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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-04-14 · Heft 15 (14.4.1887) · p. Seite 237

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 15 (14.4.1887)
Date
1887-04-14
Page
Seite 237 (sequence 13)
Language
German
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Rumäniens vor einem nie wegzulöschende» Schandfleck zu bewahren. Die Juden feiern ihr Osterfest in der ihnen von ihrem Kalender vorgeschriebenen Zeit. Sie sagen die Dankgebete her für die glückliche und wunderbare Befreiung aus der Hand der Pharaonen. Dabei werden die Juden in Rumänien viel schlechter behandelt als jemals ihre Vorfahren in Mizraim. Welche Fortschritte hat der menschliche Geist seit dem Bau der Pyramiden gemacht? Sind die menschlichen Jrrthümer, die menschlichen Leidenschaften nicht dieselben geblieben, hat das menschliche Elend sich vermindert? Der Aberglaube, der mit den oben bezeichneten Bildern hausiren geht, hält dem Fortschritt die Faust unter die Nase und sagt zur Wissenschaft: „Ich bin mächtiger als Du; mit meinen schwarzen Fittigen verdunkle ich alles Licht, das Du auszugießen vermagst." Bonn, 6. April. (Notizen.) Man schreibt aus Berlin: Herr A. P. Manasse feierte am 1. April sein 50 jähriges Gewerksjubiläum als Uhrmacher. Herr Manasse ist Mitglied der Armen- und Sanitätscommission und Schriftführer des Bezirksvereins. - Man bemerkt aus Paris, daß Professor A. Franck von der Negierung zum Mitglied der Commission zur Revision des Strafgesetzbuches ernannt worden. — Der Großrabbiner Isaac Levy von Besoul ist zum Großrabbiner des Consistoriums von Bordeaux, und der Rabbiner Emil Cahen von Reims zum Großrabbiner des Consistoriums von Lille gewählt worden. — Die jüdische orientalische Schule in Paris zur Ausbildung von Lehrern und Lehrerinnen für die Schulen im Orient hatte 1881 testamentarisch von dem ehemaligen Juwelier Herrn L. M. Rothschild 50 000 Frs. legirt erhalten. Erst jetzt ist die behördliche Erlaubniß, das Legat in Empfang zu nehmen, erfolgt. — Man schreibt uns aus Rakel d. 29. März. Durch das Hinscheiden des emerit. Lehrers Herrn H. D. Golliner, welche am 23. d. M. erfolgte, hat unsere Gemeinde einen schweren Verlust erlitten. Durch eine mehr als 40 jährige segensreiche Wirksamkeit hat er sich einen Ruf gegründet, der weit über die Grenzen unseres Ortes hinausgeht und seine zahlreichen Schüler verehrten in ihm nicht nur den Lehrer, den selten befähigten Erzieher, sondern sie fanden in ihm auch den Berather und Freund. Seinem eifrigen Streben nach Vervollkommung wie seinen eminenten Fähigkeiten verdankte er ein reiches Maß von Wissen auf verschiedenen Gebieten, seinem sich Versenken in die Schätze des Talmuds und des neuhebräischen Schriftthums ein streng logisches Denken. Nicht der Jugend allein spendete er von seinen Geistesschätzeu, auch auf die Erwachsenen in der Gemeinde wirkte er anregend und belehrend. Sic brachten seinen geistvollen Vorträgen, deren Themen er meist aus der Geschichte des jüdischen Volkes entnahm, die größte Empfänglichkeit entgegen. — Was aus den Antisemiten wird? Die Berliner Zeitungen berichten: „vr." Simon Mai, der bekannte Antisemit, hat das undankbare Talmudstudium, das ihm so viel Aerger und Verdruß gebracht, aufgegeben und ist, einer Lvcalcorrespondcnz zufolge, unter die — Schaukwirthe gegangen. Er steht seit oem 1. April dem Restaurant „Königshof" am Dennewitzplatz als Geschäftsführer vor. Der bisherige Inhaber des Restaurants hat den Betrieb aus Mangel an Mitteln aufgegeben und die Gläubiger lassen nunmehr durch Herrn „vr." Simon Mai das Etablissement weiterführen. — Man schreibt uns aus Württemberg, d. 4. April: Dem Nestor der activen israel. Lehrer Württembergs, dem durch seine Dichtungen und schriftstellerischen Arbeiten aüf jüdischem Gebiete allgemein bekannten und geachteten Oberlehrer Alexander Elsäßer in Laugheim hat das K. Ministerium des Kirchen-und Schulwesens die goldene Verdienstmedaille verliehen. — Das schon seit circa 5 Jahren erledigte Rabbinat Oberdorf hat die israelitische Oberkirchenbehörde dem vr. Sam. Grün in Hohenems übertragen. — Ieuille 1 on. Erfahrung und Ausion. Bleib mir doch fern mit deiner ewigen Erfahrung!! Nichts ist dem Menschen feindlicher als die Erfahrung; sie zerstört jede Illusion, alles was de» Menschen und den Dingen einigen Glanz verleiht, und hiermit allen Genuß und alle Freude am Leben. Dies spricht schon der aus, welcher als der weiseste der Menschen gerühmt wird. Koheleth, der König in Jerusalem, „richtete sein Herz darauf, zu erforschen und zu erkunden durch die Erfahrung alles was geschieht unter dem Himmel," und kommt zu dem Resultat: „Das ist ein übles Geschäft, woran sich zu quälen Gott den Menschensöhnen hat auferlegt." Er gelaugte dann auch richtig dahin, daß er ebenso alles Wissen und Erkennen, wie jeden Genuß für „Haschen nach Wind" und „Nichtigkeit der Nichtigkeiten!" erklärte. Alle Dinge dieser Welt erschienen ihm jeglichen Reizes entkleidet, und der Lebensüberdruß war die nothwendige Folge. Und so geht es uns allen. Mit jeder Erfahrung mehr, geht uns ein Stück Lust am Leben verloren, und wir gewahren an jedem Dinge die dunklen Schatten, welche

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