzte vom Berliner Comite eingegangene Sendung von Mk. 2500 war eben irrthümlich im Cassabuche als eine Sendung des Central-Comites aufgeführt worden. Ich darf die verehrliche Redaction dieses Blattes wohl bitten, dieser Berichtigung Abdruck zu vergönnen. Dr. Bamberger. Aus Mecklenburg, 1. Mai. Die israelitischen Gemeinden in Mecklenburg, welche schon an der Unruhe mitzutragen hatten, welche die Petition des Verbandes deutscher Thierschutzvereine für Einführung einer ihren rituellen Vorschriften widerstrebenden Schlachtweise erregt hat, hielten sich an demselben Punkte noch außerdem durch ein kürzlich in beiden Großherzogthümern publicirtes Landesgesetz, betreffend das Aufblaseu von Fleisch, bedroht. Der mecklenburg-strelitzische Landesrabbiner, Dr. Hamburger in Strelitz, fand sich

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