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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-04-14 · Heft 15 (14.4.1887) · p. Seite 234

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 15 (14.4.1887)
Date
1887-04-14
Page
Seite 234 (sequence 10)
Language
German
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234 Darauf geben Freiconservative und Nationalliberale nicht viel, auch die Leute nicht, die sich an die Spitze der Berniischungsbestrebungen gestellt haben. Das zweite ist das socialreformcrische Moment, Socialreform und Nationalliberalismus schließt sich aus, wie Feuer und Wasser. Wenn aber die Berliner Bewegung diese Dinge fallen läßt, dann ist sie gelähmt, dann hat sie keinen Werth mehr. Das dritte ist der Kampf gegen das Judenthum, der bei einer Verbindung der Parteien sofort fallen gelassen werden müßte. Die Geschichte mit Bleichröder (der Verkauf des Cremer für 10 000 Silberlinge) ist wahr. Ich weiß es ganz genau. Die Geschichte mit den Professoren Goldschmidt und Lazarus ist nicht besser. Diese beiden haben die bisherige antisemitische Bewegung von Berlin beschimpft. Herr Goldschmidt hat erklärt, daß die Berliner Bewegung gegen das Judenthum von jedem anständigen Menschen verurtheilt werden müßte, und das haben sich die lieben Cartellbrüder ruhig gefallen lassen. Zweimal machen wir so was nicht mit. Einmal mußte es ja sein, aber erreicht ist nichts damit. Gesiegt haben sie nicht, aber das Judenthum ist dazwischen gekommen und die Socialdemokratie ist in die Höhe gewachsen. Wir dürfen also die Bewegung nicht von Strebern ins mittelparteiliche Fahrwasser bringen lassen, was sie in der That unter dem Vorgeben, das Cartell fortzusetzen, beabsichtigen. Berlin, 4. April. W. Eine hochherzige Schenkung haben Herr Moritz Manheimer und Gattin der von ihnen in das Leben gerufenen, vor dem Schönhäuserthore Hierselbst belegenen Alterversorgungs-Anstalt der hiesigen jüdischen Gemeinde durch das Anerbieten gemacht, der erwähnten Anstalt auf ihre Kosten einen Anbau behufs Vergrößerung derselben hinzuzufügen. Der Anbau ist auf 14 Meter Straßenfront berechnet und wird sich an der Südseite der Anstalt erheben. Die am Sonntag stattgehabte Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde unter Vorsitz des Herrn Justizraths Makower sprach Herrn Manheimer, der Mitglied dieser Körperschaft ist, ihren verbindlichsten Dank aus, und nahm das Geschenk Namens der Gemeinde an. — An die Armen-Commission der jüdischen Gemeinde wandten sich im abgelaufenen Jahre 2278 Personen um Unterstützung, etwa 200 Personen mehr wie 1885, und gegen 1883 schon etwa 600 Personen mehr. Bon den Bittenden erhielten 228 laufende Unterstützungen von 6—30 Mark monatlich, für Extra-Unterstützungen in Höhe von 6 — 450 Mark wurden 34000 Mark verausgabt. Unter den Hülfesuchenden waren, eine seltene Erscheinung bisher in jüdischen Kreisen, 140 eheverlassene Frauen und 830 Personen im Alter von 30—50 Jahren. Aus dem „Fonds für verschämte Arme" wurden über 2O O00 Mark an Unterstützung gewährt. 96 Personen wurden Reisemittel zur Beförderung in ihre resp. Heimathen bewilligt; und 1057 jüdischen Haushaltungen wurden zur Passahzeit 20000 Pfund Mazzoth bewilligt. An namhaften Geschenken gingen der jüdischen Armen-Commission von 44 Wohlthätern im Jahre 1886, über 30 000 Mark zu. — Die Beerdigungsanstalt der jüdischen Gemeinde hatte 1886 an Begräbnissen auf dem Friedhof zu Weißensee 979, auf dem Friedhof Schönhäuser-Allee 107 zu vollziehen. Unter den Beerdigten waren 16 Selbstmörder, 4 Verunglückte; und 4 Urnen von Aschenresten Verbrannter zu Gotha wurden auf den Friedhöfen auf Wunsch der Hinterbliebenen beigesetzt. Gratis mußten 257 Leichen allein im Jahre 1886 beerdigt werden , was der jüdischen Gemeinde etwa 27 600 Mark kostete, außerdein mußte die Gemeinde 4900 Mark Beerdigungskosten aus Humanitätsrücksichten ebenfalls Niederschlagen. Der Repräsentant Heymann stellte den Antrag, daß die Beerdigungsanstalt der jüdischen Gemeinde den Tarif für die Beerdigungen, der höher sei wie bei anderen Gemeinden, herabsetze, welcher Tarif gerade den größten Theil der jüdischen Bevölkerung deßhalb hart treffe, weil es keinen Unterschied im Begräbniß, ob arm, ob reich, gebe, somit auch hoch wie niedrig ganz gleiche Kosten zahlen müsse. Eine Aenderung des Tarifs zu Gunsten der minderbegüterten Gemeindemitglieder würde weniger Ausfälle und Reclamationen herbeiführen. Der Repräsentant Löwenberg constatirt, daß der Aermste, wenn irgend möglich, willig Beerdigungskosten für seine Verstorbenen zahle und oft Sachen aus diesen Kreisen versetzt werden, um das Begräbniß bezahlen zu können, damit der Entschlafene nicht als „Armer" zur Grube gebracht werde; doch hinterher drücken diese entstandenen Kosten die Hinterbliebenen noch mehr, und sie wenden sich an die jüdische Armen-Commission und bitten diese dann unter gewissenhafter Vorlegung obiger Thatsachen um Unterstützung, d. h. möglichst Rückgewährung der von ihnen gezahlten Beerdigungskosten. Die Repräsentanten beschlossen einstimmig, den Vorstand der jüdischen Gemeinde zu ersuchen, die Beerdigungsanstalt veranlassen zu wollen, erwähnten Tarif herabzusetzen. — Der jüdische Frauenverein der Luisenstadt, welcher am 21. März fast sein erstes Jahrzehnt abgeschlossen hat und dessen Bestrebungen nicht nur den Bewohnern der Luisenstadt, sondern auch anderen Stadttheilen zu Gute kommen, reicht mit seinen Beitragen bei weitem nicht mehr hin, um den fortwährend steigenden Anforderungen Nothleidender zu genügen. Deßhalb ersucht der Verein wohlthätig gesinnte Frauen in allen Stadttheilen, durch Beitritt zu dem Verein die humanen Aufgaben desselben fördern zu helfen. Anträge zum Beitritt (jährlich 6 Mark) nimmt die Vorsitzende, Frau Minna Egers, Prinzenstraße 41, entgegen. Frankfurt a. M., 3. April. (Frks. Z.) Der Vorstand der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen

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