Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1887)
- Date
- 1887-04-28
- Page
- Seite 259 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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259 contre Drumont“ bringt. Selbstverständlich ist uns die Auslassung dieses Journals nicht minder wichtig, als die des Predigers, und wir geben deshalb die Hauptstellen des Artikels hier in treuer Uebersetzung wieder. Nachdem der Artikel die Wichtigkeit der katholischen Kanzelberedtsamkeit unter den gegenwärtigen Umständen hervorgehoben, fährt er fort: „Unter den gegenwärtigen Predigern in Paris hat keiner in der letzten Fastenzeit mehr Aufmerksamkeit erregt als der Abbs Frömont, der Prediger von 8t. Philippe-du- Roule. Das Journal des Döbats versetzte ihn gestern «wegen der Ausdehnung seines Wissens und der Kraft seiner Reden in den ersten Rang der jungen Prediger, welche es unternehmen, die Ungläubigen zum Evangelium zurückzuführen auf dem Wege der Wissenschaft». Dieses Lob ist nicht übertrieben. Ohne Zweifel ist weder die Gelehrsamkeit des Herrn Frsmont sehr gründlich, noch seine Kritik sehr streng .... Aber es ist nicht weniger wahr, daß der Redner viel gelesen und viel behalten hat, daß er geschickt und nicht ohne Glanz argumentirt; daß endlich und in erster Linie der ganze engherzige Fanatismus gewisser Theologen im kurzen Rock ihm fremd ist und er sich über gewisse delicate geschichtliche Gegenstände mit einer Freimütigkeit und von einer Höhe des Gesichtspunkts ausläßt, die preiswert sind . . . Seine elfte Predigt enthält einen interessanten Abschnitt an die Adresse des allzu berühmten Verfassers der „Trance juive“. Ter Prediger beruft sich, beim Versuch, den übernatürlichen Ursprung der heiligen Schriften nachzuweisen, auf das Zeugniß des jüdischen Volkes, welches sie der Kirche überliefert hat, und er findet sich ganz natürlich dazu geführt, sich über den Werth dieses Zeugen zu erklären, „auf welchen man ganz neuerdings so viele Schmähungen, so viel Verachtung, so viele gehässige Herausforderungen gehäuft hat." Und hier ist die Antwort des katholischen Priesters an den antisemitischen Pamphletisten: „Man muß die Christen und Katholiken, die es vergessen, daran erinnern, daß Israel die ruhmreiche und unsterbliche Wurzel ist, aus der das Christenthum, ein göttlicher Stamm, hervorsproßte. Man muß, meine Herren, laut die anti-evangelische These zurückweisen, die man zu begründen versucht hat; denn schließlich würde ich, wenn man sich begnügt hätte, die öffentliche Meinung auf die vielleicht reelle (?) Gefahr hinzuweisen, welche aus dem mehr oder weniger gesetzmäßigen Uebergewicht einer Klasse über die andere entspringt, nichts zu sagen haben, wenn ich nicht al^Mriester die Pflicht hätte, den bittern Stil zu tadeln, deff-^lnan sich bei einem solchen Zusammenstoß bedient hat, d^ der Haß niemals weder des Menschen, noch des Christen würdig sein kann, und da es sein Land schlecht berathen heißt, glauben Sie es wohl, meine Herren, ihm Gewaltthat anzurathen. Aber man ist dabei nicht stehen geblieben. Man hat sich bestrebt, eine ganze These aufzustellen über die ursprünglichen und ureigenthümlichen Laster einer Rasse verglichen mit einer anderen. Man hat gesagt, daß die Arier, unsere Vorfahren, eine bevorzugte Rasse gewesen wären, die alle Gaben empfangen habe, während die Semiten, eine tiefstehende Rasse, von vornherein bestimmt gewesen seien für alle niedrigen Geschäfte. Wenn es wahr wäre (wie es falsch ist), daß die Arier in jedem Punkte den Semiten überlegen wären, müßten die Arier, fern davon, sich dem Dünkel hinzugeben, im Gegentheil, sich edelmüthig diesen herabgekommenen Semiten zuneigen, um sie durch moralische Größe auf die Höhen zu erheben, wo die Söhne Japhet's, scheint es, die specielle Gabe empfangen haben, ihrer Natur gemäß ihre Kräfte zu verwenden. Aber das ist Alles nur Einbildung! Ein Semit war Abraham, ein Semit war Moses, Semiten waren die Propheten. Und man wird bekennen, daß die Zehn Gebote, dafür daß sie in den Händen der Semiten sind, ein ganz schönes Moralgesetz sind. Aber wie! Diese jüdische Rasse, welche man so verächtlich behandeln möchte, ist es nicht sie, welche den ewigen Ruhm hat, Jesus Christus hervorgebracht zu haben? Werdet Ihr mir einwerfen, daß das Blut Christi auf ihr lastet? Ich werde Euch antworten, daß mit seinem Blut auch sein Erbarmen auf ihr ruht, und daß es uns nicht gestattet ist, uns Christen, den hohen Ausruf unseres Herrn zu vergessen: „Bergieb ihnen, mein Vater, denn sie wissen nicht, was sie thun!" Und was an mir liegt, meine Herren, ich schrecke nicht zurück vor den Verantwortlichkeiten, die mir die Pflicht auferlegt, und ich sage Euch als Christ und als Priester, im Angesicht der heiligen Altäre, die mich hören, daß in meinen Augen eine der traurigsten Seiten ist, wenn ich die Geschichte der Vergangenheit durchgehe, die hassenswerthen Verfolgungen zu sehen, die so lange Zeit die traurigen Trümmer Israels zu Boden drückten; denn schließlich, daß eine Gesellschaft sich vertheidigt, damit bin ich ganz einverstanden: Die Christen mögen sich also vertheidigen, wenn die Juden sie angreifen; aber eine Nation, die sich vertheidigt, hat niemals das Recht, seinen Feind herabzudrücken. Nun, es hieß Israel Herabdrücken, diese rohen Gesetze erlassen, durch welche der Jude und die Jüdin den niedrigsten'^ Thieren gleichgestellt wurden, und wie diese Zoll bezahlen mußten, um ein Land zu passiren oder einen Fluß zu kreuzen. Ja, meine Herren, man muß diese Dinge energisch verurtheilen, und man muß sie verurtheilen, um die Katholiken zu verhindern, dafür die Verantwortung zu übernehmen! Nein, nein, unsere Leidenschaften dürfen ihren Schatten nicht auf das Evangelium werfen, und es ist das Evangelium, das in diesem Augenblick durch meinen Mund spricht, so unwürdig er auch sei: „Wenn Eure Gerechtigkeit nicht reicher ist als diejenige der Schriftgelehrten und Pharisäer, sagt unser Herr, so werdet Ihr nicht in das Reich des Himmels eintreten." — 17*