Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-04-14 · Heft 15 (14.4.1887) · p. Seite 232

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 15 (14.4.1887)
Date
1887-04-14
Page
Seite 232 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227663-3227679--44333-3266606
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

232 Kaufleute re. halten ihn für nützlich; manche meinen, was kann es schaden, wenn mein Kind auch Deutsch weiß! Dennoch sei der deutsche Unterricht nothwendig. Das Gebet vor dem Beginn des Unterrichtes enthält die Lehre der Liebe zu anders Denkenden („Lehre uns alle Menschen lieben"). Beim Unterrichte wagt man nicht (?!) dies auszusprechen, wegen der Fragen, die die Kinder stellen könnten. Die Rabbiner re. sind überdies Feinde der Schule. Galizien zählt bereits 37 herangebildete Lehrer. Betreffend der Klagen sagt Homberg: ad 1. Kleine Gemeinden, die keine Mittel haben, werden ohnedies nicht verhalten, Schulen zu errichten. In Brody allein sind hundert Religionslehrer und 73 Assistenten (wohl „Melamdim" und „Belfers — Behelfer) und blos 4 deutsche Lehrer, die nicht einmal von der Gemeinde bezahlt werden. ad 2. Die Instruction für die Lehrer vom Jahre 1787 8 7 gebietet ihnen, sich standesgemäß zu benehmen. ad 3. Die Kinder erhalten täglich blos 2—3 Stunden Unterricht in der Normalschule, was sie daher nicht stört hebräisch zu lernen. ad 4. Es befinden sich in den Schulen Kinder unter 12 Jahren; die sittlichen Bedenken entfallen daher. Die Errichtung von Mädchenschulen wäre jedoch wünschenswerth. Schließlich weist Homberg auf den Mangel eines Lehrtextes hin. „Was würde man dazu sagen, wenn ein christliches Kind aus dem alten und neuen Testament alle Epistel, Kirchenväter, Casuisten und Legenden lesen müßte.,;) Ta jedoch die Opposition gegen die Normalschulen in Galizien nicht nachließ, erging von Seiten der Hofkanzlei am 20. April 1791 ein Rescript an das Gubernium in Lemberg des Inhaltes: „Die jüdischen Eltern sind aufmerksam zu machen, wie nothwendig der deutsche Unterricht für sie sei und sollen sie sich nicht mit der Hoffnung trösten, als würden die Schulen wieder aufgehoben 'werden." Am 19. September 1792 erhielt Aron Friedenthal, Präparandenlehrer am Schullehrerseminar in Lemberg, den Titel Director. Am 16. Februar 1793 befürwortete die Hofkanzlei die Lehrer Seligman und Homberg in Lemberg von der Schutzsteuer (jährlich sl. 4) zu befreien, da sie sich dem öffentlichen Dienst, der nützlichen Ausbildung einer noch sehr rohen Jugend widmen und einen sehr geringen Gehalt haben;-- doch Kaiser Franz lehnte den Vorschlag mit der Bemerkung ab: „Es würde dem Universo schaden". Aus einem Berichte Hombergs an die Studienhofcommission vom 21. März 1793 entnehmen wir folgende Momente. Er klagt Zunächst über den geringen Besuch der Trivialschulen, hingegen lobt er die Fortschritte der Präparanden. 3) In betreff der Lehrtexte vergl. unsere Geschichte der Juden in Wien S. 87 und Beilage XXXII S. 267 und unser: Zur Geschichte des Unterrichtes S.'8. Um den Präparanden insgesammt eine ausgebreitetere Lectüre als jene, welche sie aus den Schulbüchern haben, zu verschaffen, befürwortet er, daß ihr Lehrer und Aufseher Friedenthal sie verhalle sich an schulfreien Tagen im Lesesaal der Biblio-!thek einzufiuden und ihre müßige Zeit mit Lesung solcher Bücher, die ihren Fähigkeiten angemessen sind, zuzubringen. Im Jahre 1793 machte Anser Lippman in Drohobicz in Galizien, um den Staatsschatz zu heben, den Vorschlag, eine Taxe bei Ertheilung des Morenutitels festzusetzen. Homberg, der diese Angelegenheit zur Begutachtung bekam, äußerte sich hierüber folgendermaßen: Dieser Titel sei ursprünglich nur solchen Talmudisten ertheilt worden, die alle Theile der talmudischen Gelehrsamkeit mit Nutzen „durchgegangen" sind und im Stande waren, alle vorkommenden Fragen in Betreff des jüdischen Ceremoniells, der verbotenen Speisen, der Ehesachen und der Streitigkeiten in Bezug auf | das Mein und Dein nach den Ritualgesetzen zu entscheiden. In ein solches Zeugniß wurde auch der Ausdruck gesetzt:! Jore, jore; jadin, jadin, d. i. er mag lehren; er mag richten. Der ein solches Zeugniß ertheilt, sollte ein Landesrabbiner oder sonst ein berühmter Rabbiner sein, und der, dem es ertheilt wird, ist durch dasselbe zum Rabbiner geeignet und! genieße auch besonderes Ansehen. Weil aber sowohl dieser Titel wie der höhere More-Moreau, mit welch' letzterem man den Rabbiner in der Synagoge zur Thora rufe, den Rabbinern, die solche ertheilen, ein Gefäll abzuwerfen Pflegen, so habe I man angefangen alle Talmudisten, wenn sie sich im Talmud!auch nur ein wenig umgesehen haben, den Titel Morenu zu j ertheilen und dieser Mißbrauch sei in Galizien auf das höchste gestiegen.! Der Titel Morenu übe aber bei der jüdischen Nation; einen schädlichen Einfluß auf ihr sittliches und bürgerliches Leben. Er nähre und vergrößere den Stolz und halte viele von nützlichen Verrichtungen ab, die sie für einen Morenu für unschicklich oder für erniedrigend halten. Eben daher entstünden so viele Müßiggänger unter den Juden, die entweder vom Betrug oder vom Schweiße der geringeren arbeitenden Elasten sich nähren und durch die häufige Ertheilung des Morenutitels vermehrt sich der Hang zum Talmudstudium, das den deutschen Schulunterricht und die Erlernung nützlicher Handwerke bei der Jugend hemme. Der Referent in der Hofkanzlei meinte: „Diese Unthätigkeit rc. rührt gewiß nicht vom Titel her, sondern liegt in ganz andern Ursachen, in ihrer (der Juden) Religion , Verfassung und Erziehung." Es wurde jedoch beschlossen, daß Morenueandidaten sich einer Prüfung zu unterziehen haben und sollen sie eine Taxe von 6 Dueaten erlegen. Wer sich fälschlich diesen Titel anmaßt oder Vorbeter re., die ihn fälschlich geben, haben 12 Dueaten Strafe zu bezahlen. Schon im Jahre 1794 beschäftigte sich Homberg mit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.