Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1887)
- Date
- 1887-03-24
- Page
- Seite 184 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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184 Mor. und Bertha Manheimer. Auch ist vom Präses Herrn Herm. Landsberger dem leider allzufrüh verstorbenen Mitgliede Ludw. Löwe ein warmer Nachruf gehalten. Berlin, 13. März. (Privatmitth.) Das Auftreten der^ Herren Professoren Goldschmidt und Lazarus macht hier noch immer viel Geräusch, wir möchten glauben, mehr, als die Thatsachen verdienen. Prof. Goldschmidt hat eine Broschüre (Puttkammer und Mühlbrecht) „Zur Reichstagswahl am 21. Febr. und 2. März 1887" erscheinen lassen, in welcher er seine beiden ersten Artikel wieder abdrucken ließ und einen dritten „Nach dem Siege" hinzusügte. In diesem letzten, gut geschriebenen Aufsatz bekämpft er die deutschfreisinnige Partei aufs Heftigste, ohne jedoch etwas Neues vorzubringen. Einen bleibenden Werth hat die Schrift nicht. Dahingegen tritt Prof. G. mit großer Entschiedenheit gegen den Antisemitismus auf und brandmarkt ihn in all der Niedrigkeit, zu welcher er herabgesunken. Es kann ihm jetzt nicht entgangen sein, daß er über die Gesinnungen des Rechts, anwalts Wolff, der doch aus seiner antisemitischen Tendenz durchaus kein Hehl gemacht, getäuscht worden. Hiermit wird wohl diese Angelegenheit zu Ende sein. Anders verhält es sich hinsichtlich des Prof. Lazarus. Er hat sich zu deutlich ausgesprochen, selbst Antisemiten die Wahlstimme zu geben. Die „National-Zeitung" ist das einzige hiesige Blatt, welches Auszüge aus der Broschüre des Prof. L. gebracht hat, sie fügte aber ihrerseits kein Wort des Urtheils hinzu. Die „Boss. Z." widmete der Broschüre einen Leitartikel polemischer Natur. Daß Prof. L. nicht wieder zum Vorsteher des Jüdischen Hilfsvereins für Studirende gewählt worden ist, benutzt die „Kreuzzeitung" zu einem schmählichen Artikel gegen die Juden, und da andere Blätter, wie die „Volkszeitung" und der „Börsen-Courier" sich aufs Heftigste gegen Prof. L. aussprechen, so wird wohl noch viel Dinte über diesen Gegenstand fließen müssen. Zu bedauern ist es, daß auf diese Weise der Zwiespalt in die Gemeinde selbst hineingetragen wird; denn die zahlreichen Gegner werden jede Veranlassung wahrnehmen, um Prof. L. ihr Mißfallen zu erkennen zu geben. Hatte derselbe doch bei der letzten Repräsentantenwahl schon die geringste Stimmenzahl für sich. Berlin, 14. März. (Privatmitth.) Sie haben seit längerer Zeit immer wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß in unsrer Zeit neben den gottesdienstlichen Vorträgen auch solche nothwendig sind, welche außerhalb der Synagoge über Gegenstände der jüdischen Geschichte, Literatur und Religion, namentlich zur Winterszeit, gehalten werden. Sie bieten einen viel weiteren Kreis von Gegenständen als die Predigt zuläßt, wirken auf den Verstand und das Wissen und können zu bequemeren Zeiten stattfinden. Von hier aus kann ich daher bemerken, daß zum Besten des Stipendienfonds der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums während des Winterhalbjahres von verschiedenen Männern 'der Wissenschaft Montags-Vorträge gehalten werden, welle! sich vielfacher Beliebtheit erfreuen. Abgesehen von dem oll- ■ gemeinen Zwecke sind diese Vorträge auch ein nützliches Bildungsmittel für die jungen Männer selbst, welche sich zu einem geistlichen Amte vorbereiten. Die Mannigfaltigkeit der Themata, die Verschiedenheit der Behandlungsweise und die Berücksichtigung des Hörerkreises erweitern den Gesichtskreis der jungen Männer und ihr Verftändniß für die Bedürfnisse des Publikums. (Zu demselben Zwecke, nämlich zu Vorträgen aus dem Gebiete des Judenthums vor einem gemischten Publikum, haben sich bekanntlich besondere Vereine z. B. in Frankfurt a. M., Hamburg, Bochum gebildet und üben dieselben dauernd eine große Anziehungskraft aus. So hielt jüngst Herr Rabbiner Dr. Jaulus aus Aachen in Bochum einen Vortrag über die Geschichte, den Inhalt und Charakter des Talmuds, über welchen das „Westfälische Tageblatt" vom 26. Februar einen ausführlichen Bericht brachte. Wir sehen an dem Vereine zu Bochum, daß die Herstellung solcher Vorträge auch in kleineren Gemeinden möglich ist und nehmen die Gelegenheit wahr, zur Bildung solcher Vereine abermals aufzufordern. Es ist natürlich besonders die Sache der Rabbiner, hierfür zu wirken, und könnten diese sich abwechseln, um in den verschiedenen Gemeinden zu sprechen. Hierdurch kommt Mannigfaltigkeit in die Sache und gemeinsames Wirken bringt stets die besten Früchte hervor. Die Redaction.) Berlin, 16. März. Die Berliner „Volks-Zeitung" vom 10. d. 'enthält einen sehr beachtenswerthen Leitartikel „Die Juden und die Wahlen", der viel Klarheit über die gegenwärtige Lage der Juden im deutschen Reiche verbreitet und daraus das Verfahren der Prof. Goldschmidt und Lazarus beurtheilt. Wir heben nur als etwas Thatsächliches folgenden Satz hervor: „Zu unserer großen Genugthuung können wir feststellen, daß die bei Weitem größte Zahl unserer jüdischen Mitbürger dem Beispiele der Herren Professor Lazarus und Goldschmidt nicht gefolgt ist, sondern bei den eben beendeten Wahlen treu zu den bewährten Vorkämpfern der politischen Freiheit und religiösen Gleichberechtigung gestanden hat. Unsere jüdischen Mitbürger sind sich der durch die Geschichte beglaubigten Thatsache zu gut bewußt, daß Gewissensdruck und Unduldsamkeit, daß die Verfolgung Andersgläubiger in allen Ländern, und insbesondere in unserem deutschen Baterlande, zu allen Zeiten gleichen Schritt hielten mit den Unterdrückungsbestrebungen der herrschenden und regierenden Klassen; sie erinnern sich dankbar der erfolgreichen Bemühungen, die von liberaler Seite vom Beginn dieses Jahrhunderts an gemacht