Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1887)
- Date
- 1887-03-24
- Page
- Seite 187 (sequence 11)
- Language
- German
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_ 18 gelangt, die nach Spanien auswandern möchten. Um so näher liegt die Pflicht, die wirklichen Verhältnisse zu prüfen und da hat sich denn, wie wir verbürgen können, herausgestellt, daß selbst das Comitö, welches sich die Beförderung solcher Einwanderung zur Aufgabe gestellt hat, nur reiche Juden als Einwanderer wünscht; für Unbemittelte ist in Spanien kein Platz und würden sie dort geradezu untergehen. Regierung wie Volk würden solche unbemittelte Juden scheel ansehen und sie wahrscheinlich wieder zum Lande hinausschikaniren. Unsre Zeit ist nicht dazu angethan, blos angenehmen Ideen nachzuhängen: wir müssen die Dinge in ihrer wirklichen Gestalt betrachten und genau zusehen, was an ihnen ist. Die obigen Worte mögen deßhalb wohl beachtet werden. Bonn, 16. März. (Notizen.) Am 8. d. feierte die Israelitische Gemeinde zu Oppeln das 25jährige Jubiläum des Herrn Siegfried Friedländer als ersten Vorstehers der Synagogengemeinde. Der Jubilar, der auch StadtverordneteN'Vorsteher ist, liegt seinen Ehrenämtern mit seltener Pflichttreue und Hingebung ob und hat sich um Stadt und Gemeinde vielfache Verdienste erworben. War auch diese Feier speciell die der jüdischen Gemeinde, so stellten sich doch auch die Vertreter der verschiedenen städtischen Corporation und selbst der katholischen Geistlichkeit ein, um dem Jubilar ihre Anerkennung und den Dank für seine Bestrebungen darzubringen. Abends fand ein Festmahl statt, an »velchein besonders Rabbiner Dr. Wiener die Verdienste des Gefeierten pries. — Man schreibt uns aus Emden vom 7. März: Bei Gelegenheit der am 6. März stattgehabten Jahresi Versammlung der hiesigen Jubiläums-Stiftung (Asyl für hülfsbedürftige altersschwache Israeliten unserer Gemeinde) iiDriD wurde des im December vor. Jahres in bester Manneskraft verstorbenen bisherigen Vorsitzenden Herrn Moritz H. Schönberg gedacht. Herr S., der seit jeher den wärmsten Antheil an den Interessen der Gemeinde bethätigte und ihr jahrelang seine Zeit und Kräfte als Gemeinde-Vorsteher und Leiter vieler Wohlthätigkeits-Vereine mit seltenem Eifer und bestem Erfolge widmete, war es, dessen eigenster Idee die Gründung dieses Asyls entsprossen. Ihm war es noch vergönnt, bei Lebzeiten die Verwirklichung seines jahrelangen Wunsches erfüllt zu sehen und als Vorsitzender die Einrichtung dieser segensreichen Anstalt zu leiten. Seiner selbstlosen Thätig» keit ein bleibendes Andenken zu wahren, wurde unter rührender Zustimmung seitens sämmtlicher Vereins-Mitglieder beschlossen, ein lebensgroßes Bild des Verstorbenen und eine Gedenktafel anfertigen und im Altenhause an geeigneter Stelle anbringen zu lassen. — Aus Württemberg schreibt man uns vom 8. d. Heute feierte Rabbiner Dr. Heilbronn in Weikersheim sein 25 jähriges Amtsjubiläum unter großer Betheiligung der dortigen und auswärtigen Israeliten sowie der Spitzen der geistlichen und weltlichen Behörden, wobei in zahlreichen Toasten der Jubilar gefeiert wurde. — Aus Wien wird geschrieben: Der Großindustrielle Herr Jakob Kuffner in Döbling spendete anläßlich seines 70. Geburtstages der Gemeinde Döbling 5000 Gulden zum Bau eines Gymnasiums. Ieuilleton. Eine Scene im alten Nom. i. Kaiser Vespasian regierte den Erdkreis und unter seiner Herrschaft fand verhältnißmäßig Ruhe und Sicherheit statt. Das Denunciantenwesen und die willkürlichen Hinrichtungen je nach den zeitweiligen Günstlingen der Cäsaren hatten aufgehört, oder vielmehr in der Geschichte des römischen Kaiserreichs einen Stillstand erfahren. Vespasian näherte sich sogar bisweilen dem Volke persönlich. Habgierig und gewinnsüchtig wie er war, ließ er sich mit Männern aus dem Volke z. B. mit Gerbern und Lederhändlern, deren Geschäft damals außerordentlich blühte, in gemeinsame Speculationen ein und meinte, das daraus gewonnene Geld rieche nicht nach Leder. Jerusalem war vor Kurzem unter den anstürmenden Kriegern des Titus gefallen und dieser hatte seinen Triumphzug mit den Trophäen aus dem Tempel gehalten. Trotzdem fühlte sich jetzt die ziemlich starke jüdische Gemeinde in Rom von einem schweren Druck gewissermaßen erleichtert. Sie hatten seit langer Zeit ruhig in Rom gelebt, kaum beachtet von der ungeheuren Bevölkerung der Stadt, in welcher hunderttausende aus allen Racen und Nationalitäten beständig herein- und hinausflutheten. Sie, welche die unerschöpflichen Hilfsquellen Roms an Geld und Kriegern kannten, hatten vom Anfang des Kampfes an keine Hoffnungen gehegt und das Schicksal ihrer Stammesgenossen im Voraus beklagt. Bei dem wechselnden Gange eines solchen Kampfes auf Leben und Tod aber konnten die Römer leicht einmal eine schwere Niederlage erfahren und eine solche, fürchteten jene, wurde den römischen Pöbel auf sie hetzen. Jetzt war der Schlag gefallen. Dort im Osten beschien die Sonne ein weites Trümmer- und Leichenfeld. Was aus dem Sturme an der n*