Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1887)
- Date
- 1887-03-03
- Page
- Seite 141 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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141 Commentar des Maimonides, arabisch in Quadratschrift, mit hiernach berichtigter hebräischer Uebersetzung von Dr. I. Derenbvurg, 10 Bogen. 4) Der Tarschisch von Moses ibn Esra, I. Theil 6 Bogen, zum erstenmale veröffentlicht von Baron Di-. David von Günzburg. 5) Sammelband, enthaltend die hebräischen Materialien zur Alexandersage, aus handschriftlichen Quellen herausgegeben von Rabbiner I. Levi, ca. 9 Bogen, ferner ppo p ti nach der einzigen Handschrift in Turin, bearbeitet von Prof. Dr. Kaufmann in Budapest und von Anderen. Dr. Berliner. Jeuilleton. Lchinderharnies. Ueber den berüchtigten Räuberhauptmann Schinderhannes wurden neuerdings verschiedene charakteristische Documente veröffentlicht. Bon Interesse ist namentlich die Auffindung zweier Brandbriefe, deren einer von Schinderhannes selbst, der andere von einem seiner Genossen herrührt. Besonders kennzeichnend sind dieselben, weil der berüchtigte Räuber stets eine besondere Vorliebe dafür hatte, die Juden zu brandschatze», welche in kleinen Ortschaften lebten. Bei den Bauern war um jene Zeit wenig zu holen, in die größeren Städte wagte sich aber die Bande nicht. Der im Jahr 1777 in Nastätten in der Grafschaft Katzen-Ellenbogen (Nassau) geborene, richtig Johann Bückler genannte Räuber war um '1796 „Scharfrichter-Beiläufer," d. i. Gehilfe eines Abdeckers in Sobernheim, wurde wegen eines Vergehens in Kirn, dem Gerichtsorte, gestäupt und ging nun unter das in der Gegend sich umhertreibende verbrecherische Gesindel, aus welchem er bald eine besondere Bande bildete. Schon vor seiner Züchtigung in Kirn, die er stets als Ursache anzugeben pflegte, daß er Räuber wurde, hatte er jedoch Diebstahl getrieben und mit der Verbrecherwelt Verkehr gehabt. Die Gegend am Jdarwald zwischen Kirn und Bernkastel blieb auch das Hauptfeld seiner Thätigkeit, bis er von der strengen Wachsamkeit der französischen Behörden, welche mit dem alten kurtrierischen Schlendrian aufräumten, verdrängt wurde und auf die andere Rheinseite ging. Dort wurde er schließlich mit seinen Genossen aufgegriffen und am 21. November 1803 in Mainz mit zwanzig andern hingerichtet, nachdem er durch die Frankfurter Behörde an die französische ausgeliefert worden war. In der Gerichtsverhandlung behauptete er, niemals an den Mordthaten seiner Genossen iheilgenommen, sondern selbst nur Straßenraub und Erpressung verübt zu haben. Abgesehen davon wurde ihm jedoch nachgewiesen, daß er nicht nur der Anstifter aller Unthaten der Bande war, sondern auch insbesondere seine Erpressungen unter gräßlichen Martern der Opfer vollzog, wie er z. B. eine alte Jüdin mit Schwefelfaden an den Fußsohlen und Achselhöhlen brannte, bis sie bereit war, ihre Habe auszuliefern. Die romantischen Verklärungen, welche Schinderhannes nach seinem Tode erfuhr, tvaren sehr unberechtigt, denn er stellte weiter nichts vor als einen ziemlich klugen Verbrecher, der sich weder durch persönliches Heldenthum noch durch irgend welche besondere Eigenschaften der äußern Erscheinung auszeichnete. Er war vielmehr der ausgeprägte Typus der Landstreicher- und Berbrechertvelt jener Zeit. Der große Ruf, in welchem er heute noch in der Legende des rheinischen Volkes lebt, ist in dem Umstande zu suchen, daß trotz seines nur siebenjährigen Räuberlebens die Summe seiner Verbrechen sehr groß war, und darin, daß er der letzte Führer einer Räuberbande in den lange genug von solchem Gesindel heimgesuchten Gegenden der Mosel, des Eifelgebirges und des Hundsrückens, anderseits des Westcrwaldes und des Ruhrgebietes war. In der rheinischen Kulturgeschichte haben die Räuberbanden immerhin eine bedeutungsvolle Stellung, und die einmal vorhandene Legendenbildung verleiht wirklichen Urkunden, welche auf Schinderhanncs als den berühmtesten Bandenführer Bezug haben, einen zweifellos geschichtlichen Werth. Die in Rede stehenden beiden Briefe lauten nach der Köln. Ztg. in genauer Wiedergabe folgendermaßen: An Den Herr S. und An Den Herr L .... im Hatten Bach. Heut ente geseßten Dato Habe ich und mein kainerraten uns verabretet miet einanter das Mir dem Jut S . . . . . und dem Jut L . . . . Ein kunter Biesen Fon an Sachen wollen von 6 karLin und Schreiben 6 kar Limen und Biß den mitwoch Abent an den Hotten Bacher Weiher zu Bringen an die fal und Schienen Manscheßter und das zu ge Her dar zu vor ein Bar Schienen Hosen und wann ir Nicht Barol Halt auf diese kriengen an fortrung so werten mir Einmal In der Nacht komen Mit 15 Bis 20 Man und werten euch zwei dräfen und wann ir Barol Halt so Breicht dar auch Her Noch kein Enst Mer zu drachen und wo ir nicht so werten mir eich auch Noch euher Heisen anstachen und auf die Bestimmpte Blatz zu Bringen oter zu Lächen Biß mier komen Den 17 Mäi Ein freunte Liechen kruß an euch Johanes Bieckeller Durch Den Walt,, Weil ich nicht zeit Hat Sonst Hächt ich dir solchen Brief sälber in dein Hauß Bracht.