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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-03-31 · Heft 13 (31.3.1887) · p. Seite 199

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 13 (31.3.1887)
Date
1887-03-31
Page
Seite 199 (sequence 7)
Language
German
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199 Bestrebungen für das Volkswohl wegen ausgelacht werde, sei ihm egal. Diesmal stehe er allein, er hoffe aber auf Kampfgenossen. Der Fractionszwang im Reichstage sei zu groß, er sei eigentlich der einzige „wirkliche Wilde". Er müsse allein bleiben, denn der Antisemitismus sei parteilos. Wie man auch über ihn lachen möge, er sei der Meinung: „wer zuletzt lacht, lacht am besten!" Der Redner schloß mit dem Wunsche für Berlin,, daß selbstlose, opferfreudige, ideal angelegte Männer als Führer für die Antisemiten-Bewegung gefunden werden möchten. Geist, Talent und Genie sei für einen Antisemiten nicht nothwendig, aber Selbstlosigkeit und Opfermuth. Zum Schluß sprach Liebermann v. Sonnenberg über die „Bleichröderei" der Cartellparteien, die eine unerhörte Geschichte sei. Schon 1881 habe er geäußert: Die Position Bleichröder müsse erst erstürmt werden. Ehe dieser Herr mit seinem Knopfdrücken nicht weg sei, werde die Berliner Bewegung nichts ausrichten. Hofprediger Stöckers Rücktritt von der Wahlurne sei eben so politisch klug, wie patriotisch gewesen, auch vor der Bleichröderei passirt; auch Cremers Rücktritt damals hätte er begriffen, aber daß er später nach dem Briefe des Herrn v. Rottenburg erfolgt, das gehe ihm wider den Strich! Nach einigen scharfen Seitenhieben auf die Nationalliberalen, insbesondere Bennigsen und Miquel, erörtert er die Frage, wie es gekommen sei, daß eine Anzahl Juden plötzlich reichsfreundlich und reichstreu gewählt hätten! Ein Jude Pslege ohne sichere Hoffnung auf Gewinn nichts zu geben. Und in der That, die Unterstützung sei im Hinblick auf die bevorstehende Neuwahl des Bankpräsidiums geschehen. Es solle dahin kommen, daß die Reichsbankleitung wieder in die Hände der Juden gelange. Deshalb wolle er den Warnungsruf an alle deutschen Wähler ins Land rufen, daß die Reichsbank deutsch werde! (Nun, Förster und Liebermann v. Sonnenberg sind „alte Violen" und Böckel hat mit seiner Jungfernrede im Reichstage auf allen Seiten homerisches Gelächter hervorgerufen, und Staatssecretair v. Stephan sagte: er habe noch nie eine Rede gehört, in welcher jeder Satz so unwahr gewesen, wie in der des HerrnBöckel! Ein einander würdiges Kleeblatt! Red. der A. Z. d. Jud.) Seesen a. Harz, d. 17. März. (Privatmitth.) An der hiesigen Jacobson-Schule, der unter dem Directorate des Dr. E. Philippson die Berechtigung, gültige Zeugnisse über die wissenschaftliche Befähigung zum einjährigen freiwilligen Militärdienst auszustellen, erneuert worden ist, fand am 16. nnd 17. März, unter Vorsitz des Herzog!. Braunschweigischen Regierungskommissars, Schulraths Prof. vi. Eberhardt aus Braunschweig, die Abiturientenprüfung statt. Sämmtliche 20 Abiturienten erhielten das Zeugniß der Reife, darunter 1 mit dem Prädieat „recht gut", 8 mit dem Prädicat „gut", die übrigen 11 mit dem Prädicat „genügend". Nach der Confession gehörten dazu 12 Israeliten und 8 Christen; von ersteren hatten 3, von letzteren einer Freistellen inne. j Aus der Provinz Posen, 20. März erhält die „Berl. Volksztg." nachstehende Mittheilung: Das Provinzial-Schulcollegium der Provinz Posen erließ an die Vorstände der Synagogen-Gemeinden derjenigen Städte, an deren staatlichen Gymnasien jüdischer Religionsunterricht ertheilt wird, in jüngster Zeit folgende Verfügung: „Nach einer Entscheidung des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten besteht eine Verpflichtung des Staates zur Gewährung nicht-christlichen Religionsunterrichtes an die Schüler höherer Lehranstalten nicht. Wenn nichts destoweniger für diesen Zweck eine Remuneration in den Etat des staatlichen Gymnasiums daselbst gestellt wird, so ist dies von den Angehörigen der jüdischen Gemeinde als ein besonderes Entgegenkommen anzuerkennen. Dieses Entgegenkommen ist aber davon abhängig, daß seitens der letzteren, wie dies auch in anderen Provinzen geschieht, die Hälfte der zu zahlenden Remuneration getragen wird. Wir werden daher, falls der Vorstand sich rechtzeitig hierzu verpflichtet, die im Etat ausgesetzte Remuneration von jährlich . . . vom 1. April d. I. zahlen lassen, im anderen Falle aber von demselben Zeitpunkte ab den jüdischen Religionsunterricht gänzlich einstellen, wenn nicht etwa der dortige jüdische Religionslehrer sich zur Fortleistung der bisherigen Stundenzahl gegen Gewährung der Hälfte der jetzigen Remuneration bereit erklären sollte." — Bemerkt sei hier, daß die qu. Remuneration bisher für einen in sechs wöchentlichen Stunden zu ertheilenden jüdischen Religionsunterricht jährlich 300 M. bezw. nur 150 M. betrug. (Es ist dies einer der wenigen Fälle, in welchen Etwas aus der preußischen Staatskasse für die jüdische Religionsgenossenschaft geschieht. Wir glauben nicht, daß wegen dieser Halbirung der Lehrerentschädigung irgend eine Gemeinde den betr. Religionsunterricht einstellen läßt, oder irgend ein Lehrer denselben abbricht! Redact. d. A. Z. d. I.) Königsberg i. Pr., im März. (Privatmitth.) Im Sommer 1884 fand in Berlin eine Versammlung deutscher Rabbiner statt, welche einen Rabbiner-Verband gründete mit einem zahlreichen Centralausschuß. Den Vorsitz des letzteren führt der hiesige Rabbiner Di-. Bamberger. Freilich kam seitdem keine Versammlung wieder zu Stande, und liegt die Ursache hiervon einfach in der finanziellen Lage der meisten Rabbiner, die ihnen die Kosten für eine weite Reise nicht gewährt. Es sollte hierfür, wie dies zu Gunsten der Rabbiner- Versammlungen 1844, 1845 und 1846 der Fall war, eine Sammlung zur Tragung der Reisekosten bewirkt werden. Jedenfalls müßte der Ort der Versammlung möglichst in die Mitte des deutschen Reiches verlegt werden, um nicht den meisten Rabbinen eine zu weite Reise nothwendig zu machen. Der „geschäftsführende Vorstand" versandte in diesen Tagen den ersten Bericht (Juni 1884 bis December 1886), der bezeugt, daß der Verband doch keineswegs unthätig war.

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