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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-03-31 · Heft 13 (31.3.1887) · p. Seite 200

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 13 (31.3.1887)
Date
1887-03-31
Page
Seite 200 (sequence 8)
Language
German
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Der Bericht giebt zuerst einen Rückblick auf die Gründung und die Statuten des Verbandes. Dieser zählt gegenwärtig 86 Mitglieder und hat eine Bilanz von 907 M., wovon 298 M. Kassenbestand. Ferner giebt der Bericht einen „Organisationsplan zur Einführung von Schulinspectionen für jüdischen Religionsunterricht," der Gemeindevorständen und Lehrern zur Prüfung und Beherzigung sehr zu empfehlen ist, da er sie über Zweck und Einrichtung solcher Jnspection aufzuklären und ihnen die darüber gehegten Vorurtheile zu nehmen vermag. Die dreizehnte Subcommission (Cohn-Potsdam, Leimdörffer- Hamburg, Werner-Danzig) bringt Vorschläge, öffentliche Vorträge aus dem Gebiete des Judenthums betreffend. Sie fügt ein Verzeichniß von Thematen für solche Vorträge bei, und zwar 70 an der Zahl. Es geht daraus die Fülle des Stoffes hervor, welche in der Geschichte und Literatur, sowie in dem Lehrinhalt des Judeuthums, für die Behandlung in derartigen Vorträgen bereit liegt. Diesen Aufgaben wohnt ein bedeutendes Interesse und reiche Anziehung ein, und wer dieselben überblickt, findet die Anleitung, noch ungleich mehr solcher Thematen zu suchen. Zugleich möchte sich daraus ergeben, daß auch minder gelehrte, redegewandte Männer solche Vorträge zu halten vermögen, was gewiß von Wichtigkeit ist, da es gilt, immer weitere Kreise, namentlich auch an kleineren Mätzen, zu gewinnen. In einer Anlage wird begonnen, die Gesetze, Rescripte und Verordnungen über den jüdischen Religionsunterricht zu sammeln, was in den späteren Berichten fortgesetzt werden soll. München, 16. März. Die Münch. „Neuesten Nachr." schreiben: Als Beweis, was opferwillige Freigiebigkeit vermag , kann eine inmitten der hiesigen israelitischen Cnltnsgemeinde entstandene Wohlthätigkeitsstiftung gelten. Dieselbe von einem Einzelnen aus kleinen Anfängen begründet, verfügt heute, wie der uns vorliegende Rechenschaftsbericht ausweist, unter dem Namen „Israelitische Waisenstistung München" über ein Kapital von bereits mehr als 100,000 M.; dieser Betrag wurde lediglich von Wohlthätern aufgebracht und reichen die Zinsen aus dem vorhandenen Kapital vorerst vollauf hin, dem guten Zwecke zu dienen. Diese Stiftung gleichwie die auch durch einen Gutthäter begründete Bersorgungsanstalt für altersschwache Israeliten machen unseren Mitbürgern jüdischer Confession alle Ehre. Aus Westpreußen. Der Thorner „Ostd. Ztg." zufolge wurde aus dem Städtchen Gollub der daselbst seit 11 Jahren ansässige Synagogen- und Schuldiener Hirsch Kurzbarth ausgewiesen, der mit einer Preußin verheirathet ist, welcher Ehe Söhne entsprossen sind, die im preußischen Heere gedient haben. K., ein alter schwacher Greis, ist russischer Unterterthan. Seine ganze Familie wird durch die Ausweisung unglücklich. (Solche Ausweisungen gehören zur Signatur des letzten Viertels unsres Jahrhunderts!) Oesterreich-Ungarn. Wien, 17. März. (Privatmitth.) Gestern starb nach vollendetem 87. Jahre Herr Josef Ritter v. Wertheimer (er wurde am 17. März 1800) geboren). Schon seit vorigem Jahre war er ans Zimmer gefesselt. Des Vormittags jedoch blieb er literarisch thätig und Nachmittags suchte er die Lagerstätte ans. Im April vorigen Jahres noch veröffentlichte er die Schrift: „Gesinnungstüchtigkeit der Juden", und bis zu den letzten Augenblicken seines Lebens war sein Geist rege. Gewiß hat er das gewöhnliche Lebensalter der Menschen überschritten und schließlich der Natur den Tribut gezollt. Wir können Gott danken, daß er ihn so lange erhalten hat, denn sein Leben war eine ununterbrochene Kette des Schaffens und Wirkens für die Menschheit und insbesondere für seine Glaubensgenossen, für die Juden. Und doch ist er viel zu früh für das allgemeine Beste aus dem Leben geschieden; denn wo ist der Mann, der ihn ersetzen könnte? Ich habe es versucht, ihm in meinem Buche: „Josef Wcrtheimer, ein Lebens- und Zeitbild", Wien 1868 (im Buchhandel vergriffen), ein bescheidenes Denkmal zu errichten. Was hat er aber seit jener Zeit bis heute, insbesondere als Präsident der israelitischen Allianz in Wien und so vieler anderer wohlthätigen Institute, gewirkt? — Ich kenne Wohl den Satz; aber bekümmerten Herzens muß man sich fragen: wer füllt seinen Platz aus? — Was mich selbst betrifft, so kann ich nur sagen -Dm G'^ra '2b. Vielleicht finde ich die Ruhe, um das Wirken Wertheimer's in den letzten Jahren, oder mindestens Episoden ans demselben zu schildern; heute jedoch wollte ich bloß das Hinscheidcn dieses Mannes, um den ganz Israel trauern kann, anzeigen. Ihn überlebt seine Gattin, mit welcher er im Jahre 1879 das Fest der goldenen Hochzeit beging. Kinder hat er nicht hinterlassen, jedoch Werke, die mehr sind als Söhne und Töchter und die ihm einen Gbry as? sichern. G. Wolf. (Auch wir beklagen den Heimgang des verehrten Mannes, den wir auf der Leipziger Synode kennen und schätzen gelernt, auf welcher er das Ehrenamt eines zweiten Vicepräsidenten versah. Höchst wirksam war er Jahrzehnte hindurch als Präses der israelitischen Cultusgemeinde Wien's. Seine bedeutendste Schrift war „Die Juden in Oesterreich", zwei Bände, Leipzig 1842. Auch gab er das Jahrbuch für Israeliten von 1854—1862 heraus. Redakt.) Wien, 18. März. Die antisemitischen Abgeordneten machen ihren Wählern alle Ehre; sie bewirken im Hause die tumultuarischsten Szenen, die das Ansehen des Hauses

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