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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-03-10 · Heft 10 (10.3.1887) · p. Seite 150

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 10 (10.3.1887)
Date
1887-03-10
Page
Seite 150 (sequence 6)
Language
German
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150 die allein den Preisrichtern als Unterlage dienen soll, selbst mit zu überreichen. Durch Verleihung des Preises erwirbt die Wiener israelitische Cultusgemeinde das Verlags- und Uebersetzungsrecht auf die Dauer von 10 Jahren. Die anderen Concurrenzarbeiten werden Denjenigen zurückgestellt, welche nachweisbar zu ihrer Rücknahme berechtigt erscheinen. Die Zuerkennung der Preise erfolgt für das Religionsbuch längstens bis 1. Juli 1888 und für das Geschichtsbuch bis längstens 1. Juni 1889 auf Grund des Ausspruches einer aus anerkannten Fachmännern diesbezüglich bestehenden internationalen Jury. Wien, 1. März 1887. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Wien. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 2. März. Wir haben heute eine kleine (64 S.) aber gediegene Schrift zu besprechen: Die semitischen Sprachen. Eine Skizze von Th. Nöldeke. Leipzig, Weigel 1887. Im Jahre 1855 veröffentlichte Ernst Renan seine „Histoire generale des Langues semitiques,“ welche ihrer Zeit eine bedeutende Wirkung, besonders auch auf die Ansichten in j Deutschland ausübte und manche Einseitigkeit, manchen Irr-! thum bis in die Kreise des größeren Publikums verbreitete.! Durch die Forschungen und die reichen Entdeckungen seit! jener Zeit ist das Werk Renans antiquirt. Das ist auch! das Urtheil des Verfassers der vorliegenden Schrift. Diese! zeichnet ihren großen Gegenstand nur in Umrissen, aber j mit fester und nachdrucksvoller Hand. Um unsre Ansicht kurz anzugcben, so scheint uns Nöldecke hier den Rückzug der Wissenschaft auf dem Gebiete der semitischen Sprachen, aus dem Bereiche der Hypothesen und einseitigen Reflexionen, auf deu objectiven Standpunkt der Thatsachen zu bezeichnen. Gehen wir zu dieseni Zwecke die reichhaltige Schrift durch. Nachdem der Vers, die enge Verwandtschaft der semitischen Sprachen hervorgehoben, und daß dieselben „Abkömmlinge einer längst ausgestorbenen semitischen Ursprache sind," so j kann doch ebenso wenig ein treues Bild dieser Ursprache hergestellt werden, wie das von der indoeuropäischen. Das! Hebräische, Aramäische und Arabische zeigen Urzüge der! alten Sprache, ohne daß in einer jener das Alterthümliche! durchaus vorwiege. Gegenüber Lassen und Renan zeigt derj Vers., daß eine Charakteristik der Semiten aufzustellen einj Wagnis sei. Denn „da liegt die Gefahr nahe, die wichtig-! sten Charakterzüge einzelner semitischer Völker, die uns am besten bekannt sind, namentlich der Israeliten und Araber,! als allgemein semitisch anzusehen, oder auch bedeutsame Züge dem Blute der Völker zuzuschreiben, die nur in ihren Lebensverhältnissen begründet sind und sich bei stammfremden Völkern ähnlicher Lebensweise wiederfinden." Man erinnere sich, wie weit Renan und seine Nachtreter sich in der Abgrenzung psychischer und intellektueller Eigenschaften zwischen Semiten und Ariern, namentlich auf religiösem Gebiete verirrten, was wir mit den Waffen der Geschichte stets bekämpften und das nunmehr auch allgemein verworfen wird. Dagegen sind von lexikalischem und grammatikalischem Gesichtspunkte die semitischen und die arischen Sprachen unschwer zu unterscheiden. Es lag nun nahe, beide Sprachfamilien aus einer und derselben Wurzel entsprungen, also als „nur zwei verschiedene Abkömmlinge derselben Urmutter" anzusehen. „Aber die Versuche, dieses nachzuweisen, sind alle völlig gescheitert. Die Trennung ist auf alle Fälle so uralt, daß die Veränderungen, welche in vorgeschichtlichen Zeiten mit den Sprachen vorgegangen sind, die gemeinschaftlichen Züge ganz verwischt haben." Der Vers, prüft die gangbaren Ansichten über den Ursprung der Semiten, welche jetzt gern sämmtlich aus Arabien hergeleitet werden,, und kommt zum Schluffe: „Einstweilen läßt sich über die Ursitze der Semiten resp. ihrer Sprache noch nichts einigermaßen Sicheres aussagen." Wir können nicht umhin, hier aus einer Anmerkung des Vers, die Worte anzuführen: „Es ist dies einer von den vielen Fällen, in denen die Methode der neueren Wissenschaft dahin führt, ihr Nichtwissen einzugestehen, wo nian einst feste Ansichten glaubte haben zu können. Das ist recht beherzigenswerth. Welche von den einzelnen semitischen Sprachen speciell unter einander näher verwandt sind, ist schwer festzustellen. Der Vers, führt einige schlagende Beispiele für die Leichtigkeit der Irrung in dieser Frage an. „Darüber kann allerdings kein Zweifel bestehen, daß das Arabische (mit dem Sabäischen) und das Aethiopische unter einander näher verwandt sind und sich den übrigen semitischen Sprachen als eine geschlossene Gruppe gegenüberstellen." Die semitischen Sprachen theilen sich in eine nördliche und in eine südliche Gruppe. Die nördliche besteht aus dem Hebräisch-Phönizischen, dem Aramäischen und Assyrischen. Hebräisch und Phönizisch sind bloß Dialecte einer Sprache. Die große Inschrift des Königs Mesa (bald »ach 900 vor d. gew. Ztr.) erweist, daß die Moabiter hebräisch sprachen. „Wir sind leider weit entfernt, den wahren lautlichen Zustand der hebräischen Sprache in den Tagen David's und Jesaia's zu kennen. Denn, so dankenswerth die Thätigkeit der späteren jüdischen Schulen ist, welche durch Hinzufügung von Vocal- und anderen Zeichen die Aussprache der heiligen Texte aufs Peinlichste festgestellt haben, so konnten sie im besten Falle doch nur die Aussprache der letzten Periode der hebräischen Sprache darstellen, nicht die sehr alter Zeiten." Der Vers, verwirft und gewiß mit

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