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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-03-17 · Heft 11 (17.3.1887) · p. Seite 167

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 11 (17.3.1887)
Date
1887-03-17
Page
Seite 167 (sequence 7)
Language
German
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167 proteges fran^ais aux echelles du Levant et en Barbarie sous les rkgnes de Louis XIV. et Louis XV. d’apr&s des documents inedits tires des Archives de la Chambre de commerce de Marseille. Par Jonas Weyl. Paris, Burlacher 1886. Diese aus der Revue des Etudes juives jetzt separat abgedruckte Abhandlung stellt eine interessante Episode betreffs des Schutzes dar, welchen die Regierung Ludwig XIV. und XV. den Juden in den Stapelplätzen der Levante und der Berberei gewährte. Selbstverständlich ging dieser Schutz nicht aus Humanitätsrücksichten hervor, sondern diente einentheils zu einer Einnahmequelle und hielt andrentheils diese Juden ab, sich den Schutz eines anderen Staates, Englands, Hollands oder Venedigs zu erwerben und damit ihre bedeutenden Handelsverbindungen nach diesen Ländern zu verlegen. Der Vers, hat seine Thatsachen aus den Quellen gezogen und geschickt zu ordnen verstanden. — Wir haben vor Kurzem einer Streitschrift des Br. Berliner gegen den Prof. Paul de Lagarde zu erwähnen gehabt, in welcher die unbegründeten und anmaßlichen Angriffe des Letzteren zurückgewiesen wurden. Jetzt liegt uns eine zweite recht geharnischte Gegenschrift gegen diesen Gelehrten vor: „Paul de Lagarde's jüdische Gelehrsamkeit. Eine Erwiderung von Prof. Br. David Kaufmann. Leipzig, O. Schulze 1887." Ein gewisser Tychen hatte eine Schrift über zwei Göttinger Machsorhandschriften herausgegeben, in welcher er sehr viele Jrrthümer beging, zugleich aber eine höchst anmaßliche Sprache gegen den sel. Zunz führte. Br. David Kaufmann sah sich deshalb veranlaßt, eine scharfe Kritik dieser Schrift zu veröffentlichen, in welcher er dessen mangelhafte Kenntnisse nach- und dessen Angriffe auf Zunz zurückwies. Dies nahm der j Meister des Herrn Tychen, Prof, de Lagarde, recht übel und | tiefe eine Schrift erscheinen: „Erinnerungen an Friedrich!Rückert, Lipman (!) Zunz und seine Verehrer." Hier erhebt der Herr Professor Anschuldigungen gegen Zunz ganz unerhörter Art, giebt aber zugleich zu erkennen, daß neben Hochmuth und Anmaßung ein echter antisemitischer Haß ihm die Feder geführt hat. Hiergegen nun richtet Kaufmann seine Polemik. Der alte Spruch „Hochmuth kommt vor dem Fall" hat sich auch hier bewährt. Denn der Göttinger Professor- Hat mehrfaches Zeugniß für seine Unwissenheit im Fache der neuhebräischen Sprache, für seine Unkenntniß auf dem Felde der jüdischen Poesie des Mittelalters gegeben. Es wird ihm nicht gelingen, diese Schläge, mit so vieler Kraft ausgeführt, von sich abzuwenden. Möchte doch dieses Beispiel die christlichen Gelehrten von ihrer Gepflogenheit, jüdische Gelehrte und deren Arbeiten über die Achsel anzusehen und zu glauben, sie kurzweg verurtheilen zu dürfen, zurückbringen. Jene reden sich ein, daß sie die einzige richtige wissenschaftliche Methode besäßen, während doch schon seit dem zweiten Jahrzehend dieses Jahrhunderts Männer wie Jost, Zunz, Eduard Gans, Ludwig Markus u. A. diese Methode aus denselben Quellen geschöpft, wie ihre christlichen Zeitgenossen und deren Nachfolger. Sie saßen zu denselben Füßen der großen Meister in Philologie und Geschichte wie diese. Aber die Methode allein hilft auch nichts, wenn nicht das Wissen damit verbunden ist, und hiermit nehmen es, was „die jüdische Gelehrsamkeit" betrifft, die christlichen Gelehrten oft weniger genau, als die jüdischen. Mögen doch endlich auf dem Gebiete der Wissenschaft diese eonfessionellen Antipathien verschwinden! — Deutschland. Berlin, 6. März. W. (Fürst Bismarck und der Professor Br. Levin Goldschmidt.) Bekanntlich wurde vor den letzten Wahlen zum Reichstag der Professor Goldschmidt ebenso wie der Professor Lazarus ob ihrer Unterschriften unter dem Flugblatt der reichstreuen Parteien von verschiedenen öffentlichen Organen n. s. w. angegriffen. Die fort und fort wiederholten Angriffe aber, die seitens der Antisemiten wider die jüdische Bevölkerung Deutschlands in empörend wahrheitswidriger Weise vorgebracht wurden, veranlaßten auch vor den Wahlen den Prof. Br. Goldschmidt, sich brieflich an den Fürsten Reichskanzler zu wenden und! die Juden gegen Angriffe in Schutz zu nehmen, die in Unkenntniß aller Dinge über dieselben verbreitet werden, besonders betonte der Herr Professor darin die Frage: „Wieso die Juden der Fortschrittspartei in die Arme getrieben werden u. s. w."; — und beantwortete dieselbe etwa dahin, daß der Antisemitismus unaufhörlich und ungenirt in schroffster Weise gegen die jüdischen Mitbürger und deren Rechte seit Jahr und Tag vorgeht, Unfrieden in die Bevölkerung säet, und doch seitens der Negierung nichts geschieht, diesem Unwesen ein Ende zu machen; wogegen die Fortschrittspartei die Juden in Schutz nehme und sich verpflichtet, ihnen ihre bürgerlichen und staatlichen Rechte nie zu schmälern, während der Antisemitismus an diesen Rechten mit Macht rütteln will, und der Antisemitismus in den Reihen der Conservativeu Aufnahme gefunden hat. Trotz der Emaneipation der Inden j in Deutschland, seien diese aber immer in Wahrheit nicht so emancipirt, wie dies ihre Glaubensgenossen in England und Frankreich sind, wo es Niemandem einfallen würde, einen Juden seines Glaubens wegen anzugreifen oder zurückzusetzen.

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