Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1887)
- Date
- 1887-04-28
- Page
- Seite 269 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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269 Compositionsskizze» eigener Erfindung, welche zur Beurtheilung des bisherigen Studienganges des Bewerber« dienen können, einzusenden. Der Preis besteht in einem Stipendium von 2250 Mark zu einer einjährigen Studienreise nach Italien unter der Bedingung, daß her Prämiirte sich 8 Monate in Rom aufhalten und über seine Studien bei Ablauf der eisten sechs Monate an die Academie der Künste unter Beifügung eigener Arbeiten Bericht erstatten muß. Die Zuerkennung des Preises erfolgt im November d. I. (Wir wünschen sehr, daß diesmal sich Bewerber einfinden, so daß der Preis ertheilt werden könne, was das letzte Mal — der Preis ist abwechselnd für Maler und für Bildhauer bestimmt — nicht der Fall war.) Feuilleton. London, 14. April. Ae englisch-jii-isch-historische Anstellung. Anbei gebe ich Ihnen den gewünschten Bericht über die Ausstellung, wobei ich nur zu erwägen bitte, daß ich kein geschulter Berichterstatter bin und meine Meinung ohne alle Prätension ausspreche. Im Uebrigen lege ich den gedruckten ausführlichen Katalog bei, der jeder Abtheilung eine kleine lehrreiche Einleitung voranschickt?) Die Ausstellung ist nicht so bedeutend, als ich erwartet, und die Idee, für sie die große Albert Hall zu wählen — es sind nur zwei Räume darin gefüllt — war nach meiner Meinung nicht glücklich, denn man ist zu sehr an das Colossale gewöhnt, wenn man au Ausstellungen in der Albert Hall denkt, noch weniger, daß man an allen Londoner Bahnstationen Billete incl. Enträe zu reducirten Preisen ausgiebt. — Was nun die Ausstellung selbst betrifft, so ist zwar Einiges darin, was höchst interessant ist, aber es ist dünn gesäet zwischen dem Vielen, was nur den Platz füllt. — Sehr interessant .ist die Münzen-Sammlung — speciell jüd. Münzen aus der Zeit von etwa 200 vor bis 150 nach der gew. Ztrch. Ich mache Sie auf diesen Theil im Katalog aufmerksam, und da einer der Hauptsammler ein Frankfurter ist (2 Hamburger), so finden Sie vielleicht einmal Gelegenheit, dieselben zu sehen. Die Umschriften sind nicht, wie man zu glauben versucht sein könnte, in unserer bekannten hebräischen Quadratschrift, sondern in althebräischen oder phönizischen Schristzeichen, die zwischen der ägyptischen Hieratschrift und dem Altgriechischen die Mittelstufe bilden, während unsere hebräische Quadratschrift evident eine Seitenlinie bildet. Die Zeichen auf den Münzen sind hauptsächlich entweder ein Gefäß, ähnlich wie eine Tazza mit Fuß, oder ein Tempelthor, oder eiy Lulaw mit Esrog. Das antike Lulaw scheint qher einen? mächtigen Strauß ähnlich gewesen i) Catalogue of the Anglo:Jewisli Historical Exhibition London, Clowes and Sons, 1887. zu sein, aus dem nur die Spitze des Palmenzweiges in der Mitte hervorragte, und ich weiß nicht, was die, zwei zur Seite des Palmenzweiges hervorragenden Stengel mit herabfallenden Köpfen bedeuten — vielleicht Weizenähren?) Da ich nun gerade beim Uralten bin, so erwähne ich als sehr interessant einige Stein-Sarkophage aus Palästina — in Form von gewölbten Koffern mit Blumen-und Arabesken- Verzierung; ich habe ähnliche im Louvre gesehen; sowie ein Gyps-Abguß des bekannten moabitischen Steines und der Inschrift von Silva; ferner einige Gefäße und Lämpchen aus der Zeit von Herodes. Die Lämpchen sind in der bekannten griechischen und römischen Form (lang gestreckt, schnabelförmig) und die Gefäße haben die graziöse Form der etrurischen, doch stärker ausgebaucht. Ihre werthe Gattin wird sich der Formen der ägypto-griechischen Vasen im British-Museum erinnern — das sind, wie es scheint, die Formen, die zur Zeit vor dem Falle Jerusalems noch modern waren. — Was sonst noch von Uraltem da war, erfordert mehr Phantasie, als ich habe, um Jemand zu begeistern, z. B. ein Ziegelstein vom Thurm zu Babel; ein blauemaillirter ditto vom Palast von Belschazzar; die drei Zeichen von unsichtbarer Hand sind, glaube ich, schon damals verschwunden und auch jetzt nicht mehr sichtbar — ein Ziegel aus Nebukadnezars Palast u. dgl. mehr. Jetzt werden Sie mich vielleicht fragen, was das mit der Anglo-llswisb History zu thuii habe — — die Anglo- Jewish History ist eben sehr uninteressant, denn die Pergamentstückchen mit Handelsverträgen, Kauf-Acten u. dgl. sind zu 99 Procent höchst gleichgültiger Art, und man kann doch auch als Besucher für 1 Shilling Enträe sich die Lectüre nicht gönnen. Da waren auch noch einige Schränke mit Büchern hinter eisernen Drahtgittern, mit unzweifelhäft seltenen und interessanten Manuscriptcn, aber ich finde, daß diese nicht die richtigen Gegenstände einer Ausstellung sind, sondern am 2) Man vergleiche die Schrift M. A, Levy's über die jüdischen Münzen