Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1887)
- Date
- 1887-03-17
- Page
- Seite 171 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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171 than und überflüssig geworden sei, wird naturgemäß von den christlichen Theologen und nicht wenigen christlichen Historikern colportirt. Ich sage naturgemäß, denn diejenigen, welche wirklich gläubige Christen sind, müssen diese Ansicht hegen. Jndeß sind doch in der neueren Zeit auch Stimmen laut geworden, selbst von christlicher Seite, welche die Mission Israels mit dem Entstehen des Christenthums und besonders bei der kirchlichen Entwickelung, die es genommen, nicht für erfüllt und erledigt ansehen, wie z. B. Renan jene seine frühere Ansicht nachdrücklich widerrufen hat. Selbstverständlich mußten die Lehrer des Judenthums dagegen protestiren, wann und wo dies ihnen gestattet war- Dies that denn auch dem Herrn Calthrop gegenüber der Rabbiner des Emanuel-Tempels Gustav Gottheil zuerst in der l'nitariaii Review, dann in einer besonderen Ausgabe (New-Aork, R. Jenkins, 1887.); er that es mit ebenso vieler Energie und Klarheit wie Urbanität. Findet die Broschüre eine wünschenswerthe Verbreitung, so wird sie in manchem Kopfe anfräumen und einen Streit dem Ende näher bringen, welchen die geschichtlichen Thatsachen längst zu Gunsten der Juden entschieden haben. Was im Innern keine dauernde Lebenskraft, keine für die Menschheit nützlichen Elemente besitzt, kann nicht bald 19 Jahrhunderte und zwar unter den ungünstigsten Verhältnissen überdauern, kann nicht am Ende eines so langen Zeitraums das Wort mit größerer Kraft als je früher führen. Alle Predigten strenggläubiger Geistlicher müssen an dieser großen Thatsache scheitern. Australien. Melbourne, im Januar. Englischen Blättern entnimmt die Arch. isr. über jüdische Zustände in Australien Folgendes: Die Festtage im Tischri wurden von unseren Antipoden mit besonderer Innigkeit gefeiert. Die Synagogen von Melbourne waren von Besuchern überfüllt. Den israelitischen Einwohnern der Stadt hatten sich deren Glaubensgenossen aus den Umgebungen der Goldminen von Ballerat und Sandhurst vereint. Uebrigens entwickelt sich seit einiger Zeit auf dem jüdischen Gebiete eine lebhafte Thätigkeit. Ein jüdischer literarischer Circle ist gegründet worden, welcher Vorträge über Gegenstände, bie Religion und Geschichte unseres Stammes betreffend, organisirt. Der erste derselben handelte über „die Arbeitsverhältnisse bei den alten Israeliten". Der Referent Blaubaum hielt diesen interessanten Vortrag. Ein junger Mann aus Melbourne, Herr W. D. Benjamin, setzte den Einfluß des jüdischen Stammes auf die Civilisation auseinander. In Auckland in Neu-Seeland wird der jüdische Gottesdienst sehr eifrig von der Bevölkerung besucht, die aus den verschiedensten Nationalitäten besteht. In Melbourne wurde der Tod des Herrn Michel Kaschmore, eines der ältesten jüd. Colonisten Australiens beklagt. Präsident während langer Jahre der Gemeinde Melbourne, war er auch der erste Israelit, der städtische Aemter verwaltete. Auch war er Beisitzer des Gerichtshofes. Seine Bestattung gab Gelegenheit zu einer rührenden Manifestation und alle Notabilitäteu der Stadt nahmen daran Theil. Kaschmore bewohnte die Provinz Victoria seit 1838. Jüngst hatte die Caudidatur eines Israeliten für das Amt des Lord-Mayor viel Aussicht, zu gelingen. Bei einer ersten Abstimmung hatten viele Stimmen sich auf den Alderman Benjamin vereinigt, der einer der geachtctsten Israeliten Melbournes ist. Bonn, 13. März. (Notizen.) In diesen Tagen verstarb hier der Commissionsrath Flatau, der Ehrenbürger der Stadt Neutomischel war. Magistrat und Stadtverordneten- Versammlung des Posen'schen Städtchens widmen demselben einen Nachruf, in dem es heißt: „Wir betrauern in dem Dahingeschiedenen einen Mann, der sich nicht nur um die Hebung der hiesigen Hopfencultur sehr verdient gemacht, sondern auch, ohne Opfer an Zeit, Mühe und Geld zu scheuen, für das Bekanntwerden des Neutomisckeler Producles auf dem Weltmarkt gesorgt hat." — Der Großrabbiner von Korfu, Levy, verschied jüngst daselbst. Früher bekleidete er das Rabbinat von Piemont, gab eine Monatsschrift unter dem Titel Mose heraus und erwarb sich die allgemeinste Achtung. Seinem Leichenbegängnisse wohnten die Behörden und die Notabeln der christlichen Bevölkerung bei. — Wie man von Cincinnati berichtet, hat der katholische Bischof daselbst den jungen Leuten seiner Confession bei Strafe der Excommunication verboten, in den Synagogen der Stadt mitzusingen oder die Orgel zu spielen. Jüdische Sänger und Sängerinnen pflegen ähnliche Dienste in Kirchen zu vollziehen, obschon doch die confessionellen Lieder der christlichen Kirche dem jüdischen Bekenntniß viel mehr widersprechen als umgekehrt. — Aus Timbuktu berichtet man, daß in dieser Caravanen- und Handelsstadt der Sahara gegenwärtig gegen Nichtmohamedaner volle Duldsamkeit herrscht und daß sich in Folge dessen zwei jüdische Familien aus Marokko daselbst niedergelassen. — Aus dem Hochwald vom 3. März schreibt man: In dem Dörfchen Berglicht bei Thalfang sollte heute die goldene Hochzeit des hochbetagten Ehepaars Thal unter Theilnahme des ganzen Dorfes gefeiert werden. Die Vorbereitungen waren in umfassender Weise getroffen, ein Sohn des Jubelpaares war sogar aus Amerika zu dem Ehrentage seiner Eltern herbeigeeilt und der Geistliche, Rabbiner Dr. Blumcnstein aus Luxemburg, zur Einsegnung des Paares bereits anwesend, als die Feier durch ein ungeahntes Ereigniß plötzlich unmöglich gemacht wurde. Der Jubelgreis, ein noch u*