Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1887)
- Date
- 1887-03-10
- Page
- Seite 151 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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151 Recht, die Ansicht, daß die hebräische Sprache während des! geht seine Meinung dahin, daß „wir ziemlich bestimmt sagen babylonischen Exils aus dem lebendigen Gebrauche gänzlich! können, daß das Hebräische bei den Juden in der Zeit der verschwunden sei und alle Juden schon damals das Ara-^ Makkabäer ausgestorben war." (Schluß folgt.) maische als wirkliche Sprache angenommen hätten. Vielmehr > Deutschland. Berlin, 27. Febr. Die Berliner „Volksztg." berichtet: „In Folge der antisemitischen Strömung in einer Anzahl von Freimaurer-Logen hat sich hier eine jüdische Loge Bene Berith (Söhne des Bundes) gebildet, welche ihren Tempel in dem Hinterhause Brüderstraße 2 besitzt und nach dem vollständigen maurerischen Ceremonial und Ritual arbeitet. Der deutsche Groß-Logenbund hat nun beschlossen, daß Mitglieder seiner Logen dieser Loge nicht beitreten dürfen. Begründet wird dieser Beschluß damit, daß es Freimaurern verboten ist, sich einem Geheimbunde anzuschließen. Die jüdische Loge besitzt bereits drei Special-Logen: Berthold Auerbach, Montefiore und deutsche Reichsloge. Dieselben genießen übrigens nicht die Vorzüge der anerkannten Logen, sondern fallen unter das Vereinsgesetz, können also bei ihren Arbeiten polizeilich überwacht werden." (Diese Bene Berith-Logen stammen bekanntlich aus Nordamerika, wo sie seit sehr langer Zeit bestehen, also aus keiner „antisemitischen Strömung" entstanden sind. Sie sind nichts Andres als die uralten jüdischen Chebroth zu wohlthätigen Zwecken, die sich aus Nachahmungssucht freimaurerische Allüren und Schnörkeleien umgehängt haben. Daß die Freimaurerlogen sie für einen „Geheimbund" erklären, ist sonderbar, da sie selbst nur ein Geheimbund sind.) Berlin, 1. März. (Privatmitth.) Es möchte wohl immerhin unsere Aufgabe sein, auf die gegenwärtigen Wahlen zum deutschen Reichstage noch einmal zurückzukommen, um die gegenwärtige Situation in ihrer Eigenthümlichkeit zu bezeichnen. Die letzten Jahre verursachte der scharfe Antisemitismus, der sich auch außerhalb der staatlichen Verhältnisse vielfach bekundete, daß sich die jüdischen Wähler gegen die Partei, welche jenen förderte, wandten und zu Gunsten derer stimmten, welche den Antisemitismus verwarfen. Die Lage der Dinge hat sich aber für die letzten Wahlen sehr geändert. Die conservative und die nationalliberale Partei verbanden sich zu gegenseitigen Concessionen, und so kam es, daß auch die Nationalliberalen für gewisse antisemitische Candidaten, wie Stöcker, Liebermann von Sonnenberg, Böckel und in Berlin für den Rechtsanwalt Waldemar Wolf stimmten. Hier geschah es nun, daß von mehreren Seiten die jüdischen Wähler aufgefordert wurden, aus Patriotismus auch für antisemitische Candidaten zu stimmen. Schon vor längerer Zeit erklangen solche Aufforderungen in süddeutschen Blättern, z. B. in der „Neckar-Zeitung". Kurz vor den Wahlen erschienen nun ähnliche Aeußerungen, auch seitens der Juden. Der Professor Geheime Justizrath Dr. Goldschinid 1 in Berlin veröffentlichte ein Schreiben, in welchem er die Fortschritts- und die Centrumspartei heftig angriff und deren Tendenz aufs Entschiedenste verurtheilte. Am Schlüsse fordert er auf, auch für die verkappten oder wirklichen Antisemiten zu stimmen; „wer das nicht über sich vermag, der kennt noch nicht dasA B C staatsbürgerlicher Pflicht", ein harter, echt professorlicher Ton, der nichts als die eigene Meinung gelten läßt. Nicht minder Unterzeichnete Prof. Lazarus den Wahlaufruf für den entschiedenen Anhänger Stöckers, den Rechtsanwalt Waldemar Wolf. Wie weit diese Vorgänge außer den Finanzmännern auf die jüdischen Wähler namentlich in Berlin einen Einfluß geübt haben, kann nicht constatirt werden, da die geheime Abstimmung irgend welche Controle unmöglich macht. Auf beiden Seiten werden sich wohl jüdische Wähler gefunden oder sich der Abstimmung enthalten haben. Noch weiter müssen wir erwähnen, daß gewisse Zeitungen, welche noch vor Kurzem den Antisemitismus emsig betrieben, wie die „Schles. Zeit.", jetzt in ein ganz anderes Horn bliesen und behaupteten, die antisemitische Bewegung sei gänzlich vorüber, nachdem durch die Ausweisungen das Eindringen fremder Juden verhindert, jeder Versuch aber, die Juden aus Handel und Wandel zu verdrängen, aufgegeben sei. Deshalb müsse sich der jüdische Wähler von der Fortschrittspartei trennen und sich den anderen Parteien zuwenden. Das einzige größere Blatt, welches gegen die Inden consequent bleibt, ist die „Kreuzzeitung." Sie sagt: „Es ist im hohen Grade interessant, zu beobachten, wie auf der ganzen Linie der nationalliberalen und freiconservativen Presse um die Gunst des Judenthums gebuhlt wird." Sie verhöhnt deshalb diese letzteren und bezeugt, daß die äußerste Rechte voll ihrem antisemitischen Kampfe nicht lassen werde. Ja, sie veröffentlicht ihr Programm, und dies enthält: „Abwehr und Beschränkung des Judenthums"! — Es ist natürlich hier nicht der Ort, uns in politische Betrachtungen zu versenken; wir haben dem Gewissen jedes Juden sein politisches Handeln zu überlassen. Am wenigsten haben wir deshalb die Erörterungen des Prof. Goldschmidt oder die Motive des Lrof.