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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-04-28 · Heft 17 (28.4.1887) · p. Seite 266

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 17 (28.4.1887)
Date
1887-04-28
Page
Seite 266 (sequence 10)
Language
German
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266 Mendelssohn lebte, wird soeben abgerissen, um einem prächtigen Neubau zu weichen; das einfache schmucklose Gebäude, in welchem der Philosoph, wie es auf der marmornen Gedenktafel heißt, „Unsterbliches wirkte", mochte wohl zu den benachbarten Palästen der Kaiser Wilhelmstraße nicht mehr recht passen. — Aus Pest wird uns mitgetheilt: Bei der am 11. d. M. im Sitzungssaale der Altofner israelitischen Gemeinde abgehaltenen Generalversammlung wurde vr. Julius Klein aus Szigetvar mit 144 von 151 Stimmen zum Oberrabbiner von Altofen gewählt. — Der gewesene Redacteur des antisemitischen „Westungarisch. Grenzbote", bei dem sich schon im vorigen Jahre bedenkliche Anzeichen von Geisteszerrüttung zeigten, ist, wie aus Preßburg geschrieben wird, irrsinnnig geworden und dem Landesspital übergeben. — Aus Pest wird uns geschrieben: Die Präsidentin des hiesigen israelitischen Frauenvereins, Frau Johanna Bischitz, wurde durch Verleihung des serbischen Natalie-Ordens ausgezeichnet. — Zum Rabbiner in Kaposvür (Ungarn) wurde Herr vr. Emanuel Herzog, ein Zögling des hiesigen Landes-Rabbinerseminars, von der Vertretung der genannten Gemeinde einstimmig candidirt. — Am 18. d. M. starb hier im Alter von 71 Jahren der Lehrer Ignatz Reich. 37 Jahre wirkte er als Lehrer an der hiesigen israelitischen Gemeindeschule und war auch literarisch thätig. Er ist Verfasser des „Beth- El", Biographien zeitgenössischer ungarischer Israeliten, und des Jahrbuchs „Beth-Lechem", von dem zwei Jahrgänge erschienen sind. — Aus Du es wird gemeldet: In der Nacht vom 16. auf den 17. d. M. drangen unbekannte Thäter in den dortigen Tempel ein und raubten aus einem verschlossenen Kasten die Silberverzierungen der Thora. So entwendeten sie drei Zeilenzeiger aus massivem Silber, sodann zwei silberne Thoraschilder, in welche außer hebräischen Aufschriften die Buchstaben H. Z. eingravirt sind. Die Thäter konnte bisher nicht eruirt werden. Bonn, 20. April. (Literarische Notizen.) Die „Revue des Etudes Juives“ liegt uns in ihrer Nr. 27 (Januar — März 1887) vor, und wir geben hier mit Vergnügen den Inhalt der Lieferung. I. Halövy setzt seine biblischen Untersuchungen, diesmal über die Nachkommen Kain's und Seth's, fort, und Derenbourg giebt wieder einige Bemerkungen über Formeln des Gebetrituals. Allgemein interessant ist die Abhandlung von David Kaufmann: „Bedeutung und Ursprung der Grabsymbole des Alten Testaments in der Primitiven christlichen Kunst". Der Verf. geht von folgenden Beobachtungen aus: „In der Literatur und in den Dogmen, in der Liturgie und in den Riten, mit einem Worte in dem Leben der christlichen Gemeinschaft der ersten Jahrhunderte enthüllt sich der jüdische Ursprung des Christenthums mit einer Klarheit, die sich in der Folge nicht wieder findet. Selbst im Angesichte des Todes und der Gräber zeigte die Kirche noch die Bande, die sie mit dem Judenthume verknüpften, indem sie sich zur Bekräftigung ihrer heiligsten Ueberzeugungen, ihrer höchsten Hoffnungen, einer Bildersprache bedient, die zum Theil dem Alten Testamente entlehnt ist. Aus der Nacht der Catacömben, die selbst eine Entlehnung aus jüdischen Institutionen sind, geht eine Reihe von ursprünglichen biblischen Symbolen hervor, welche fixe Typen werden und sich in größerer oder geringerer Zahl in allen Ländern wiederfindrn, wohin sich das Christenthum nach und nach verbreitete, in den Gräbern und auf Sarcophagen, auf Basreliefs und Grabsteinen, auf Bechern und Gläsern zu Begräbnißzwecken. Diese Symbole konnten nicht zufällig, willkürlich, durch die Laune einzelner Individuen entstehen; sie bilden im Gegentheil einen wohl begründeten, stereotypen Kreis, einen Canon, der eine tiefe Ueberlegung, einen leitenden Gedanken, eine einheitliche Gesammtheit von Ansichten voraussetzt, die unmittelbar für die Masse der Gläubigen verständlich sein mußten, ohne wissenschaftliche Kenntnisse oder einen literarischen Apparat zu verlangen." Dieses Ergebniß bekräftigt der Verf. in der ausführlichen Behandlung nach den auf Grabdenkmälern dargestellten Bildern Adam's und Eva's, der Arche Noah's und des Opfers Abraham's; die folgenden Lieferungen werden die Fortsetzung bringen. Es folgen hierauf Bemerkungen über die Peschitto von Rubens Duval; die Geschichte einer Steuer, welche die Juden von Perpignan in den Jahren 1413 und 1414 sich auferlegt hatten, nach einem hebräischen Manuscripte, eine sehr hohe Steuer, denn sie sollte 1 Sou 6 Deniers von jedem Livre, den ein Jude besaß, betragen, von Isidore Loeb; den ersten Theil einer Geschichte der Juden von Nantes und Umgegend von Leon Brunschvicg und endlich der Schluß der Mittheilungen A. Neubauer's über den Midrasch Tanchuma. Abgedruckt ist in diesem Hefte u. a. eine Vorlesung von Albert Cahen über die zeilgenössische jüdische Predigt in Frankreich. Bekanntlich hat die französisch-jüdische Kanzelberedtsamkeit wenige bedeutende Erzeugnisse hervorgebracht, und da der Redner, wie er von vornherein bemerkt, seinen Gegenstand nicht wissenschaftlich behandeln will, beschränkt er sich in der Thal mehr auf Allgemeines und auf das, was wünschenswerth sei. Bibliographie und einige Notizen bilden den Schluß. — „lieber Stoffe altdeutscher Poesie von vr. S. Gelbhaus, Rabbiner zu Nordhausen. Berlin, Stuhr." Der Verf. hätte wohl einen gewissen Theil des Publicums mehr interessirt, wenn er auf dem Titel gesagt hätte: Stoffe altdeutscher Poesie aus jüdischen Quellen. Denn die Tendenz seiner Schrift ist: deutsche Legenden und Märchen als jüdischen Ursprungs darzustellen. Es ist dies die Linie, auf welcher er arbeitet. Uns scheint nun der Vers, eine tüchtige Belesenheit und einen

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