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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-04-21 · Heft 16 (21.4.1887) · p. Seite 251

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 16 (21.4.1887)
Date
1887-04-21
Page
Seite 251 (sequence 11)
Language
German
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251 man zu obigem Zwecke eine große Räumlichkeit auf lange Zeit gemiethet hat, die bis jetzt der koptischen Kirche zugehört hatte. — Unter den bei Saati njedergemetzelten italienischen Soldaten befanden sich auch 3 jüdische, 2 aus Reggio und 1 aus Tarent. Bonn, 13. April. (Notizen.) Aus Stendal (Altmark) wird berichtet: Am 5. d. wurde hier die neu erbaute Synagoge eingeweiht. Hierzu waren von der jüdischen Ge» meinde die Spitzen der Civil- und Militärbehörden und eine große Anzahl hiesiger Bürger eingeladen. Gegen 5 Uhr überreichte der Vorsteher der Gemeinde, Herr Banquier Meyer, mit einer kurzen Ansprache den Schlüssel des Gotteshauses Herrn Bürgermeister Werner. Dankend versprach dieser den Schutz der Behörden und Bürger der Stadt für das neue Gotteshaus und gab den Schlüssel zurück. Sodann folgte die eigentliche Einweihungsfeier durch den Rabbiner Di'. Rahmer- Magdeburg. — In Livorno starb den 13. März Car. David Bondi. Er vermachte in seinem Testamente 69,700 Lire für verschiedene Wohlthätigkeitsanstalten. — Aus London wird gemeldet: Herr Di-. M. Ga st er, der aus Rumänien ausgewiesen wurde, ist zum Chacham der hiesigen portugiesischen Gemeinde gewählt worden. — Ein gewisses Aufsehen erregte der Selbstmord des Di-. Jsaias Morgenstern, der am 4. d. in den Wellen der Donau bei Wien den Tod gesucht hat. M. hatte die Talmudschulen in Preßburg und Nikolsburg besucht, sich dann als Autodidact ein vielseitiges Wissen angeeignet. In Berlin war er zuerst als Erzieher, dann als Journalist thätig, ging dann zu Stöckers Partei über und diente ihm als Handlanger, um gegen den Talmud die bekannten Anklagen zu richten und zu unterstützen. Um ein protestantisches Mädchen zu heirathen, trat er zum Protestantismus über, ließ sich jedoch bald wieder von seiner Frau scheiden. Selbstverständlich hatten sich die Juden nach derartigem Vorgehen von ihm abgewendet; aber auch mit seinen neuen Bundesgenossen gerieth er in Hader, nachdem er in dem Stöcker'schen Proceß eine zweideutige Haltung eingenommen. Er ging deshalb nach Wien, um sich neue Erwerbsquellen zu eröffnen. Wenn er glaubte, daß in Wien seine Vergangenheit unbekannt wäre, so hatte er sich getäuscht: man wollte in Wien weder von christlicher noch von jüdischer Seite etwas von ihm wissen; hier und da brachte er einen Aufsatz in eine Zeitung, was ihm jedoch keinen genügenden Unterhalt verschaffte. Sv in den größten Mangel gerathen, entschloß er sich seinem Leben ein Ende zu machen. Er mochte wohl wissen, daß er die Schuld der Gesinnungslosigkeit zu büßen habe, und wollte den Folgen durch einen Selbstmord entgehen. — Herr A. Teblee ift: nach 40jähriger Amtsthätigkeit als Lehrer an der israeliti-! schen Realschule (Philanthropin) in Frankfurt a. M. in I den Ruhestand getreten. Herr Teblse und seine Gattin haben sich um humanitäre Werke, wie um die Achawa und das Mädchenasyl, große Verdienste erworben. Seine Freunde und Schüler nahmen deßhalb Gelegenheit, ihm durch eine Feier ihre Anerkennung und ihren Dank auszudrücken. Die „Frkf. Z." vom 8. d. berichtet hierüber: „Zu der gestern abgehaltenen Tebläe-Feier war der große Saal des Zoologischen Gartens vollständig von Freunden und Freundinnen des Jubilars besetzt. Das Präsidium führte Herrr Dr. B. Geiger. Zuvörderst hielt, nachdem Herr Teblse und seine Gemahlin unter Tusch von Comitsmitgliedern in den Saal geleitet worden, Herr Dr. Löhren eine, die Verdienste des Gefeierten schildernde Rede, die mit einem Hoch auf denselben schloß. Jubelnd wurde eingestimmt. Dann sprach Herr Wisloch einen von Herrn H. Schnapper verfaßten humoristischen Prolog in Frankfurter Mundart und schloß mit der Ueberreichung einer Adresse. Herr Teblse dankte gerührt für die große Anerkennung, die ihm zu Theil werde, und die ihm beweise, daß er in seinem Streben Erfolge erzielt habe, und brachte dem Festcomits ein Hoch. Herr Ferdinand Gamburg toastirte auf das Philanthropin, Herr Director Dr. Baerwald erwiderte mit einem Trinkspruch auf die früheren und jetzigen Zöglinge des Philanthropins. Herr Fritz Auerbach brachte der Frau des Jubilars und allen Damen ein Hoch. Inzwischen war eine große Zahl von Telegrammen eingelaufen, darunter eines von Friedrich Stoltze, und eines von 32 früheren Schülern aus Paris. Ein im Chor gesungenes Lied, von Herrn Anton Horkheimer gedichtet, erhöhte die fröhliche Stimmung. Es wurde nunmehr ein von Herrn Heinr. Schnapper verfaßtes Festspiel aufgeführt, in welchem Adain Riese (dargestellt von Herrn Oscar Wolff) seine Zahlen zur Gratulation aufmarschireu ließ. Eine weilere Aufmerksamkeit wurde dein Gefeierten durch den Vortrag eines von Herrn ' Elsässer componirten Teblse-Marsches erwiesen. Ein zweites Lied, von Herrn Schnapper verfaßt, und verschiedene andere Veranstaltungen trugen zur weiteren Unterhaltung bei. Den Schluß des officiellen Theiles bildete das Stückchen „Ein Stündchen im Comptoir" von S. Haber, dargestellt von Mitgliedern des Vereins „Valentina", der sich um das ganze Arrangement große Verdienste erworben hat, und dem dafür seitens der Festgenossen ein dreifaches Hoch gebracht wurde." — Am 2. April beging der Rabbiner Herr Dr. S. Hahn zu Stolp (Pommern) sein 25 jähriges Amtsjubiläum. Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt aus Colberg, als Deputirter des deutschen Rabbinerverbandes und des Provincialverbandes von Pommern, Ost- und Westpreußen hielt bei dem Festgottesdienst die Predigt über Maleachi 2, 7, und schilderte die Verdienste j des Jubilars als Volks- und Jugeudlehrer und als Seelsorger. Der Jubilar antwortete tief bewegt und dankte be- 16*

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