Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-04-07 · Heft 14 (7.4.1887) · p. Seite 214

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 14 (7.4.1887)
Date
1887-04-07
Page
Seite 214 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227663-3227678--44314-3266586
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

214 nicht bloß wegen seiner Heilquellen, sondern auch wegen mehrerer ausgezeichneter Heilanstalten, und es versteht sich deßhalb von selbst, daß der Verein auch den armen Kranken, die aus der Fremde kommen, Unterstützung gewährt. Demungeachtet hat der Verein im verflossenen Jahre auch eine Abtheilung zur Unterstützung durchreisender Armen hergestellt und zu diesem Zwecke ein Bureau errichtet, wo ein Vorsteher zu bestimmter Tageszeit an jene die Gaben vertheilt. Die Einnahmen beliefen sich auf M. 4653. An Ortsarme wurden 887 M., an Arme der Umgegend 382 M., an Fremde, Kranke und Arme 1492 M. gewährt. Für 945 M. wurden Werthpapiere angekauft, 600 M. zum Reservefond gelegt, und 165 M. in Kasse behalten. Das Vereinsvermögen beträgt M. 9379. — In Homburg vor der Höhe war, wie der Bericht ergiebt, auch im verflossenen Jahre der „Israelitische Armen-Holz-Verein" thätig. Es wurde aber auch im verflossenen Jahre ein „Israelitischer Mädchen-Ausstattungs-Vcrein" gegründet, indem dem desfalsigen Aufruf „alsbald von allen Seiten ermunternde und beglückwünschende Beitrittserklärungen, verbunden mit sofortigen Einsendungen von Jahresbeiträgen und Spenden" folgten. Bedenkt man, wie klein der Kreis derer ist, von welchen man für diesen neuen Verein wie für die bestehenden anderen Spenden erwarten kann, so ist es gewiß erfreulich, daß die Einnahmen M. 652 betrugen, welche den Grundstock des Fonds bilden sollen. Es scheint also auch diesem Vereine eine segensreiche Wirksamkeit bevorzustehen. — Der israelitische Krankenunterstützungsverein in Stuttgart hielt am 15. d. seine alljährliche Generalversammlung ab. Der Vorstand, Herr Ellinger, eröffnete dieselbe und ermunterte die Mitglieder des Vereins, nach Kräften auch ferner zur Hebung desselben beizutragen. Der Kassircr, Herr Sontheimer, verlas den Rechenschaftsbericht, nach welchem im Jahre 1886 an kranke Arme im ganzen 2046 M. 21 Pf. vertheilt wurden, gegen 1922 M. 52 Pf. im Jahre 1885, so daß die Kasse um 123 M. 69 Pf. mehr in Anspruch genommen wurde. Die statutengemäß ausscheidcnden Ausschußmitglieder Ellinger und Edenfeld wurden aus Antrag des Herrn Kirchenraths Dr. v. Wassermann unter Worten der Anerkennung für Pflichttreue durch die Versammlung per Acclamation wiedergewählt. An den geschäftlichen Theil schloß sich unmittelbar der gesellschaftliche, eröffnet durch ein Souper, und endlich erfreute noch Herr Cantor Tennenbaum die Gesellschaft mit seiner schönen und künstlerisch geschulten Tenorstimme. Brünn, Ende März. Ein jüdisches Mujenm. Von vr. G. Deutsch. Unter den gebildeten Inden Europa's giebt es wohl Niemanden, der leugnen möchte, daß das ganze Leben der Juden und zwar nicht blos ihr öffentliches Auftreten, sondern auch ihr häusliches Leben in unserem Jahrhundert eine gewaltige Aenderung erfahren hat. Die heutige Generation sieht in Oppenheims Bildern und Komperts „Ghcttogeschichten" eine Welt, die ihr nahezu ebenso fremdartig erscheint, wie die in Scheffels „Eckehard" oder Freytags „Ahnen", und doch thun wir lange nicht genug dazu, dieses historische Moment unserer Zeit deutlich vor Augen zu halten. Man wird fragen, hat die practische Religiosität daran ein Interesse, oder müssen wir nicht dieses Bestreben einfach den geschichtlichen und kunstgewerblichen Sammlungen überlassen? Ich antworte, gewiß ist es ein Mittel, das Vergangene lieb zu gewinnen, wenn man es in seiner natürlichen Gestalt und in seiner rührenden Einfachheit vor sich sieht. — Unsere großen jüdischen Gemeinden sollten doch neben der Pflege der practischen Religiosität und der sittlichen Interessen nicht verabsäumen, auch die wissenschaftlichen zu Pflegen. Was könnte so ein jüdisches Museum nicht alles bieten! In erster Linie die Tracht der Juden verschiedener Länder, soweit sie sich von der allgemeinen unterscheidet, wie ja die Juden noch in unserem Jahrhundert mit einer gewissen Zähigkeit, wie sie dem jüdischen Stamm eigen ist, viel länger alte bürgerliche Trachten bewahrt haben, als die sonstigen Zeitgenossen. Dazu kommen Abbildungen derartiger Erscheinungen und Familienbilder aus alter Zeit, ebenso Bilder denkwürdiger jüdischen Zwecken dienender Gebäude, besonders alter Synagogen, dann würden folgen die zahlreichen Artikel für die religiösen Verrichtungen des Hauses: Kiduschbecher, Sederschüssel, Gewürzbecher für die Habdala, Chanuka- Leuchter, die alten achtarmigen Sabbath-Lampen, geschmackvoll und künstlerisch gearbeitete Gebrauchsstücke eines Mohöl, endlich die ja auch öfter vorkommenden Luxuseinbände von Gebetbüchern, die nach rituellen Vorschriften gearbeiteten zinnernen Waschgesäße der alten Zeit, bei uns Gießfässer genannt, die ebenfalls nach gewissen rituellen Vorschriften hergestellten Bücherschränke und noch manches Andere. Ebenso aus dem öffentlichen Cultus die zahlreichen Schmuckgegenstände für Thorarollen, Binden, Mäntelchen, Kronen, Hände und noch viele andere, was wohl im Augenblick meiner Aufmerksamkeit entgeht oder mir bisher nicht vorgekommen ist. Eine andere Gattung würden dann verschiedene Ausgaben von Gebetbüchern bilden, nicht minder die zahlreichen handschriftlichen Exemplare dieser Art, die oft mit interessanten Initialen, Federzeichnungen rc. verzierten Handbüchlein für das tägliche Gebet, für den Gebrauch bei der Hochzeit, bei Beschneidungen und ähnlichen Fällen. Ich besitze selbst ein kleines Büchlein, im Jahre 1755 geschrieben, enthaltend den 119. Psalm, das Tischgebet, Nachtgebet mit verschiedenen Zeichnungen, welches gelegentlich einen Haman auf dem Galgen von Raben umschwärmt, zeigt,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.