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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-04-21 · Heft 16 (21.4.1887) · p. Seite 249

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 16 (21.4.1887)
Date
1887-04-21
Page
Seite 249 (sequence 9)
Language
German
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249 vernement aus dem Dienste entlassen. Die Betroffenen sind 17 an der Zahl. Wie verlautet, wird diese Maßregel in ganz Polen ausgeführt. Zu bemerken sei hier, daß diese Aemter nur von solchen bekleidet werden können, welche den Militärdienst geleistet haben und zu Unterofficieren befördert sind. — Das Stadthaupt zu Turek verbot einem Photographen, einen hier stattfindenden großartigen Leichenzug eines katholischen Bischofs zu photographiren, weil derselbe — Jude ist. — Moses Feinkind. Rumänien. Bukarest, im April. Im rumänischen Abgeordnetenhause wurde dieser Tage auch die Judenfrage berührt. Anlaß hierzu gab das Gesuch des jüdischen Hauptmannes Renescu, welcher um das Jndigenat eingekommen war. Bei der Verhandlung dieser Angelegenheit legte der ehemalige Ministerpräsident Cogalniceanu eine Lanze für die Juden ein. „E-g" theilt folgende Stelle aus seiner Rede mit: „Herr Buculescu hielt soeben eine Rede, wie sie die Antisemiten im ungarischen Abgeordnetenhause zu halten pflegen und gerade bei dieser Gelegenheit ist dieselbe nicht am Platze gewesen; dann analysirten die Antisemiten das Blut des Hauptmannes Renescu, als er bei Grivitza verwundet zusammenbrach, ob es jüdisches Blut sei? (Lebhafte Zustimmung.) Meine Herren! Ich plaidire nicht dafür, daß wir die Juden en masse einbürgern; wenn aber die Rede von einem Manne ist, welcher dem Vaterlande Dienste leistet oder leisten kann, dann trete ich auf das Entschiedenste für ihn ein, denn wir können nicht wissen, ob nicht wieder eine Zeit kommt, in welcher das Vaterland treuer und erprobter Patrioten bedürfen wird. Betrachten wir nicht die Abstammung, sondern das Verdienst." (Langanhaltende stürmische Zustimmung.) Frankreich. Paris, 11. April. (Privatmitth.) Die Alliance israelite universelle hat ihren halbjährigen Bericht über das zweite Semester von 1866 veröffentlicht. Ansehnlich ist der Rapport über die Propaganda. Am 31. December war die Zahl der eingeschriebenen Mitglieder 31953 mit 256268 Fr. Beiträgen. Es folgen dann Bemerkungen über die Lage der Juden in Rumänien, Rußland, der Türkei und Marokko, welche jedoch nichts Neues und Erhebliches bringen. Hervorheben wollen wir nur, daß der türkische Sultan bestimmt hat, der Oberrabbiner von Constantinopel solle einen regelmäßigen Gehalt aus der Staatscasse empfangen. (Wir wollen nur wünschen, daß er wirklich ausgezahlt werde. Red.) Es folgen die Berichte über die von der Alliance unterstützten Schulen im Orient, die sich jetzt auf 37 belaufen. Die Zahl der Schüler und Schülerinnen beläuft sich auf 8356; der Gesammtaufwand für diese Schulen beträgt jährlich fast l Million, wozu die Alliance 163000 Fr. steuert. Hierzu kommen 15 Handwerkerschulen mit 393 Lehrlingen, für welche die Alliance eine Subvention von 41134 Fr. verwendet. Außerdem 9 Gründungen für Arbeiterinnen mit 120 Schülerinnen und einer Subvention von 9000 Fr. seitens der Alliance. Es kann nicht verkannt werden, daß die Alliance ihre Hauptthätigkeit auf dem Gebiete der Pädagogik findet, und dies ist gewiß die segensreichste Verwendung ihrer Mittel. Im Jahre 1886 betrugen die Einnahmen der Alliance 403 618 Fr., unter welchen sich der Beitrag des Baron Moritz von Hirsch von 60 364 Fr. und die Deckung des Deficits durch denselben von 47 969 Fr. befinden. Die Ausgaben belaufen sich auf dieselbe Summe. Der Fonds der Alliance beläuft sich auf 308 280 Fr., wozu dann noch die Gründung des Barons von Hirsch von 1 Mill. Fr. für die Erziehung der jüdischen Jugend in der Türkei kommt. Der Finanzzustand des Vereins kann also nicht als ein sehr blühender angesehen werden, da ein verhältnißmäßig so geringer Fonds und ein jährliches Deficit kein Zeugniß geben, daß die Mittel den Zwecken entsprechen. Wir heben dies hervor, um auch unsererseits unsere bemittelten Glaubensgenossen zum Beitritt anzuregen. — Aus Tunis lauten die Nachrichten günstig. Die Behörden haben den Israeliten nachgegeben, daß sie sich des Leichenwagens nicht zu bedienen brauchen; für die Bestattung jeder Leiche aus der Classe der Reichen muß eine Taxe von 50 Fr., aus der mittleren Classe 25 Fr. bezahlt werden, während die Armen taxfrei bleiben. Hierein haben sich die Juden leicht gefunden, da sie an Extra-Abgaben genügend gewöhnt sind. Großbritannien. London, 7. April. Als vorläufigen Bericht über die Englisch-jüdisch-historische Ausstellung theilen wir Folgendes mit. Die Ausstellung ist am 4. d. in der Alberthalle zu London eröffnet worden. Dieselbe dürfte nicht verfehlen, wie uns von dort geschrieben wird, eine große Anziehungskraft auf das Publicum auszuüben. Sie zerfällt in 4 Theile. Die erste Abtheilung enthält Handschriften und Reliquien ans der Periode vor dem Exil, d. h. vor der Regierung des Eduard I.; die zweite Cultusgegenstände; die dritte Portraits und Abbildungen bedeutender Israeliten seit der Zeit Karl II.; schließlich archäologische und topographische Aufzeichnungen und sonstige literarische Producte. Leider sind die Ueberreste aus der frühesten Periode, in welcher den Chroniken zufolge die hebräische Gemeinde florirte und in?)ork, Bury, Norwich, Canterbury, London rc. Synagogen und in Oxford zwei 16

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