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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-04-14 · Heft 15 (14.4.1887) · p. Seite 233

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 15 (14.4.1887)
Date
1887-04-14
Page
Seite 233 (sequence 9)
Language
German
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233 dem Gedanken, ein Religionslehrbuch in deutscher Sprache abzufassen und erbat sich zu diesem Zwecke einen Urlaub. In der Motivirung seines Gesuches heißt es: „Die Juden besitzen keine symbolischen Bücher (vergl. Mendelssohn, Jerusalem). Es kann von keinem hebräischen Buche, so viel es deren auch giebt, bestimmt gesagt werden, dies sei ein Religionslehrbuch. Außer der heil. Schrift sind die hebräischen und rabbinischen Bücher größtentheils vermischten Inhaltes. Sie handeln von'den Ceremonien und deren Befolgungsart, von verschiedenen Auslegungen der h. Schrift, zuweilen auch von einigen Glaubenssätzen, von moralischen Lehren und Lebensregeln, von überspannten Hoffnungen, Träumen und ungereimten Meinungen einiger Rabbiner im Allgemeinen oder in dunkle Gleichnisse gehüllt, oder sie spielen auf andere Religionsparteien oder Abtrünnige an re." Am 16. März 1794 wurde hierauf Homberg gestattet, ein Religionslehrbuch in derHofbibliothek in Wien auszuarbeiten und erhielt derselbe täglich vom Staate fl. 2. In einem Acte im Jahre 1796 fanden wir, daß Homberg ein Werk: „Die Religion der Israeliten und Sittenlehre", 2 Theile, verfaßt habe, dieses Werk mag im Manuseripte Vorgelegen haben;4) erschienen ist es nicht?) 4) Doch hat Homberg eine „Sittenlehre" hdn Wien 1802) und eine Glaubens- und Sittenlehre (Tp' p Wien 1814) erscheinen lassen. Redakt. 5) Es wird uns gewiß niemand zumuthen, daß tun* eine Lanze Homberg lebte dann in Wien, wo er im Jahre 1812 eine Religionsschule errichtete (vergl. unsre: „Die jüdischen Friedhöfe in Wien" S. 29). Am 4. Februar 1817 wurde er zum Lehrer der Moral in Prag ernannt. Hierauf reichte er ein Majestätsgesuch ein, in welchem er um die Toleranz in Wien bat. Doch die Hoskanzlei wies es ab, da Homberg früher auf seine Stelle in Prag resigniren müßte. Am 10. August 1833 (er war damals 84 Jahre alt) wiederholte er das Gesuch und wies auf seine Verdienste als Verfasser des Buches Bne Zion hin. Mit demselben habe er bezweckt, „religiöse Moral zu verbreiten und sittliche Empfindungen zu beleben und die Juden zu belehren (wie im Bne Zion 8 308 u. s. w. geschieht), daß die Grundbegriffe der christlichen Religion mit der unsrigen übereinstimmen." Er weist ferner darauf hin, daß 4 seiner Söhne getauft sind, von dem fünften, Friedrich, Lieutenant beim Regiment Erzherzog Rainer, wisse er es nicht bestimmt. Er bat daher um die Toleranz für seine Frau und drei Töchter und für seinen Sohn Bernhard. Doch auch dieses Gesuch wurde abschlägig beschieden. für Hombergs „Bne Zion", abgesehen von den Reminiscenzen, die sich an dasselbe knüpfen, einlegen werden. Wir müssen jedoch der Wahrheit die Ehre geben und sagen, daß danmls Lehrtexte erschienen sind, die die wunderlichsten und die Schamhaftigkeit verletzendsten Dinge enthalten, weshalb wir hier nicht weiter citiren wollen. W. %>cVC\AYi^Yia'C Deutschland. Bonn, 3. April. Wir wiederholen eine schon früher gemachte Bemerkung, daß Correspondenten politischer Tagesblätter öfter Artikel aus dieser Zeitung entnehmen und ihren Blättern zusenden, ohne die Quelle zu nennen. Wir begegnen da oft Worten aus unsrer eigenen Feder, aber ohne Angabe, woher sie stammen. So lieb es uns ist, Mittheilungen unserer Zeit, recht weit verbreitet und unsere Wirksamkeit vergrößert zu sehen, so müssen unsre Leser dadurch doch oft zu der Meinung kommen, daß wir die Abschreiber seien. Wir ersuchen deßhalb jene Herren Correspondenten, uns gerecht zu werden. Berlin, 3. April. Die Verbindung der beiden großen Cartell-Parteien entzieht den Antisemiten und der äußersten Rechten ihre bisherige Stellung. Stöcker und Genossen haben den Vordergrund verlassen müssen, sie fühlen dies selbst, und suchen, da sie die jüngste Vergangenheit und die Gegenwart gegen sich haben, auf die Zukunft zu speculiren; sie schimpfen nicht mehr, aber sie drohen. Drohungen sind so gut wie Proteste: Zeugnisse der Ohnmacht. Man wird dies im folgenden Bericht bestätigt finden. Herr Stöcker hat gestern Abend eine Versammlung der Vertrauensmännerund Obmänner der christliche socialen Partei abgehalten und in derselben über die Stellungnahme zur Berliner Bewegung Folgendes entwickelt: Aufs allerschärfste ist den Versuchen, eine dauernde Verschmelzung mit den Mittelparteien herbeizuführen, entgegenzulreten. Wir wollen gewiß sowohl mit den Freiconservativen als auch mit den Nationalliberalen zu bestimmten Zwecken und Zeiten Zusammengehen, aber die Sache hat jetzt einen Charakter angenommen, als wenn das rein Conservative in der Bewegung überhaupt aufhören solle. Man will eine Mischmaschpartei Herstellen, wobei zuletzt keiner weiß, was von den ursprünglichen Zielen der Bewegung übrig bleiben soll. Das birgt große Gefahren für die Berliner Bewegung in sich. Drei Dinge würden mit dem Eintritt der Verschmelzung mit den Mittelparteien aufhören müssen: das eine ist das streng Christliche in der Bewegung. 15

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