Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1887)
- Date
- 1887-05-05
- Page
- Seite 285 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227663-3227682--44389-3266665- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
285 Anhang giebt der Verf. die Uebersicht der Capitel in hebräi- Uebertragung. So verbindet diese Arbeit Belehrendes und scher Uebersetzung, dem arabischen Original und der deutschen Anregendes. — Jeuilleion. Die Vögel PaMna's. Von Selah Merrill, LL. v., Amerik. Consul in Jerusalem. Wir entnehmen dem Jahrbuch „Jerusalem", über welches wir eben berichtet haben, folgenden interessanten Artikel: Die Aussagen der Reisenden über die Vögel Palästinas lauten gar verschieden. Die einen reisen durch's Land und sagen: „Aber wie wenig Vögel giebt es da, man sieht fast gar keine!" Die anderen: „Das Land ist voll Vögel!" Viel hängt eben von der Jahreszeit ab, in welcher gerade die Reise gemacht wird und wohl noch mehr von der Beobachtungsgabe, ob einer eine solche hat oder nicht. In der That, man kann von Palästina sagen, daß es reich an Vögeln ist, wenn man alle diejenigen, welche bloß periodisch über das Land hinziehen, mit denen, welche das ganze Jahr da sind, zusammen nimmt. Solche Zugvögel, die während ihres Durchganges gefangen werden, rechnet man in der Regel, ob mit Recht oder Unrecht, auch zu den Vögeln Palästinas. Das Verzeichniß aller der verschiedenen Vögel-Arten, die man bisher in Palästina wahrgenommen hat, beträgt nahezu 350. Wenn man die Vögel und Blumen Palästinas betrachtet, so muß man dabei die ungewöhnliche Beschaffenheit des Landes in Gedanken behalten. In einem Landstrich von ungefähr 100 Meilen breit, von West nach Osten, finden wir die Meeresküste, den hohen Gebirgszug des westlichen Palästinas, die ungewöhnliche Einsenkung des Jordanthales, dann die lange Bergkette von Gilead, »nd endlich das weite Tafel-Hochland, welches sich von Gilead ostwärts, und nordwärts bis Damascus erstreckt. Hier unterscheiden sich zum mindesten 4 ganz an fich verschiedene Landschaften. Die Berge diesseits und jenseits als eine betrachtet, haben sie doch bis zu einem gewissen Grad eine verschiedene Thierwelt aufzuweisen. Dann giebt es Vögel an der Meeresküste, welche niemals die Berge des westlichen Palästina noch die Berge Gileads besuchen; und so ist es mit dem Jordanthal. Dasselbe hat ein Tropen-Klima, wo eine Verschiedenheit von Vögeln der Tropen sich findet. In einem Tropen-Klima haben nun gewöhnlich die Vögel ein prächtiges Gefieder, aber in Palästina haben die Vögel im Allgemeinen ein dunkles und mattes Gefieder. Es giebt hier zu Lande eine Anzahl mit schönem Gefieder, aber einige davon sind zu finden an der Meeresküste, andere in den Bergen, und noch andere beim Jordan; so würde z. B. einer, wenn er einen Besuch in der Umgegend von Jerusalem macht, gewisse Vögel nur zu einer gewissen Jahreszeit da sehen, wie die Mandelkrähe, den Bienenfresser, den Wiedehopf, die Elster, sehr selten auch den goldenen Pirol. Einige Arten der Steinschmätzer in der Umgegend von Jerusalem haben glänzendes Gefieder, aber durchaus nicht auf irgend eine Weise ausgezeichnet. An der Meeresküste und am Jordan kennt man 3 Arten Königsfischcr oder Eisvögel, von welchem der Smyrncr Eisvogel ein sehr auffallendes und schönes Gefieder hat, sowie den Sonnenvogel, den Flammingo, den Silberreiher, den rothen Ibis und den weißen Pelikan. Einige der wilden Enten, der Houbara Bustard, die Frankolinhühner und noch wenig andere Vögel, die von Ferne gesehen nichts besonderes zeigen, sind merkwürdig wegen der Feinheit und Zartheit der Zeichnung ihrer Federn, wenn man dieselben näher ansieht. Auf der anderen Seite dagegen ist die schon erwähnte Dohle, von der Ferne gesehen, ein Vogel von sehr schönem Gefieder, aber wenn die Federn genauer betrachtet werden, so erweisen sie sich als sehr roh. Ferner, bei einem Land von Vögeln vermuthet man, daß es auch ein Land des Gesanges ist. Aber in Palästina ist es eine merkwürdige Thatsache, daß es sehr wenig Gesangvögel hat. Dohlen-, Krähen- und Rabengekrächz, Schwalben- und Spatzengezwitscher wird gehört, und Lerchen trillern ihre glücklichen Noten heraus; die Turteltauben girren auf die wunderlichste Weise, auch einige andere Vögel geben ihre besonderen Töne von sich, aber laute und angenehme schöne Sänger giebt es nicht. Die große Hitze des Landes und der Mangel an Wäldern mag daran Schuld sein. Der Bibelleser bemerkt deutlich, daß die Schreiber der Jjfc Schrift unzählige Male Anspielungen auf Vögel und ihre Gewohnheiten machen, was beweist, daß sie sorgfältige Beobachter von solchen Dingen waren. Die Vergleichungen, Sinnbilder und Lehren, die sie aus diesen Beobachtungen ziehen, sind schlagend und sehr schön. Moses war sehr genau in der Unterscheidung zwischen rein und unrein'), und seine Vorschriften in dieser Hinsicht gründeten fich auf genauere Beobachtung und Gewohnheiten der Vögel im Allge- 1) 3 Mose ll. u. 5 Mose 14.