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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-04-28 · Heft 17 (28.4.1887) · p. Seite 265

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 17 (28.4.1887)
Date
1887-04-28
Page
Seite 265 (sequence 9)
Language
German
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265 eines Eldorado der Judenhetzen zu bringen. Alljährlich um die Osterzeit pflegten die in Folge Lesermangels in unregelmäßigen Zeiträumen erscheinenden Antisemitenblätter „Desteptarea" und „Veteranul" eine Warnung an alle christlichen Eltern ergehen zu lassen, ihre Kinder vom Besuche jüdischer Häuser zurückzuhalten, da „bekanntlich" zu Ostern Christenblut für das israelitische Rituale erforderlich sei. Man las diese Nachricht, lachte und kümmerte sich nicht weiter darum. Man glaubte deshalb, diesmal die Sache energischer angreifen zu müssen und ließ im ganzen Lande Bilder vertheilen, welche die Abschlachtung eines Christenmädchens in abscheulichster Weise zur Darstellung bringen. Merkwürdigerweise nahmen die untergeordneten Polizei-Organe von diesem Bilderhandel gar keine Notiz, obgleich schon der Umstand, daß die in Rede stehenden Abbildungen zumeist gratis abgegeben wurden, den Zweck dieser Colportage einigermaßen bedenklich erscheinen ließ. Erst als sich die Judenschaft mehrerer Distrikte an den Prediger der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde mit der Bitte wendete, die Regierung um Abstellung dieses die persönliche Sicherheit der israelitischen Bevölkerung Rumäniens bedrohenden Unfugs zu ersuchen und Prediger vr. Beck der an ihn gerichteten Bitte auch wirklich nachkam, wurden seitens des Ministeriums des Innern sofort die nöthigen Schritte gethan, um der auf dem Wege der Bildervertheilung betriebenen antisemitischen Hetze Einhalt zu gebieten. Und zwar wurde mit Rücksicht auf die israelitischen Feiertage ein telegraphisches Circular an alle Distrikts- Präfecten abgeschickt, welches ganz nachdrücklich betont, daß Diejenigen, welche Abbildungen ähnlicher niemals verübter Verbrechen in den Handel bringen, die versteckte Absicht hätten, das gemeine Volk zur Rache und zu blutigen Ausschreitungen zu veranlassen. Der Minister giebt daher den Präfecten den strengsten Auftrag, die betreffenden Abbildungen zu confisciren und die Verkäufer zur gerichtlichen Verantwortung zu ziehen. Gleichzeitig werden die Behörden angewiesen, Namen, Wohnort und Vorleben aller jener Personen anzugeben, in deren Besitz oder Verwahrung solche Bilder gefunden werden. — Dieser Erlaß ist das erste Document, in welchem die rumänische Regierung gegen die antisemitische Verhetzung entschieden Stellung nimmt und ist ihre dabei an den Tag gelegte Energie um so anerkennenswerther, als bei der heutigen Stimmung unserer Opposition jede Ruhestörung in's Ungeheuerliche aufgebauscht und als Waffe gegen die Regierung und die Partei der Ordnung im Staate benützt werden könnte. Holland. Amsterdam, 14. April. Von der Mehrzahl der hiesigen Juden wird bekanntlich ein besonderes Stadtviertel bewohnt. Der in diesen Tagen stattgefundene Einzug der königlichen Familie zur Feier des 70jährigen Geburtstags des Königs wurde besonders in diesem Viertel mit außergewöhnlichein Enthusiasmus gefeiert. Der Verein „Israel en Oranje“ leitete die Veranstaltungen dazu, welche, wie alle hiesigen Journale berichten, glänzend ausgefallen. Die Ausschmückung des Viertels war höchst splendide und geschmackvoll. Deßhalb ein großer Zufluß von Besuchern. Um 8 Uhr Abends langte die königliche Equipage an, in welcher sich die Königin und die Kronprinzessin befanden, woran eine Ehrengarde, geführt vondem Präsidenten des genannten Vereins. Verschiedene israelitische Notabilitäten hielten Ansprachen an die Königin und diese antwortete in huldvollster Weise. Gleich darauf kam ein Telegramm des Königs an, der der israelitischen Bevölkerung für die Beweise ihres Patriotismus und ihrer Anhänglichkeit herzlichst dankte. Spanien. Bonn, 17. April. (Privatmitth.) Wir fühlen uns noch einmal veranlaßt, vor der Einwanderung unbemittelter Familien in Spanien zu warnen. Es haben sich dergleichen an verschiedene Vereine und Personen gewendet mit der Bitte um Unterstützung. Diese wäre aber unter den gegebenen Verhältnissen nicht gut angewendet. Obschon Spanien sich im letzten Jahrzehnt volkswirthschaftlich gehoben, so stehen doch daselbst Handel und Industrie noch auf niedriger Stufe, und der Armen und Bettler hat das Land schon im Uebermaß. Es können deßhalb arme israelitische Einwanderer auf einen dauernden Erwerb gar nicht rechnen die Glaubensgenossen sind noch sehr dünn gesät, so daß jene auf irgend einen Anhalt oder eine Unterstützung in Nothfällen gar nicht rechnen können. Dabei sind sie des Verhaltens des Volkes gegen sie durchaus nicht sicher. So vereinigt sich alles, daß diese Einwanderung, die vielleicht bemittelten Familien günstig wäre, für unbemittelte nur der Weg zum völligen Ruin wäre. Marokko. Paris, 14. April. (Arch. Jsr.) Der französische Vertreter bei dem Kaiser von Marokko hat es durchgesetzt, daß diejenigen Israeliten, welche von der französischen Jurisdiction in diesem Lande abhängen, in Zukunft in Streitsachen der Araber gegen sie nicht mehr von den Kadis, sondern von den Rabbinern abgeurtheilt werden sollen. Die marokkanische Regierung machte Einwendungen dagegen; der Einfluß des französischen Gesandten aber setzte diese Maßregel durch. Bonn, 20. April. (Notizen.) Aus Berlin wird geschrieben: Das Haus, Spandauerstraße 68, in welchem Moses 17

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