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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-03-17 · Heft 11 (17.3.1887) · p. Seite 168

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 11 (17.3.1887)
Date
1887-03-17
Page
Seite 168 (sequence 8)
Language
German
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168 Diese Befürchtungen der deutschen Juden, immer noch in ihren staatsbürgerlichen Rechten gekränkt werden zu können, worauf die Antisemiten ausgehen, muß denselben die Fortschrittler als ihre Freunde erscheinen lassen und naturgemäß sie zu Anhängern derselben machen u. s. w. In Folge dieses Briefes an den Fürsten Reichskanzler, empfing der Fürst in etwa zweistündiger Audienz den Professor, und erklärte ihm, daß er volles Vertrauen in die jüdischen Mitbürger setze, nicht daran denke, deren Rechte zu schmälern, doch falls er jetzt gegen die Antisemiten Vorgehen würde, man behaupten würde, der Fürst brauche Geld und suche nun die Juden auf u. s. w. „Eine Anregung der Regierung, den Antisemitismus zu unterdrücken, Durchlaucht, würde genügen, diesem Unwesen ein Ende zu bereiten", war der Vorschlag des Professors, den der Fürst mit Dank entgegennahm. Berlin, im März. Der Deutsch-Israel. Gemeindebund versendet folgendes Circular: „Der D. I. G. B. geht mit der Absicht um, eine Casse für Pensionirung und Unterstützung jüdischer Lehrerinnen und Erzieherinnen zu errichten. Um einen Ueberschlag über die Größe des Bedürfnisses, namentlich über Anzahl der Lehrerinnen und nothwendige Höhe des Capitals zu gewinnen, erlaubt sich das Bureau des D. I. G. B., Sie ergebenst zu bitten: Sie wollen uns gefl. Namen (und Adressen) Ihnen bekannter jüdischer Lehrerinnen und Erzieherinnen, sei es, daß solche an Ihrem Orte oder sonst wo wirken, zur Kenntniß bringen. Es kommt bei dieser Anfrage zunächst nicht darauf an, ob die Damen Privatim oder öffentlich wirke», und ob Sie zur Zeit thätig sind oder nicht, sondern nur darauf, daß sie die Lehrthätigkeit zu ihrem Berufe gemacht haben. Wollten Sie in Bezug auf diese Angelegenheit Wünsche und Vorschläge äußern, so würden wir dieselben dankbar annehmen. Das Bureau des D. I. G. B. Di-. S. Kristeller. Hugo Rheinhold. — In den Altersversorgungsanstalten der hiesigen jüdischen Gemeinde sind gegenwärtig 127 Hospitaliten untergebracht, so daß keine neuen Ausnahmen stattfinden können. Das Bedürfniß ist aber sehr groß, denn nicht weniger als 97 höchst bedürftige und würdige Gemeindeinitglieder sind in die Aufnahmcliste eingetragen. Es soll daher schon in diesem Frühjahr ein Erweiterungsbau an die neue Anstalt vor dem Schönhauser Thor in Angriff genommen und auf diese Weise 30 neue Plätze geschaffen werden. Die Mittel für den Bau sind vorhanden, allein es fehlt gänzlich an Geldern, um die neuen Stellen auch besetzen zu können. Es ist ein weit verbreiteter Jrrthum, wenn man annimmt, die betreffenden Stiftungen der hiesigen israelitischen Gemeinde wären sehr reich. Diese Altersversorgungsanstalten besitzen beispielshalber nicht V/2 Millionen Mk. Capital; während sie einen Gesammtausgabeetat von fast 80,000 Mk. aufweisen. Es sollen daher die erforderlichen Mittel im Wege einer freiwilligen Besteuerung der Gemeinde-Mitglieder aufgebracht werden. — Das Stiftungsfest, welches der Israelitische Frauen- Unterstützungs-Verein in den Räumen der Gesellschaft der Freunde, Neue Friedrichstr. 35., in Form eines Wohlthätigkeits-Conzertes feierte, fand unter Theilnahme von über 600 Personen statt. Musikdirector Robert Timm hatte die Leitung des Conzertes übernommen. Fräulein Olga Morgenstern erfreute die Zuhörer mit einigen Vorträgen und Fräul. Voges und andere Künstler sangen unter Beifall verschiedene Lieder. Die Festrede hielt der Vorsitzende, Albert Goldmann. Berlin, 8. März. (Privatmitth.) Die kleine Broschüre des Prof. vr. Lazarus „an die deutschen Juden" hat hier viel Aufsehen, aber wenig Freude gemacht. Zuerst stieß sie durch ihre Leidenschaftlichkeit ab, die eines Philosophen wenig würdig erscheint. Wo man ruhige und besonnene Erörterung erwartete, fand man nur heftige Angriffe und Auslassungen, die nur ein Zeugniß geben von der Unklarheit, die in dem Herrn Professor selbst besteht und die er durch jenes Losfahren verdecken möchte. Man kann eben ein Philosoph sein und doch ein schlechter Politiker. Dann aber entrüstete der Inhalt. Will man die Juden in einen politischen Prozeß hineindrängen? Die Juden bilden, das weiß Jeder, und Prof. Lazarus müßte es auch wissen, nicht im entferntesten eine homogene Masse in politischen Dingen. Wie sollte das auch möglich sein bei so verschiedenen Lebensverhältnissen und Bildungsstufen! Aber in Einem sind sie einig: keinem ausgesprochenen Antisemiten, keinem Stöcker und Genossen ihre Wahlstimme zu geben, oder gar für ihn zu agitiren! Einen Vertreter in das Parlament zu schicken, der die wesentlichsten Grundsätze der preußischen und der Reichsverfassung zu bekämpfen und womöglich zu beseitigen die Absicht verkündet, der, Haß im Herzen und Vorurtheil im Gehirn, Haß und Borurtheile zu verbreiten sich bemüht, das erkennt der Jude als eine Verletzung seiner patriotischen Pflicht, und ebenso aus Patriotismus wie um seiner selbst willen wird er einen solchen Candidaten ablehnen müssen. Alle Paradoxien gelehrter Herren werden ihn vom Gegentheil nicht überzeugen. Er weiß, daß er dem Vaterlande und der Staatsregierung einen schlechten Dienst leistet, wenn er einen solchen Mann in die Volksvertretung seinerseits befördert. Glücklicherweise sind ja diese ausgesprochenen Antisemiten nur von geringer Zahl, und kommen so die Juden — außer in Berlin — wenig durch sie in Verlegenheit. So wird die Schrift des Prof. Lazarus bald vergessen sein, wenn auch — nicht ihm! Einen Beweis hierfür giebt folgender Bericht in den hiesigen Blättern: „Am

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