Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1887)
- Date
- 1887-03-10
- Page
- Seite 157 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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157 Herr Dr. Ad. Jellinek, der für die kritische Bearbeitung des Midrasch Bahn gebrochen hat. eröffnete den ersten Theil seines Bet-Ha-Midrasch mit dem „Midrasch Abba Gorion" nach einer defecten Handschrift der Hamburger Stadtbibliothek und einem anderen Midrasch zum Estherbuche. Den Midrasch Abba Gorion, der schon Raschi Vorgelegen und aus dem der Sammler des Jalkut viele Auszüge mitgetheilt hat, veröffentlicht nun Herr Buber zum ersten Male vollständig nach einer Handschrift der Casanata in Rom, welche er mit fünf anderen Handschriften in Oxford, London, Cambridge und Parma verglichen hat, die beiden anderen Midraschim, von denen der eine bisher ganz unbekannt war, erscheinen hier als '3 'n onnN D'JD trno zugleich mit dem Midrasch zu Esther von dem Verfasser des „Lekach tob". Wie bei seinen früheren Editionen hat es Herr Buber auch bei dieser Schrift an Fleiß und Sorgfalt nicht fehlen lassen; die hinzugesügten Noten sind reich an Quellenangaben und Erklärungen. Wichtiger als diese Midraschim ist das zweite rubricirte Werk „Schibole Ha-Leket", ein halachisches Sammelwerk, das von Zidkia ben Abraham aus der Familie Anawim oder der Mansi in Rom, einem Verwandten des R. Nathan, des Verfassers des Arnch, vor sechshundert Jahren verfaßt wurde. Wohl war ein Theil dieses Werkes bereits gedruckt, Venedig 1546, Dubno 1794, Salonichi 1796 und ein anderer Theil in dem Buche Tonia oder Minhag Abot enthalten. Doch das ganze ursprüngliche Werk nach einer Handschrift im Besitze des Rabbiners Aschkenasi in Cremona vollständig zu veröffentlichen, war dem Herrn Buber Vorbehalten. Das Schibole ha-Leket enthält halachische Vorschriften über das Gebet, die Fest- und Fasttage, unter anderem auch eine ausführliche Erklärung der Pessach-Hagada. Befremdend ist, daß den halachischen Bestimmungen über Trauer, Beschneidung, Schachten und Terephot am Schluffe gleichsam als Anhang hinzugefügt sind und scheinen die letztgenannten Halachoth Bruchstücke eines größeren Werkes desselben Verfassers zu sein. Ueber den Verfasser, dessen Lehren und Zeitgenossen sowie über die von ihm citirten Gelehrten und Schriften handelt der gelehrte Herausgeber in der Einleitung des Werkes, das eine Lücke in der halachischen Literatur ausfüllt und gewiß von allen freundlich begrüßt werden wird. Von D. Castells „Lehrbuch der jüdischen Geschichte und Literatur" ist unter dem Titel imDD nnhm incs^ oy nnip von dem als Hebraisten bekannten David Radner eine gute hebräische Uebersetzung erschienen (Wilna, Romm, 1886). Von der ungarischen Uebersetzung des Pentateuch, an der Herr Heinrich Deutsch, der verdienstvolle Director der hiesigen israel. Landes-Lehrer-Präparandie seit vielen Jahren arbeitet, hat das erste Buch Moses jüngst die Presse verlassen. (Budapest 1887). Die Uebersetzung sowie die derselben hinzugefügten grammatikalischen und sacherklärenden Noten werden von der Kritik sehr gelobt. Dr. Kayserling. — Nach fünfjähriger Pause hatteu wir wieder die Freude, unfern hochbegabten Landsmann Alexander Strakosch in unserer Mitte zu sehen. — Entzückte und befriedigte uns schon vor Jahren seine Meisterschaft im Vortrag, so fanden wir ihn jetzt auf der höchsten Stufe seines Könnens und Leistens angelangt. Strakosch führte uns Scenen aus den Räubern, aus Demetrius, Gedichte von Heine und auch von vaterländischen Dichtern vor, um mit jedem Einzelnen besonders zu ergreifen und zur Bewunderung hinzureißen. Alexander Strakosch, der als Meister des Vortrags mit seinen bedeutenden Talenten zu einem der größten tragischen Schauspieler prädestinirt war, mußte sich damit begnügen, an der Seite Laube's, des langjährigen Leiters des Leipziger und Wiener Stadttheaters, eine Reihe von tüchtigen Schauspielern und Schauspielerinnen heranzubilden. Laube selbst rühmte in seinen Büchern: „Die Hälfte meiner Erfolge im Wiener Stadttheater habe ich dem Talente und Fleiße des Vortragsmeisters Alex. Strakosch zu verdanken." — In Leipzig und Wien war Prof. Strakosch Lehrer an Academien für Schauspielkunst und erst im Jahre 1879 begann er an der Seite seiner liebenswürdigen Gattin seine Wanderung durch Europa. Er hat mit dem größten Beifall in allen Hauptstädten Dramen und Balladen vorgetragen. Er besitzt ein Organ von seltener Klangfülle, Kraft und Modulationsfähigkeit, er versteht es, die stürmischsten Leidenschaften wie die zartesten Gemüthstimmungen uns wahrheitsgetreu vorzuführen. Im Drama versteht er es, uns die verschiedensten Persönlichkeiten durch raschen und glücklichen Stimmwechsel so lebenswahr vorzuführen, daß wir es fast für unmöglich halten, daß alle diese Töne einem Organ entspringen. Prof. Strakosch ist in seinem ganzen Wesen und Thun Idealist, als Mensch und Künstler liebenswürdig, edel und gegen seine Freunde treugesinnt, sind wir stolz darauf, ihn als unseren Landsmann und Glaubensgenossen begrüßen zu können. — B. Aeuilleton. vermischtes. Ein Kriminalfall vor hundert Jahren. Unter diesem Titel führt Herr Prof. Marczali im „P. Lloyd" einen Fall vor, der auch für uns Interesse hat. Das erstinstanzliche Gericht der damals vereinigten Komi täte Gran und Komorn, welches in Totis seinen Sitz hatte, erhob gegen die Bäuerin Katharine Vincze die Anklage, dieselbe habe ihre vier Stiefkinder am 8. Juli 1788 ermordet,