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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-05-05 · Heft 18 (5.5.1887) · p. Seite 286

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 18 (5.5.1887)
Date
1887-05-05
Page
Seite 286 (sequence 14)
Language
German
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286 meinen, ohne Zweifel unterstützt durch die göttliche Leitung. Der große Gesetzgeber gründet aber seine Vorschriften in Behandlung der Vögelmütter, wenn sie oder ihre Eier gefunden werden, auch auf die zarten und menschlichen Gefühle der Hebräers. Es mag bemerkt werden, daß, wie sich die Bewohner von Palästina heute in dieser Beziehung aufführen, es gerade das Gegentheil zu den oben erwähnten vorsorglichen Vorschriften ist. Gefühl für Vögel irgend einer Gattung fehlt ganz in ihrem Charakter. Gefühlvolle Behandlung irgend eines lebenden Wesens ist ganz unbekannt. Ebenso ist es in Hinsicht des Essens der Vögel und Thiere; viele derselben werden gierig verschlungen, welche zu essen, Menschen in civilisirten Ländern niemals in den Sinn kommt. Eine Anzahl solcher, welche in dem Verzeichniß als unreine Vögel in 3 Mose 11, bezeichnet sind, werden bei den Eingeborenen ohne allen Anstand verzehrt; und von den wilden Thieren essen sie den Fuchs, und selbst die Hyäne. Einige essen selbst Katzen! Es mag sein, daß die große Armuth das Volk zu solcher Erniedrigung gebracht hat, aber was ich oben sagte, gründet sich auf eine sechsjährige Beobachtung und einen Umgang mit diesem Volk, dessen Gewohnheiten in Hinsicht ihres Spcisens mir schrecklich und höchst anstößig erschien. Diese Bemerkungen beziehen sich natürlich auf die ärmeren Elasten in der Stadt und unter den Landleuten und das Gesindel unter den Beduinen. Für ein Land mit so geringer Ausdehnung ist Palästina eines von den merkwürdigsten auf der Erde in Hinsicht der Anzahl von Raubvögeln, welche auf 40 bis 50 verschiedene Arten zu schätzen sind. Die meisten der großen Raubvögel sind unter dem allgemeinen Namen „Nisser" bekannt, welches „Adler" bedeutet. Reisende berichten öfters, daß sie eine große Anzahl „Adler" gesehen haben, während es in Wirklichkeit nur Geier waren. Die Eingeborenen geben keine bestimmten Antworten auf die Fragen, welche der Reisende gelegentlich an sie richtet. Eine Antwort, die eben den Fragenden zufrieden stellt, ist die wirkliche Antwort. Die höheren Elasten und die Reichen der größeren Städte bekümmern sich gar nicht um solche Dinge und unterscheiden kaum einen Vogel von dem anderen. Reisende sagten mir schon öfters: „Wir haben an dem und dem Platz verschiedene sehr große Vögel gesehen, die unsere Lagerstätte wiederholt umkreisten, das eine Mal in ' großer Höhe, das andere Mal sehr niedrig über uns", „Jak! das sind Egyptische Geier". Oft auch werden sie Pharaohs Hühnchen genannt. Im Frühjahr, Sommer und Herbst giebt ' es sehr viele, und sie folgen immer den Lagerstätten der ' . Beduinen. Es ist ein äußerst unreiner Vogel, und was man : ihr Gesicht nennen möchte, hat ein gräßliches Aussehen. Wir haben von der Thatsache gesprochen, daß die meisten! Vögel dieses Landes ihre besonderen Zeiten haben. Die Raben, welche in und bei Jerusalem sind, zeigen dies be- ' sonders deutlich. Im Herbst ist die Luft von ihnen voll. Sie bedecken die Hügelspitzen, Felsen und sonstige hervorragende Dinge. Zu Hunderten versammeln sie sich jeden Abend, haufenweise bei den Mauern Jerusalems zum Aufsitzen für die Nacht. Vielleicht kein anderer Vogel ist während dieser Monate so zahlreich, als die Raben, während im Frühjahr und Vorsommer einen Raben bei Jerusalem zu sehen, eine große Seltenheit ist. Es scheint, daß keine anderen Jagdvögel so zahlreich sind als die Rebhühner, von welchen es zwei Arten giebt. Die eine Art findet man am Todten Meer und im Jordanthal, sie kommt aber niemals in die Berge hinauf. Dasselbe ist in der Größe ungefähr die Hälfte des anderen, welches in den Thälern und Ebenen, besonders aber in Bergrevieren sich aufhält. Im Herbst kann man ganze Schwärme antreffen oder aufscheuchen. Die Araber fangen sie in großer Anzahl und verkaufen sie an die Hotels und in Privathäuser, da ihr Fleisch sehr geschätzt ist. Dieses ist ohne Zweifel dasjenige, mit dem sich Davids vergleicht, „gejagt auf den Bergen von Saul wie ein Rebhuhn". Diese Vögel sind leicht zahm zu machen und werden große Lieblinge in einem Haushalt, und sehr anhänglich an ihre Meister. Die Eingeborenen des Landes haben außer Schußwaffen viele Kunstgriffe, um Vögel zu fangen, und es mag interessiren, wenn ich mittheile, daß unter den Beduinenstämmen Falken zum Vogelfang abgerichtet werden. Wenn immer sie angesehene Gäste zu bewirthen haben, besonders wenn es Ausländer sind, schicken sie ihre Falken hinaus. Das Jagen ist ja.ihre Hauptbeschäftigung. Es kann nicht erwartet werden, in einem kurzen Aufsatz einen völlig ausgearbeiteten Bericht über die Vögel Palästinas zu finden, sondern es ist bloß versucht worden, einige Thatsachen anzugeben, welche dem Leser nicht uninteressant sein mögen. Verzeichnisse, Namen, Orte, Zeiten der Wanderung und andere Eigenthümlichkeiten und Gewohnheiten der Vögel sind größtentheils nothwendiger Weise weggelassen. Es mag noch bemerkt werden, daß die Arbeiten der Naturalisten in diesem Lande, ob wir die Vögel, Thiere Jnsecten, Blumen oder Versteinerungen betrachten, noch keine vollständige ist. Vieles ist gethan worden, während der letzten 10 oder 20 Jahre in Bereicherung unserer Kenntnisse in Hinsicht dieser interessanten Gegenstände, aber noch sehr viel verbleibt zu thun. Es mag erwähnt werden, daß das 2) 5 Mose 22, 6. s) I. Samuel 28, 20,

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