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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-03-24 · Heft 12 (24.3.1887) · p. Seite 186

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 12 (24.3.1887)
Date
1887-03-24
Page
Seite 186 (sequence 10)
Language
German
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m Das Vereinsvermögen beläuft sich nach Abzug der zur Verkeilung gelangten M. 8514 auf M. 144,777.54 Pf. — Der Reservefond beträgt M. 2000. — Die Anzahl unserer activen Mitglieder betrug bei Beginn dieses Jahres 255. Von diesen verloren wir eines durch freiwilligen Austritt und zwei durch den Tod. Durch den Zutritt von 14 neuen Mitgliedern während des abgelaufenen Jahres hat sich die Mitgliederzahl auf 266 gehoben. Mit besonderem Danke heben wir unter den uns überwiesenen Gaben das Legat des verstorbenen Herrn Albert Ochs mit M. 300 und die Zuwendung der Freifrau Carl von Rothschild aus dem von ihrem verstorbenen Gemahle gestifteten Legate mit M. 2000 — hervor. Möge zur kräftigen Förderung des von uns erstrebten guten Zweckes uns die Unterstützung edler Menschenfreunde durch Zuwendung von Liebesgaben auch fernerhin gesichert bleiben! Oesterreich-Ungarn. Wien, 11. März. Das Verhalten der Wähler gegen die antisemitischen Secessionisten aus dem „Deutschen Club" ist von Interesse. Wir haben deßhalb darüber berichtet, und schreibt jetzt die „Voss. Ztg.:" „Die Bewegung in den Kreisen der Wähler anläßlich der Secession im „Deutschen Club" dauert ungeschwächt fort. Ganz Deutschböhmen hat die Secession verurtheilt, wodurch die Nationalen gezwungen werden, in dieser Verbindung auszuharren. Nur die steierische Wählerschaft läßt ihren Abgeordneten freie Hand, indessen nur in der laut ausgesprochenen Voraussetzung, daß auch die Ausgetretenen in allen Fragen mit dem „Deutschen Club" stimmen werden. Die deutschmährische Wählerschaft ist gegen jede Secession, und auch in Niederösterreich und Kärnten beginnen die Wähler Unbehagen zu empfinden. Herrn Pernerstorfer haben die Wiener Neustädter Wähler in einer Versammlung ihre Unzufriedenheit bekanntgegeben, und ähnlich sprechen die Kärntner. Nur in Schlesien sind die deutschen Antisemiten im Wachsen begriffen. Die Bewegung dauert im Allgemeinen fort und es läßt sich noch nicht absehen, welche Blüthen sie zeitigen wird. Jedenfalls hatten viele Wahlbezirke Gelegenheit, sich zu überzeugen, daß ihre Wahl eine unglückliche gewesen und daß beim nächsten Anlaß der schwere Fehler korrigirt werden muß." — Die Antisemiten meinen eine große Action gegen die Juden auszuführen, wenn sie Börsensteuern, Börsenordnungen und dgl. beantragen. Dies hat ohne Erfolg Jstoczy im ungarischen Abgeordnetenhause gethan und jetzt haben sie einen solchen Antrag im österreichischen Reichsrathe eingebracht. Da dergleichen Entwürfe die Christen ebenso gut wie die Juden betreffen, so kann man von unsren Standpunkte aus sie als völlig gleichgültig ansehen. Pest, den 10. März. (Privatmitth.) Die Antisemiten rüsten sich schon jetzt zur nächsten Abgeordnetenwahl und machen große Pläne für die Zukunft; einige Grundbesitzer, Advokaten, Journalisten und geistliche Herren sollen als Candidaten von ihnen aufgestellt werden. Man erwartet jedoch, daß die Factoren der maßgebenden Parteien die Gefahr begreifen werden, von welcher das öffentliche Leben und Ansehen Ungarns durch die antisemitischen Agitationen bedroht ist und alles aufbieten, nicht nur deren Vermehrung im Parlamente zu hindern. Die Antisemiten sollten im Parlamente nichts anderes sein als: Kuvose, die in einigen Exemplaren belustigend und Zeichen einer Krankheit des öffentlichen Lebens sind. In Wartberg fand in Folge der Mandatsniederlegung des antisemitischen Abgeordneten Franz Rath eine Neuwahl statt. Die Wahl nahm einen äußerst stürmischen Verlauf und wurde der Antisemit Franz Komloffy mit einer Majorität von 52 Stimmen gewählt. Frankreich. Paris, 11. März. Drumont, der Verfasser von La France juive, will, da er sein Buch bereits in Vergessenheit sinken sieht — die Pariser haben für Dinge, die sich ihnen nicht actuell fühlbar machen, ein kurzes Gedächtniß — als Canvidat für die vacante pariser Deputirtenstelle auftreten, und hat deshalb ein Schreiben an die Journale gerichtet. Nun, mag er diese Probe auf seine Anhängerschaar machen. — In der Societe des fitudes juives wird in der nächsten Zeit der berühmte Egyptologe Maspero einen Vortrag über das Semitische in den egyptischen Monumenten halten. Italien. Rom, 13. März. Der Pariser Temps und nach ihm viele Blätter hatten die Mittheilung verbreitet, daß bei den jüngsten Versuchen, ein neues italienisches Ministerium zu bilden, der König Humbert die Wahl des Herrn Luzzatti, weil Israelit, abgelehnt habe, was in einem früheren Falle hinsichtlich eines anderen Israeliten schon einmal vorgekommen. Das Journal des Debats enthält nun ein förmliches Dementi, so daß es zweifellos ist, daß wir es hier mit einer böswilligen Erfindung zu thun haben. Spanien. Paris, 11. März. (Privatmitth.) Die Frage, wie es mit der Einwanderung von Juden in Spanien stehe, hat bereits ein weit verbreitetes Interesse erregt. Es sind hierher und nach Madrid schon viele Anfragen von Glaubensgenossen

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