Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1887)
- Date
- 1887-03-10
- Page
- Seite 158 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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158 Eine Nachbarin, Julianna Takacs, trat am Morgen nach der verübten That in die von der Familie Vincze bewohnte Stube. Sie findet die Hausfrau auf der Erde, auf einem der tobten Kinder „mit dem Rücken, jedoch mit freyen Händen darniedergeleget". Ihre Haare waren abgefchnitten, um den Hals war ein Strick, jedoch ganz locker gewunden, das andere Ende war an die Bettstatt angebunden. Gesicht, Brust und Hände waren mit Blut besudelt. Katharine Vincze bezeichnete die Juden als Thäter, die nach verübter Abschlachtung der Kinder auch sie halbtodt geschlagen hätten. Die Untersuchung machte diese Aussage sogleich hinfällig. Nach dem visum repertum des Phhsikus war „nicht das geringste Zeichen einer Verwundung oder ein anderes Merkmal der Mißhandlung an ihr zu finden". Sie selbst leugnete längere Zeit hindurch die That, erwähnte jedoch die Juden als Thäter nicht mehr. Erst am 17. Juli legte sie ein umfassendes Geständiß ab, worin sie Rache als das Motiv des Mordes, verübt an vier unmündigen Kindern, bezeichnet. Neber die Einzelheiten des psychologischen Vorganges in dieser Menschenseele, der zu so schrecklichen Resultaten führte, ist in den Akten nichts zu finden. Kurz vor Schluß des Verfahrens, als man das Zeugenverhör mit den Aussagen der Angeklagten verglich, um sie von der Zusammenhanglosigkeit und der Untreue ihrer Bekenntnisse zu überzeugen, fragte man sie auch, ob nicht ihre frühere Aussage, betreffend die Juden, falsch wäre? Sie erklärte nun, die Juden hätten ihr die vier Kinder abgekauft und sie in ihrer Gegenwart ermordet, „welcher Vorgang aber keineswegs erprobet wurde". Katharine Vincze ward „zu langwierigem, im zweiten Grade mit Anschmiedung auf 100 Jahre bemessenen schwerstem Gefängniß" verurtheilt, mit dem Beisatze, „daß sie auf die Schandbühne durch drei auf einander folgende Tage, jedesmal durch zwei Stunden, sodann durch den Scharfrichter mit fünfzig Ruthenstreichen gezüchtiget und alljährlich an dem Tage der verübten Mordthat eine Stunde lang auf die Schandbühne ausgesetzet werden soll." Die königliche Distriktual-Tafel in Güns als erste Appellationsinstanz für den Kreis jenseits der Donau bestätigte dieses Urtheil aus den von dem Gerichtshöfe angegebenen Gründen. Ebenso der königliche Commiffär, Graf Györy, der in Allem den Vorsatz der Mörderin als erwiesen betrachtet, und die königliche Hofkanzlei, die dem Kaiser darüber referiren mußte. Der Res., Hofrath Anton v. Nadrovics, machte als besonders erschwerendes Moment geltend, daß die „Delinquentin sich verschiedener vorsätzlich ausgesonnener listiger Vorwände bedient, sodann die That zwar umständlich einbekennet, hernach jedoch solche auf die Juden gewälzet und ihre Rettung in dem Unglück unschuldiger Nebenmenschen gesucht hat." (Akten der königlich-ungarischen Hofkanzlei 1789. Nr. 15548.) Anzeigen. Tfl CD'PO f a werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- JLIA&vJX df üC folgende Wochennummer bis spätestens Sonnabend eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncenexpedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Die Stelle eines Schächters, verbunden > mit der eines Synagogendieners ist bei uns! vacant und sofort zu besetzen. Geeignete Be-, Werber wollen sich unter Einreichung von Zeugnissen baldigst melden. Das fixe Gehalt ist auf 1500 Mark normirt und werden Reisekosten nur dem Gewählten erstattet. [23.1041 Thorn, den 24. Februar 1887. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. Für mein Bank-, Getreide-, Woll- und Produkten-Geschäft suche ich zu Ostern einen mit guten Schulkenntnissen ausgerüsteten jungen Mann als LehrÜNg. Jloldberg i. Meckl, B. Bernhard. «Ieine Wenston G finden Damen, die sich weiter aus- G bilden wollen sam liebsten Musik) in G der Familie eines Arztes Berlin 6. G Adressen sub A. K. 1 postlagernd G Postamt 22, Berlin. sB.H47. Jacobson-Schule, Seesen a. Harz. Das neue Schuljahr an unserer mit einem Alumnat verbundenen, zur Ausstellung von Zeugnissen für den einjährigen freiwilligen Dienst berechtigten Realschule beginnt am 19. April. Auskunft über Aufnahme von Pensionären ertheilt der Unterzeichnete Direktor der Anstalt Dl'. E. PhilippSOIl. Der Stellen - Nachweis - Verein jüdischer Kaufleute rDtr Gentral-Gönnte Dreslau weist seinen Mitgliedern Stellungen in an Sabbathen und Festtagen geschlossenen Geschäften kostenfrei nach. Wir bitten die geehrten Herren Chefs — auch Nichtmitglieder — uns ihre Bacanzen freundlichst anzumelden, und richten gleichzeitig an Alle, denen die Heilighaltung des Sabbaths Herzenssache ist, die dringende Bitte, sich für Verbreitung unseres Vereins zu interessiren. Gegenwärtig sind bei uns folgende Vaeanzen zur Besetzung angemeldet. Für Manufactur 7 Commis, 4 Lehrlinge. Für Eisen, Destillation, Weinhandlung, Holzgeschäft und Kurzw. je 1 Commis. Für Colonial, Posamenten, Buchdruck je 1 Lehriing. Für Leder, Metalle, Galanterie je 2—3 Commis und je 1—2 Lehrlinge. Offertrn nimmt entgegen, der Schriftführer, Herr Martin Fraenkel, Breslau, Schwertstraße 5 a. [B.224