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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-03-24 · Heft 12 (24.3.1887) · p. Seite 183

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 12 (24.3.1887)
Date
1887-03-24
Page
Seite 183 (sequence 7)
Language
German
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183 gebildete Größe glauben, selbst dort, wo er gute und vernünftige Neuerungen anstrebt, deren Verwirklichung muthwillig behindert, indem er klügere und tüchtigere, den gleichen Zielen zustrebende Männer mit den schlimmsten und verwerflichsten Waffen bekämpft." Jeder, der nicht ein blinder An-, Hänger Schönerer's ist und seine Beweggründe theilt, wird zugestehen, daß der Verfasser diese seine Aufgabe trefflich gelöst hat. Schon der Form nach ist die Schrift spannend und befriedigend. Der Vers, hebt aus den Reden und Artikeln Schönerer's die markantesten Stellen hervor und zeigt sie uns in ihrem ganzen Unverstände und in ihrer Wahrheitswidrigkeit. Er macht uns den ganzen Gang, den Sch. verfolgt hat, völlig klar, und daß die Triebfeder dieses Menschen nichts als der brennende Ehrgeiz ist, sich bemerklich zu machen und eine Rolle zu spielen, während ihm hierzu die Fähigkeiten fehlen. Solchen Leuten gelingt es im Verlaufe der Zeit nicht lange, sich oben zu halten, da sie, um noch etwas gelten zu können, zu nichts als Extremen und Sonderbarkeiten greifen müssen. Wir hoffen, daß diese Schrift dazu beitrage, Herrn Schönerer recht bald das Handwerk zu legen. — „Zur Philosophie der zehn Gebote. Theologisch-philosophischer Essay (nach einem Conferenzvortrage) vonOtto Ziemssen, Pfarrer. Gotha, Thienemann, 1887. Neben der einfachen Erklärung der h. Schrift ist fast zu allen Zeiten das Bestreben einhergegangen, den Texten auch einen tieferen, philosophischen Sinn beizulegen, und aus ihnen eine Theosophie verschiedener Gestalt und verschiedenen Werthes zu eruiren. Es geschah dies mit sehr verschiedenen Erfolgen; bald erstand daraus eine Schule, eine Sekte von kürzerem oder längerem Dasein, bald war das Product nur einem leuchtenden, schnell verschwindenden Meteore gleich. Der Verfasser der vorliegenden Schrift versucht den zehn Geboten eine solche theosophische Grundlage zu geben. Allerdings weiß er den praktischen Werth des Gesetzes wohl zu würdigen. Er sagt (S. 7): „Der ideale und absolute Werth der zehn Gebote liegt darin, daß dies Gesetz ein Gesetz der Menschheit geworden ist; daß es erfahrungsmäßig geleistet hat, was cs verhieß; daß es in einfachster Form Directiven für das moralische Leben gegeben hat, und daß sich dieselben jetzt nach mehr als drei Jahrtausenden noch völlig unveraltet in ihrer heilkräftigen Bedeutung für die moralische Wohlfahrt der Menschheit erweisen." Doch genüge dies eben nur zur praktischen Anwendung, das tiefere Verständniß könne nur aus dem Begriff von Gott hergeleitet werden. Zu diesem Ende stellt er seine Ansicht über das Wesen Gottes dar. Er unterscheidet in diesen den Geist, d. i. das Allbewußtsein, die Phantasie, d. i. die schöpferische Ideenwelt und die Vernunft, d. i. die Bestimmung von Zielen zur Weiterentwickelung in der natürlichen und sittlichen Weltordnung. Hinsichtlich dieser Dreiheit verwahrt sich der Berfaffer, sie mit der kirchlichen Trinität in Beziehung zu bringen. Wir unsererseits können in dieser Aufstellung nur eine Vermenschlichung des göttlichen Geistes erkennen, einen Gottesbegriff nach der Schablone des menschlichen Geistes. Für uns ist in Gott Gedanke, Wille und That nur Eines, und das göttliche Wesen wird uns durch eine solche Theilung der Kräfte und Thätigkeiten nicht klarer, sondern verworrener. Und doch theilt der Vers, diesen Unterscheidungen ein gewisses substantielles Dasein zu, denn sonst könnte er mit den gedachten drei Kräften Gottes nicht die einzelnen zehn Gebote in drei Gruppen in Beziehung setzen wollen, das erste bis dritte Gebot mit dem „ewigen Geiste", das vierte bis sechste mit der göltlichen Phantasie und die übrigen zur göttlichen Vernunft, zum weiteren Aufbau sittlicher Ordnungen. Wir meinen, daß hiermit doch nur in philosophischen, zum Theil sogar mystischen Wendungen in den zehn Geboten das gefunden wird, was man längst in ihnen erkannte. Die weiteren Ausführungen des Verfassers bringen manchen schönen Gedanken, und bedauern wir den Mangel an Raum, um darauf einzugehen, so wie hier unsere Auffassung der Zehn-Worte zu erörtern, wie wir sie in unserem Commentar zur Stelle dargestellt haben. — Deutschland. Berlin, d. 8. März. (Privatmitth.) Die von M. Halle gestiftete Krankenkasse selbständiger jüd. Handwerker und Künstler hielt heute ihre 41. Generalversammlung ab. Die Vorsteher Herm. Landsberger, M. Manheimer, L. Auerbach, D. Feilchenfeld, M. I. Bodenstein, Jos. Fränkel, M. Jacob, R. Segal, S. Nelson wurden wieder gewählt. Der Fond beträgt 27,571 M. Die Einnahmen und Ausgaben balanciren mit 9,833 M. Die Gesellschaft zählt 22 (lebende) und 22 (verstorbene) immerwährende Ehrenmitglieder, 3 ordentliche immerwährende Mitglieder, 1 Jubilar- Mitglied (M. Halle) 2 Amtsjubilare sowie 273 Ehren- und 265 ordentliche Mitglieder. Die Hülfsanstalt für Wittwen und Waisen hat 343 Mitglieder und 56,300 M. Fonds. Der Jubelfonds besitzt 10,250 M. Kapital, und 10,000 M. Special-Stiftungen von N. Oppenheim, M. I. Bodenstein, Herm. Landsberger, Jacob und Minna Israel,

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