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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-04-21 · Heft 16 (21.4.1887) · p. Seite 250

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 16 (21.4.1887)
Date
1887-04-21
Page
Seite 250 (sequence 10)
Language
German
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250 Colleges besaß, sehr mager. Nur i» Bury sind 1852 die Reste einer uralten Synagoge aus dieser blühenden Zeit entdeckt worden. Von besonderem historischen Interesse sind die sogenannten Staroth - Documente, welche einem besonderen Gesetze ihren Ursprung verdanken, welches vorschrieb, daß bei jedem Kaufhandel zwischen Christen und Hebräern ein Exemplar des Vertrages in Verwahrung der Schatzkammer gegeben werde, da der König den Zehnten der Kaufsumme erhielt. Die Cultusgegenstände bilden den populärsten Theil der Ausstellung. Zu letzteren gehören u. A. ein geschnitztes Widderhorn oder „Schophar", welches bei den Ausgrabungen der Grundlagen eines Hauses in Leadenhallstreet, London, entdeckt wurde, sowie eine 1696 in einem Bache in Suffolk gefundene Bronzevase mit der hebräischen Inschrift: „Das Geschenk von Joseph, Sohn des heiligen Rabbiners, Thechiel." Die Vase wurde augenscheinlich als Gefäß für das Waschen der Todten benutzt. Ferner umfaßt die Ausstellung eine Sammlung von Portraits jüdischer berühmter Persönlichkeiten, antike Münzen, Manuscripte, Autographien, Archen, Gesetzesrollen, Glocken, kostbare gestickte Vorhänge, sowie ein merkwürdiges Modell des großen Jerusalemer Tempels. Die Münzen sind sehr gut vertreten; sie umfassen 8 der schönsten Sammlungen Europas und reichen von der Zeit der Makkabäer bis zum zweiten Aufstand der Juden. Unter den Por-, traits bemerkt man ein Bild des Lord Rothschild, der im Haus der Lords den Eid leistet; des Sir Moses Montefiorc, des ersten jüdischen Baronet; des Nathan Rothschild; unter den älteren Celebritäten bemerkt man den portugiesischen Rabbi Abendana, den David Nieto; David Abarbanel Lindo, den Lord Beaconsfield in der Levante traf, u. a. m. Die Sanimlung wird drei Monate offen sein. Auch im britischen Museum wird eine ähnliche Ausstellung stattfinden. Das Interesse für diese Ausstellung beschränkt sich nicht bloß auf jüdische Kreise, da bekanntlich viele Engländer in ihrer christlichen Strenggläubigkeit dem Judenthume, als der Grundlage des Christenthums, eine lebhafte Theilnahme widmen. Amerika. Washington, 25. März. Folgender Artikel giebt noch einiges Nähere über die Person des neuen Gesandten an. Der vom Präsidenten zum Gesandten in Constantinopel ernannte Herr Oscar S. Straus von Newyork ist Israelit. „Der neuernannte Gesandte", schreibt die „N.-A. H.-Z.", „gilt als ein tüchtiger Rechtsgelehrter und Geschäftsmann und war der Administration von vielen Geschäftsleuten und hervorragenden Politikern sehr warm empfohlen worden, sodaß nicht daran zu zweifeln ist, daß er die nöthigen Qualistcationen für seine neue Stellung besitzt und die Vereinigten Staaten am Hofe des Sultans in zufriedenstellender Weise vertreten wird. Herr Straus ist im Jahre 1850 in Georgia geboren und somit erst 37 Jahre alt. Er widmete sich zuerst dem Advokatenstande und wurde Mitglied der Rechtsanwalt- Firma Sterne, Hudson, Straus und Thompson in Newyork. Später trat er in das Porzellanwaaren-Geschäft seines Vaters ein, welches unter der Firma L. Straus u. Son in Newyork besteht. Herr Straus gehört der demokratischen Partei an und hat sich in den letzten Jahren activ an der Politik betheiligt. Jin Jahre 1884 war er Secretär des vereinigten „Merchants and Business Men’s Cleveland and Hendricks Club“ und trug viel zur Erwählung Cleveland's in der Stadt Newyork bei. Auch schriftstellerisch war der neue Gesandte mehrfach thätig und hat er u. A. im Jahre 1885 ein Buch unter dem Titel „Origin of the Republican Form of Government“ veröffentlicht, das bereits die zweite Auflage erlebt hat." (Herr Straus ist nicht der erste Jude, der in der neueren Zeit Gesandter geworden. Wir erinnern an Baron Artom, welcher als italienischer Gesandter am dänischen Hofe fungirte, und an Peixotto, welcher als Genera lconsul Vertreter der Vereinigten Staaten in Bukarest war. Die hohe Pforte wird den Israeliten als Gesandten wohl annehmen und nicht dem Beispiele des österreichischen Hofes folgen, welcher einen in Washington zum Gesandten designirten Mann nicht annahm, weil dessen Frau eine Jüdin war. Der amerikanische Staatssecretär nahm damals Gelegenheit, dem Wiener Auswärtigen Amte eine Vorlesung über Gleichstellung und Duldsamkeit zu halten, was ihm aber nichts half. Redact. d. A. Z. d. I.) Aegypten. Alexandrien, 18. März. Die Durchreise des Kronprinzen von Italien gab den hiesigen Israeliten, von denen eine große Zahl Italiener sind, Gelegenheit, ihre patriotische Gesinnung und ihre Verehrung für das italienische Königshaus zu erkennen zu geben. Eine Deputation, aus den angesehensten Männern bestehend, begab sich an Bord des Dampfschiffes, um Se. k. Hoheit zu begrüßen, und eine andere nach dem Palaste, in welchem der Kronprinz abgestiegen. Es befanden sich darunter die Brüder Suarös, Piha-Bey, Luzatto, Pereira ff. Sie wurden vom Kedive zu dem Galadiner eingeladen, das er dem Kronprinzen gab. Dieser besuchte auch die israelitisch-italienische Schule und sprach seine Zufriedenheit über deren Leistungen aus. — Wir haben bereits in dieser Zeitung berichtet, daß die Einwanderer in Alexandrien, welche dem deutschen und polnischen Ritus angehören , eine eigene Synagoge zu gründen beabsichtigten, wozu sie sich auch, um die Einwillignng der Regierung zu erlangen, ein Gutachten von dem Redacteur dieser Zeitung erbaten. Die Angelegenheit ist nun soweit gediehen, daß

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