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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-03-31 · Heft 13 (31.3.1887) · p. Seite 198

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 13 (31.3.1887)
Date
1887-03-31
Page
Seite 198 (sequence 6)
Language
German
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198 geschäftliche Seite der Sache nur irgend es zuläßt. Am besten wäre es, wenn nach Art der Traetatengesellschaften, sich reiche Private entschließen könnten, zu dem Zwecke einen Fonds zu bilden, um es zu ermöglichen, daß man diese Schriften in den Gemeinden vertheile. Sehr leicht könnte man wohl die Gemeinde selber dazu veranlassen, durch Abnahme einer bestimmten Anzahl von Exemplaren das Unternehmen zu fördern. Der Titel der Schriften müßte ein möglichst präciser, aber doch von so allgemeinem Inhalte sein, daß er den Leser nicht gar zu fremd anmnthet. Ich denke mir etwa den Titel einer Schrift: „Was ist das Judenthum der Gegenwart?" oder: „Moses Mendelssohn, der Vorkämpfer für unsere bürgerliche Gleichstellung". (Der Themata solcher Schriften giebt es eine Fülle. Red.) Derartige Schriften würden, unter der Menge verbreitet, ihren Erfolg gewiß nicht verfehlen. Die Judenmission schickt alljährlich Tausende von Broschüren ä fonds perdu in die Welt, es sind ihre Recognoscirungstruppen, denen wir nur eine Landwehr zum Schutze unserer Grenzen entgegensetzen wollen. Ich glaube nun wohl nicht, daß das Neue Testament, in Delitzschs oder Günzburg's Uebersetzung, andere Proselyten als etwa Justus Briman macht, aber sicher ist, daß derartige Broschüren den moralisch Haltlosen den willkommene!! Vorwand bietet, ihre sittliche Haltlosigkeit vor der Welt mit geänderter Ueberzeugung zu beschönigen; und endlich würde die Verbreitung unserer Schriften in weiteren Kreisen, welche sonst dem literarischen Judenthum ferne stehen, uns manche Anhänger! werben, die nicht dem Namen nach, sondern auch mit dem Herzen Juden bleiben wollen; und sollte allen Erwartungen zum Trotz unsere Zuversicht uns täuschen, so dürfen wir mit dem Propheten sagen: „Und sei es auch daß sie hören oder nicht, Du hast Deine Seele gerettet." Nachschrift der Redaction. Mit dem Gedanken, welchen Herr Or. Deutsch in obigem Artikel ausdrückt, nämlich Flugschriften aus dem Gebiete unsrer Religion, Geschichte und Literatur zu schaffen und zu verbreiten, können wir uns nur in völliger Uebereinstimmuug erklären. Sie würden sicherlich großen Nutzen bringen. Auch halten wir die Organisation für nicht allzu schwer. Die Schwierigkeit liegt vielmehr in der Ausführung, d. h. in der Abfassung derartiger nicht umfangreicher Schriften, welche lehrreich und zündend, vor Allem aber populär sein müssen. Sie sehen sich leicht an, aber wenn sie ihren Zweck erfüllen sollen, gehören zu ihrer Production Eigenschaften und Talente, die nicht allzu häufig sind. Was für unser Publikum nach dieser Richtung erforderlich ist, läßt sich mit den Tractätlein der Missionsgesellschaften gar nicht vergleichen. Doch hierüber ivird später zu sprechen sein. Unsre Meinung geht dahin, daß der Verband deutscher Rabdinen das geeignetste Organ für diese Angelegenheit wäre und sich derselben kräftig annehmen sollte. Der Ausschuß des Verbandes könnte den Mittelpunkt abgeben und die 86 Mitglieder desselben würden die Wege der Verbreitung ebnen können. Selbstverständlich soll hiermit nicht gesagt sein, daß die Schriften blos von Rabbinern verfaßt werden sollten; alle sich darbietenden Kräfte wären dazu zu benutzen. l'm t gs Deutschland. Bonn, 23. März. (Privatmitth.) In einem Festartikel der „Nordd. Allg. Ztg." znm Geburtstage des Kaisers ist u. a. zu lesen: „Keine Partei, kein Stamm, keine Religionsgemeinschaft darf sich rühmen, dem Kaiser treuer zu sein, als die anderen. Zn dieser Hinsicht haben Millionen Deutsche nur ein Herz und eine Stimme." Auch wir acceptiren im Namen der deutschen Juden diesen Ausspruch des officiösen Blattes. In allen Synagogen wurden gestern Festgottesdienste gehalten und stiegen innige Gebete zu Gott, dem Lenker der Völkergeschicke empor. Möchten weiterhin alle Parteien der obigen Wahrheit eingedenk sein! Berlin, 17. März. (Frkf. Ztg.) Die „reinen unverfälschten" Antisemiten waren vorgestern Abend in der „Tonhalle" ganz unter sich und haben sich gehörig zugute gethan, wie schon die Namen des Redner-Kleeblatts bezeugen: Di-. Förster, Dr. Söcfel, der Kaletist, und Liebermann von Sonnenberg. Förster polemisirte gegen das Wahlcartell und bezeichnete als Hauptzweck des Antisemitismus, in der Gesetzgebung Fuß zu fassen. Der „Deutsche Antisemitenbund" müsse eine Macht vorzustellen suchen; stets dabei eingedenk, daß die Antisemiten „parteilos, religionslos und von oben unabhängig" Vorgehen müßten; man triebe den Antisemitismus eben nicht aus religiösen Zwecken! Man müsse handeln, der platonische und akademische Antisemitismus könne ihm gestohlen werden! Dr. Böckel pries den 21. Februar als den Anbruch eines neuen (!) Frühlings für den Antisemitismus — an diesem Tage nämlich ist er in den Reichstag gewählt worden. Im Reichstag stehe er allein und ob er seiner

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