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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-03-24 · Heft 12 (24.3.1887) · p. Seite 185

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 12 (24.3.1887)
Date
1887-03-24
Page
Seite 185 (sequence 9)
Language
German
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185 worden sind, in Anerkennung unveräußerlicher Menschen- und Bürgerrechte die bürgerliche und politische Emancipation der Juden durchzusetzen." Berlin, 17. März. (Privatmitth.) Es sei gestattet, nach langer Zeit einmal wieder von einer humanen Gesellschaft zu berichten, die in der hiesigen Gemeinde besteht, nicht aber der jüngeren Zeit ihren Ursprung verdankt. Es ist dies „die Gesellschaft der Freunde," die in fünf Jahren ihr hundertjähriges Bestehen feiern wird. Sie wurde 1792 von dem ältesten Sohne Mendelssohns Joseph mit seinen Freunden begründet und hatte ihren Ursprung in jenem Gefühle, welches im vorigen Jahrhundert so vielfach gepflegt, aber auch übertrieben wurde, der Freundschaft. Man wollte einander gegen die aus dem Wechsel des Geschickes entspringenden Unbilden schützen. Es ist also ein Verein zur Unterstützung seiner Mitglieder in allen Fällen der Noth. Die Gesellschaft wuchs bald heran und zählt gegenwärtig 535 Mitglieder. Ihr gehörte von 1820 an, also 65 Jahre, der sel. Zunz an und unter den gegenwärtigen Mitgliedern ist der Redakteur dies. Zeit, der drittälteste, nämlich seit 1839. Wie groß der Wandel in den menschlichen Dingen ist, erweist sich daraus, daß, obschon allzumeist nur begüterte Personen in die Gesellschaft eintreten und ausgenommen werden, doch z. B. im vorigen Jahre M. 18,900 au Unterstützungen gewährt wurden und die mit der Gesellschaft verbundene Unterstützungsanstalt für Wittwen und Waisen von Mitgliedern 1886 M. 13,978 vertheilte. Das Grundvermögen der Gesellschaft beträgt gegenwärtig M. 538,093 und das der Unterstützungsanstalt für Wittwen und Waisen M. 228,661. Außerdem besitzt die Gesellschaft noch einen Reservefoud von M. 29,724. — Am 14. d. wurde vor der Strafkammer ein Prozeß verhandelt, der in der jüdischen Gemeinde viel Aufsehen gemacht. Gegen 28 Geflügelhändler und einen Schächter war wegen Verkaufs von trefenem Geflügel für koscheres Anklage erhoben. Die Thatsachen konnten nicht ganz festgestellt werden und mehrere Zeugen sprachen sich dahin aus, daß die Käufer ihre Gleichgültigkeit betreffs der obigen Qualität ausgesprochen, aus Rücksicht auf Anverwandte aber verlangt hatten, etwas Siegellack auf das Geflügel zu drücken. Herr Rabbiner Di-. Ungerleider gab als Sachverständiger eine sehr angemessene Auseinandersetzung. Das Urtheil lautete auf Freisprechung sämmtlicher Angeklagten. Der Gemeindevorstand hat längst sehr angemessene Anordnungen hinsichtlich des Schächtens und der Controle getroffen. Bei dem großen Umfange des Geschäftes aber und wenn das betr. Publikum selbst keine Aufmerksamkeit übt, können Fälle wie die obigen nicht ausbleiben. Leipzig, im März. (Privatmitth.) Die hiesige Mendelssohn-Stiftung hielt am 27. Februar ihre Generalversammlung, und der Bericht über das verflossene Jahr erwies, daß der Verein seine Aufgabe mit Einsicht und Ausdauer löst. Er ließ einen Cyclus von sechs belehrenden Vorträgen durch Herrn Dr. Brasch über das Thema: „Moses Mendelssohn und seine Stellung zur deutschen Cultur und Philosophie des 18. Jahrhunderts" halten, welche einen großen Hörerkreis anzogen. Nach dem Kassenbericht beläuft sich die Mitgliederzahl der Leipziger Mendelssohn-Stiftung auf 162 mit einem Jahresbeitrag von 2052 M., während die Zinsen des „festen Fonds", dem in Freud und Leid zahlreiche Schenkungen zufließen, 1036.25 M. betrugen. Vertheilt wurden 1790 M. für 41 Semester-Stipendien (aus Section I) und 718.50 M. auf 124 Unterstützungen (aus Section II). Ferner sind die erfreulichen Schenkungen für den festen Fonds im Betrage von 76.96 M. einschließlich eines kleinen Legates aus dem Jahre 1861 in der Höhe von 34.96 M. hervorzuheben. Bei Gelegenheit des 25jährigen Jubiläums der Stiftung (am 1. Januar 1886) sind dem disponiblen Fonds 50 M. zngegangen. Der Bestand des festen Fonds belief sich bei Abschluß des Jahres 1886 auf 30,470 M. 90 Pf. Semester-Stipendien (Section I) erhielten 15 Mediciner, 6 Philologen, 4 Juristen, 2 Chemiker, 12 Musiker, 2 Maler (Acadeiniker); Unterstützungen (Section II) erhielten 124 allen Lebensstellungen Angehörige. Frankfurt a. M., 13. März. Die Achava hat ihren 22. Rechenschaftsbericht für das Jahr 1886 ausgegeben, und wir entnehmen dem Vorwort folgende Mittheilungen: Mit Ablauf des Jahres 1886 hat die Achawa das 22. Jahr ihres Bestehens zurückgelegt. Die Zunahme des Vereinsvermögens setzte uns in Stand, die einzelne Quote ans M. 132 zu erhöhen, so daß wir am Schluffe des Jahres an 53 Unterstützungsbedürftige mit 64'/2 Thcilen die Summe von M. 8514 verabreichen konnten. Dazu kommen aus dem Reservefoud M. 1675, die in dringenden außerordentlichen Fällen zur Linderung augenblicklicher Noch, bei schweren Erkrankungen oder als Beiträge zu Badekuren unter 24 hilfsbedürftige Mitglieder vertheilt wurden. Unter den 53 mit Jahresunterstützung Bedachten befinden sich zweiundzwanzig durch Krankheit oder Erblindung, Gebrechlichkeit oder Alter dienstunfähig gewordene Lehrer, theils mit, theils ohne Familie, von welchen die meisten nur auf die Hilfe der Achawa angewiesen sind, da ihnen weder seitens des Staates noch seitens ihrer Gemeinden eine Pension gewährt wird. Dazu gehören ferner zwanzig alleinstehende Wittwen von Lehrern und Rabbinern und neun Wittwen mit Kindern, überdies zwei hilflose verwaiste Geschwisterpaare. Im Ganzen gewährte demnach die Achawa im verflossenen Jahre die nicht unbeträchtliche Summe von M. 10189 als wirksame Unterstützungen. 12

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