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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-04-28 · Heft 17 (28.4.1887) · p. Seite 264

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 17 (28.4.1887)
Date
1887-04-28
Page
Seite 264 (sequence 8)
Language
German
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264 O esterreich - Ungarn. Pest, 11. April. (Privatmitth.) Der hiesige israelitische Handwerks- und Ackerbau-Verein, der binnen wenigen Monaten ein halbes Jahrhundert seiner segensreichen Wirksamkeit beschließt, veröffentlichte jüngst seinen diesjährigen Bericht. Die Zahl der Handwerkslehrlinge betrug am Ende des Jahres 1885 147, im Laufe des Jahres 1886 wurden ausgenommen 48, zusammen 195. Von diesem wurden im Jahre 1886 nach Beendigung ihrer Lehrzeit freigesprochen 33, in Folge freiwilligen Austritts oder aus anderen Gründen gestrichen 38, so daß zu Ende des Jahres 1886 verblieben 124. Davon werden 26 Schlosser, 15 Goldarbeiter, je 13 Tischler und Spengler, 8 Tapezirer, 6 Drechsler, je 5 Täschner und Buchbinder, 4 Schriftsetzer, je 3 Mechaniker, Maschinenschlosser nnd Porzellanmaler, je 2 Schildermaler, Bürstenbinder, Gelbgießer, Bildhauer, Uhrmacher u. a. m. Die Zahl der Ackerbauzöglinge betrug 5 und die der Zöglinge der Gewerbemittel- und Kunstgewerbeschule 10. Dem Verein flössen in diesem Jahre an Schenkungen zu: von dem sel. Ignatz Baumgarten 5000 fl., von Samuel Kramer 500 fl., von dem Reichstagsabgeordneten Moritz Wahrmann 200 fl., von der Commune der Stadt Budapest 150 fl. und von verschiedenen städtischen Commune» 400 fl. Das Vermögen des Vereins beläuft sich auf ca. 46 000 fl. Schließlich erwähnen wir noch, daß Herr S. Mandel, der seit 23 Jahren Secretär des Vereins war, sich im vergangenen Jahre bewogen gefühlt hat, seine Stelle niederzulegen und wurde derselbe in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrensecretär des Vereins gewählt. Lemberg, 14. April. Wenige Monate vor seinem Tode hat der polnische Dichter Kraszewski nachfolgendes Schreiben an den in Lemberg lebenden polnischen Dichter Wladyslaw Belza gerichtet: „Szinzach, 7. August 1886. Lieber Herr Wladyslaw! Ich schreibe in einer für mich wichtigen, aber auch für das große Publikum nicht gleichgiltigen Angelegenheit. Ich werde im allgemeinem Interesse entsprechend meiner Ueberzeugung auftreten müssen. Im Königreiche (Congreß- Polen) ist in Folge eines ungeschickt abgefaßten Memorandums über die Judenfrage eine gewisse Gereiztheit eingetreten. Die russische Regierung thut alles Mögliche, um die Polen und Juden zu entzweien, um sie als Todfeinde einander gegenüber zu stellen. Man muß bei Zeiten trachten, diese Gefahren zu verscheuchen und um jeden Preis wieder die Eintracht zwischen Polen und Juden herzustellen. Ich war in dieser Sache schon früher thätig und ich fühle mich trotz meines Alters, trotz meiner Krankheit von der Pflicht nicht befreit, zu thun, was ich kann, um nur nicht jenes Unglück eintreten zu lassen. Ich erachte es daher für nothwendig, die Judenfrage einer gewissenhaften und objectiven Analyse zu unterwerfen, damit die Gemüther beruhigt werden. Zn diesem Zwecke beabsichtige ich einen, zwei und vielleicht auch mehrere Concurse mit Preisen für die schriftstellerische Erörterung der Judenfrage in Congreß-Polen speciell, aber auch im Allgemeinen, auszuschreiben. Ich beschwöre Euch — unterstützet dies. Man muß trachten, zu vereinen, zu beruhigen, zu beschwichtigen." Da die Conkurrenz in Lemberg ausgeschrieben werden sollte, bildete sich dort bald ein Co mite, bestehend aus dem Herrenhausmitglied Professor A. Malcki, dem Universitätsprofessor Roszkowski und Julius Starkel. Im November vorigen Jahres schrieb Kraszewski, daß er bereit sei, die nöthigen Fonds für die Preisausschreibung zur Verfügung zu stellen. Nun ist Kraszewski inzwischen gestorben; aber man hegt die Hoffnung, daß in seinem Testamente auf diese Preisausschreibung bezügliche Bestimmungen enthalten sein werden. Sollte dieses jedoch nicht der Fall sein, so hofft man einen Modus zu finden für die Verwirklichung der Absicht des Dichters. Budapest, 22. Die Regierung brachte ein Gesetz ein, betreffend die Abstellung von Wahlmißbräuchen. Als solche werden Bestechung, Aufreizung gegen Klassen, Nationalitäten und Confessionen qualificirt. Im Falle der Annullirung einer Wahl kann das Plenum der Abgeordneten mit Zweidrittel-Majorität der Anwesenden das Wahlrecht des ganzen Bezirks auf fünf Jahre suspendiren. Die Antisemiten bereiten einen Sturm gegen die Vorlage vor. Rumänien. Bukarest, 12 April. Die traurige Lage der Israeliten Rumäniens macht deren massenhafte Auswanderung in glücklichere und gerechtere Länder immer wünschenswerther. Deshalb hat auch die „Emigratiousgesellschaft" in Braila, deren Thätigkeit seit einiger Zeit aus verschiedenen Ursachen eingeschlummert schien, sich von Neuem constituirt, und zwar in einer überaus zahlreichen Versammlung, die am Abend des 21. März alten Stiles in der dortigen Synagoge stattfand. Eine ähnliche Gesellschaft ist bereits in Jassy in Thätigkeit, und eine andere ist auf dem Punkte sich zu bilden. Bukarest, 13. April. Die Regierung hat sämmtlichen Präfecten den strengsten Auftrag ertheilt, den Verkauf und die Colportage der vom Antisemitenverein im Lande verbreiteten Bilder mit der bekannten Tißa-Eßlarer Abschlachtungs- Scene (s. Nr. 15) zu verbieten. Bukarest, 14. April. Wie mit so vielen anderen Vorurtheilen scheint die Regierung Ivan Bratianu's nunmehr auch mit einer Agitation aufräumen zu wollen, die, mit den freiheitlichen Verfassungszuständen Rumäniens absolut unvereinbar, viel dazu beigetragen hat, Rumänien in den Ruf

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