Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 16 (21.4.1887)
- Date
- 1887-04-21
- Page
- Seite 252 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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252 sonders der Gemeinde für die Opfer, welche sie während seiner Amtsthätigkeit für Gottesverehrung und Menschenliebe gern und jederzeit dargebracht hat. Später wurden dem Jubilar Adressen und Ehrengeschenke überreicht, sowie Abends ein Festessen veranstaltet, vr. Hahn ist im Jahre 1828 zu Sohrau in Oberschlesien geboren, studirte Philosophie und Orientalia in Breslau und Berlin, promovirte in Halle und bestand in Berlin das Examen pro rectoratu. Nachdem er Oberlehrer an der jüdischen Gemeindeschule zu Dresden gewesen, wurde er 1862 als Rabbiner nach Stolp berufen. — Man schreibt aus Paris vom 8. April: Der Baron Moritz von Hirsch hat seinen einzigen Sohn durch den Tod verloren. Der junge Baron Hirsch ist einer Brustkrankheit erlegen; zuletzt war noch Professor Kußmaul aus Straßburg zur Consultation gezogen worden. Der Verstorbene, der 29 Jahr alt wurde, war nur noch das einzige Kind seiner Eltern, die vor ihm schon drei Kinder durch den Tod verloren haben. — Man schreibt uns aus Homburg v. d. H.: Am 2. d. hielt der Rabbiner Di-. Kottek seine Antrittspredigt, welche auf die zahlreiche Zuhörerschaft, unter welchen sich auch der Bürgermeister, der Beigeordnete und andere Mitglieder des Gemeinderathes befanden, einen tiefen Eindruck machte. Dr. Kottek fungut hier zum ersten Male als Rabbiner. — Der „Speierer Zeitung" entnehmen wir: Ein höchst feierlicher Act vollzog sich am 2. d. Vormittag im großen Saale des Rathhauses: die Decorirung des Herrn Lehrers Ludwig Schloß dahier. Schon vor 11 Uhr hatten sich die Vertreter der Stadtverwaltung, den Herrn Bürgermeister Süß an der Spitze, die prot. Distrikts- und Localschulinspectoren, die Lehrerkollegien der Volks-, Real- und Töchterschule, der Borstandschaft der israelitischen Cultusgemeinde sowie zahlreiche Bekannte und Freunde des Jubilars aus Nah und Fern in dem bezeichneten Locale eingefunden, um Zeuge einer Ehrung zu sein, die einem verdienten Lehrer für treues 50jähriges Wirken in der Schule durch die Gnade Sr. Kgl. Hoheit des erhabenen Prinzregenten Luitpold von Bayern erwiesen wurde. In einer warmen Ansprache zeichnete der Kgl. Regierungsrath und Bezirksamtmann Herr v. Moers ein Bild des Strebens und Wirkens des Gefeierten, verlas die hierher gehörigen amtlichen Schriftstücke und endigte mit dem Wunsche, es möge Herrn Schloß noch lange vergönnt sein, zum Segen der Schule und unserer Stadt mit Erfolg arbeiten zu können. Alsdann schmückte der Herr Redner die Brust den Jubilars mit der goldenen Ehrenmünze des bayerischen Ludwigsordens. Weitere Ansprachen hielten der Herr Bürgermeister Süß, welcher Namens der Stadtverwaltung einen hübschen Regulator mit einer auf einer Silberplatte eingravirten Widmung überreichte, Herr Stadtpfarrer und Distriksschulinspector Ney, Herr Herz als Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde, welche dem Jubilar ein Ruhebett zum Geschenk gemacht, dann Herr Hauptlehrer Berger im Namen der College» des Gefeierten, Herr vr. Bender, Kgl. Rector der Realschule, an welcher Anstalt Herr Schloß schon 29 Jahre als Religionslehrer wirkt, und Herr Bollert, Hauptlehrer an der hiesigen Töchterschule, woselbst der Gefeierte ebenfalls als Religionslehrer thätig ist. Auf jede dieser Ansprachen wußte Herr Schloß, sofort schlagfertig, richtige Worte der Erwiderung zu finden, die in den Gedanken ausgedrückt sind: ich danke tiefgerührt zunächst dem Herrn aller Herren, der mich so lange hat wirken lassen, und dann meinem Kgl. Landesvater, dem erhabenen und vielgeliebten Prinzregenten Luitpold, der mir die hohe Auszeichnung zu theil hat werden lassen, dann meinen verehrten Herren Vorgesetzten für die warme Anerkennung meiner bescheidenen Arbeit, dann meinen lieben Kollegen, meinen werthen Glaubensgenossen und allen Freunden für das stets erwiesene Wohlwollen. — Mit einem dreifachen Hoch auf Se. Kgl. Hoheit, unfern Prinzregenten Luitpold, ausgebracht durch Herrn Regierungsrath und Bezirksamtmann v. Moers, wurde die erhebende Feier beschlossen. Des Abends fand ein sehr animirtes Festmahl statt. Pest, 30. März. (Literarische Notizen.) Seitdem Samuel Romanelli vor beinahe hundert Jahren die Beschreibung seiner Reise in den Barbaresken-Staaten in dem erst im vorigen Jahre von Schiller - Szinessi neu cdirten „Mafia ba-Arab" veröffentlicht hat, ist, außer dem Berichte des vor einigen Jahren verstorbenen marokkanischen Rabbiners Mardochai über den jüdischen Stamm Dappoutan, über die Juden in Marokko von Juden nichts geschrieben. Mit um so größerer Befriedigung lenken wir die Aufmerksamkeit unserer Leser auf ein jüngst erschienenes Werk, das einen Juden zum Verfasser hat: Marokko. Das Wesentlichste und Interessanteste über Land und Leute von Victor I. Horowitz (Leipzig, W. Friedrich, 1887.) Der Verfasser, welcher, wie wir aus der Schlußbetrachtung seines Buches vermuthen, von politischen Rücksichten zur Abfassung desselben geleitet wurde, entwirft eine Schilderung des morschen marokkanischen Staates in geographischer, historischer und ethnologischer Beziehung; er beschäftigt sich mit den Bewohnern, die er als Consulatssecretär zu Tanger aus Autopsie kennen zu lernen Gelegenheit hatte, ihren Sitten, Gebräuchen u. s. w. Auch den Juden des Landes wendet I. Horowitz eine besondere Aufmerksamkeit zu, wofür wir und gewiß alle, die sein Buch lesen, ihm recht dankbar sind. Ein recht empfehlenswerthes Schriftchen ist: petid nmü'n oder Exemplar epistolae responsi in qua de conceptione Aramaica libelli repudii ut (apud Judaeos) in usu est, von Aron Friedmann (Wien 1886). Der Verfasser, mit dem aramäischen Idiom genau vertraut, behandelt in scharfsinniger Weise den aramäischen Dialect des