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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-04-07 · Heft 14 (7.4.1887) · p. Seite 215

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 14 (7.4.1887)
Date
1887-04-07
Page
Seite 215 (sequence 7)
Language
German
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215 oder eilten sehr originell gemalten Tempelberg, auf welcher ein frommer Wallfahrer seine Erstlingsfrüchte trägt, ebenso giebt es schöne Hagadah's mit interessanten Bildern und kalligraphischer Kunst ausgestattet, dazu kommen alte Familien-Verträge, Gemeinde-Acten, Urkunden, wie Anstellungen von Rabbinen, Erlaubnis zur Ausübung der rituellen Praxis oder der Schechita, wo ich gelegentlich, um die häufige Meinung zu widerlegen, daß derartige Urkunden ganz einförmig oder wenig von einander abweichend seien, anführe, daß Azulai (gest. 1807) erzählt (Zusätze zu Joreh- Deah), er habe auf seinen Wanderungen eine Urkunde gesehen, in welcher einer Frau die Ausübung der Schechita gestattet wird. Dazu könnten auch noch Bilder von um das Judenthum verdienten Persönlichkeiten gesammelt werden, ebenso Bücher, die durch Ausstattung oder Inhalt eine besondere culturhistorische Bedeutung besitzen, nach letzterer Richtung besonders die vielfach zerstreuten und selten gewordenen jüdisch-deutschen Erbauungsbücher und Erzählungen; und endlich würde die Praxis wie die Erfahrung berühmter Männer mit dazu beitragen, den Kreis der Dinge, welche in den Bereich einer solchen Sammlung gehören, näher zu begrenzen. Die Kosten einer solchen Unternehmung würden wohl durch freiwillige Beiträge hervorragender Männer, die ja für Kunstzwecke am leichtesten sich zu opfern entschließen, bedeutend herabgemindert werden. Endlich würde eine große Menge werthvoller Gegenstände entweder durch Schenkung oder auch durch Leihen mit Vorbehalt des Eigenthumsrechtes erworben werden können, und schließlich würden ja auch die Gemeinden einige Opfer bringen, zumal die Verwaltung einer solchen Sammlung sich mit einer anderen Aufgabe eines Beamten vereinigen läßt. Ich schreibe meinem Worte nicht die Kraft zu, daß es plötzlich den Gedanken zur That zu machen geeignet wäre, aber vielleicht ist es der Ruf des Bergsteigers, der ja auch, wie man sagt, genügt, um die trägen Massen in Bewegung zu setzen, welche als Lawinen ganze Felsblöcke mitfortzureißen imstande sind. %e\Xx^vi^\'Uxc Deutschland, Berlin, 27. März. (Privatmitth.) Meinen Bericht in vor. Nr. über die „Gesellschaft der Freunde" muß ich dahin ergänzen, daß mit der diesjährigen Generalversammlung der Geheimrath Liebermann das 25jährige Jubiläum als Borsteher der Gesellschaft beging. Die Gesellschaft beschloß, das Bild des Jubilars in die Galerie der um die Gesellschaft verdientesten Freunde aufzunehmen und es im Sitzungssaale der Gesellschaft aufhängen zu lassen. Außerdem wurde dem Jubilar ein von den Mitgliedern der Gesellschaft gesammelter Fonds von 20 000 Mk. übergeben, um damit eine wohlthätige Stiftung zu begründen. Zu gleicher Zeit wurden die verstorbenen Ludwig Löwe und Leopold Zunz, die der Gesellschaft während ihres Lebens angehört, ihrer Verdienste wegen als Ehrenmitglieder proelamirt, weshalb sie dauernd in den Listen der Gesellschaft aufgeführt werden müssen. Berlin, 28. März. W. Behufs Erwerbung von Grundstücken zum Neubau einer großen Synagoge in Berlin, fand, nach der öffentlichen Sitzung der Repräsentanten der jüdischen Hauptgemeinde, am Sonntag eine geheime Sitzung unter Vorsitz des Fustizraths Makower statt. In öffentlicher Sitzung rügte einer der Repräsentanten, daß dieser Gegenstand „Neubau einer Synagoge u. s. w." in „geheimer" Sitzung verhandelt werde, da derselbe in die öffentliche Sitzung gehöre, was er auch beantrage. Justizrath Makower erwiderte, daß er über diesen Antrag selbst in öffentlicher Sitzung nicht debattiren lassen könne und denselben erst in der geheimen Sitzung zur Debatte stellen werde. In öffentlicher Sitzung wurde beschlossen, daß die Mädchen, die die jüdische Gemeinde-Mädchenschule besuchen, Turnunterricht in der Turnhalle der jüdischen Gemeinde-Knabenschule erhalten sollen, wofür ein Etat von 300 Mark ausgeworfen wurde. Ferner wurden 3179 Mark behufs Aufstellung von Tafeln auf den Jüdischen Friedhöfen zur leichteren Auffindung der Gräber bewilligt. Der Turnunterricht für die Mädchen wie Knaben war auch für Sonnabend Vormittag wie Nachmittag angesetzt, hiergegen hat das Rabbinat jedoch Einspruch erhoben, und unterbleibt der Turnunterricht des Sonnabends. — Die Einführung des Kaisergebetes, wie es in der Neuen-Synagoge üblich, in die Kaiserstraßen-Synagoge, konnte die Repräsentanten wiederum nicht zu einer Einmüthigkeit bringen. Posen, 25. März. (Privatmitth.) Deutschland, das Land der Reformation, in welchem noch heute Katholiken und Protestanten einander antipathisch gegenüber stehen, wird noch lange weit davon entfernt sein, den rechten Geist der Simultanität zu fassen und zu verwirllichen. So wird aus der hiesigen Stadtverordnetenversammlung berichtet: „Die hiesige Stadtverordnetenversammlung hat gestern den Antrag des Stadtverordneten und früheren Bürgermeisters Rechtsanwalt Herse angenommen, in welchem der Magistrat ersucht wird, „zur Wahrung des simultanen Charakters unserer Schulen in Zukunft bei Ausschreibung von Lehrerstellen die Meldung von der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Reli-

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