Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1887)
- Date
- 1887-03-03
- Page
- Seite 140 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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140 spanischen Bezirken der Clerus noch große Gewalt ausübt und das Volk leicht erregbar ist. In Madrid, wie hinlänglich bekannt ist, traten einige angesehene Männer zu einem Comilö zusammen, die Einwanderung von Juden i» Spanien zu fördern und deren Niederlassung zu erleichtern. Man fragt, welche sind die Motive dieser Männer? Daß sie ein altes Unrecht ihrer Nation, die Vertreibung der Inden und Morisken» wieder gut machen und den geschichtlichen Schandfleck auslöschen wollen oder daß sie von rein humanen Ideen geleitet werden, wird man ihnen theilweise wohl Zutrauen, aber als wirkliches Motiv nicht glauben mögen. Dies besteht vielmehr darin, daß Spanien seit eilrem Jahrzehend sich in Industrie und Handel, in Import und Export sehr gehoben, namentlich auch in landwirthschaftlichcr Beziehung Fortschritte gemacht hat. Dieser Aufschwung muß gepflegt und verstärkt werden, dazu gehören aber Mittler und Vermittler. Beides glaubt man bei und in den Juden zu finden, und diese, die in der Zeit vor der Entdeckung Amerika's an Spaniens Blüthe und Wohlstand so großen Antheil hatten und deren und der Morisken Wegzug der volkswirthschaftliche Verfall Spaniens begann und durch alle Silberflotten Perus nicht aufgehalten werden konnte, werden, so glauben jene Männer, bald einen besseren Zustand zurücksühren. Dies ist der wesentlichste Bewegrund und man wird daraus ersehen, daß es ihnen auf bemittelte und kaufmännisch gut geschulte, unternehmungslustige Männer ankommt. An armen Leuten ist in Spanien ein großer Ueberfluß vorhanden, und es würden daher unbemittelte Juden keinen fruchtbaren Boden finden. Vor Allem ist bei dem Einwanderer etwas Kenntniß der spanischen Sprache erforderlich, so daß sie sich bald im Lande selbst eine ausreichende Kenntniß der Volkssprache erwerben können. Ohne Vorstellung von einer der romanischen Sprachen, nur mit seiner eigenen Muttersprache, vielleicht nur mit einem Jargon derselben versehen, kann man in Spanien nicht ein und nicht aus, da, höchstens mit Ausnahme der französischen Sprache unter den höheren Classen, jede fremde Sprache völlig unbekannt ist. Dies sind die Bemerkungen, die ich Ihnen als thatsächlich machen kann. Ich werde nicht unterlassen, noch speciellere Erkundigungen einzuziehen, und wenn diese Resultate haben, sie Ihnen mitzutheilen. Palästina. Jerusalem, 20. Febr. (Eingesandt.) Wenn gefertigte Leiter der Lehr-Anstalten „Talmud-Thora-Schule" und „Etz- Haim-Collegium" in Jerusalem es wagen, nochmals bittend an die Oeffentlichkeit heranzutreten, so treibt sie die äußerste Noth dazu. Während die milden Beiträge, die einzige ErhaltungsqMe dieser Anstalten spärlich einlaufen, nimmt die Zahl der Schüler und namentlich der hülflosen, durch den Zufluß russischer und rumänischer Emigranten, fast täglich zu. Gegenwärtig zählen diese Anstalten ca. 400 Schüler, 42 Hochschüler, 24 Lehrer, 2 Professoren oder --cmo und 1 Director. Die meisten der 400 Schüler sind hülflose und verwaiste Kinder, deren theilweise Beköstigung, Bekleidung und Versorgung (der ärmsten und wenig begabte») durch Erlernung eines Handwerkes, uns ebenfalls obliegt. Leider sind wir aber, zu unserem großen Schmerze, gezwungen, viele Gesuche hülfloser Kinder um Aufnahme in unsere Anstalten, zurückzuweisen, die dann, leider nur zu oft, eine Beute der Mission werden. Es muß jeden Israeliten mit tiefem Schmerze erfüllen, diese ungeheuer reiche Mission unter der hülflosen, verwaisten Jugend Jerusalem's so viele Opfer gewinnen zu sehen und kein Israelit kann für solche Noth unter seinen Brüdern gleichgültig bleiben. In dieser Ueberzeugung wagen wir es, sehr geehrter Herr, im Namen der hülflosen, verwaiste» Jugend der heil. Stadt, Ihre Hülfe für diese Anstalten anzuflehen. Bedenken Sie doch, sehr geehrter Herr, daß die Forderung des Studiums und die Versorgung der verwaisten Jugend eine der größten r,r*D und eine der heiligsten Pflichten des Israeliten ist. Wir geben uns daher der Hoffnung hin, in Ihnen, sehr geehrter Herr, ein fühlendes Herz für unsere Bitte zu finden und Gott wird es Ihnen lohnen. Folgen die Unterschriften und Jnsiegel. Wir erklären uns bereit, Beiträge entgegenzunehmen, in d. Zeit, anzuzeigen und an die Leiter zu übermitteln. Es liegen uns sehr anerkennende Zeugnisse über die Leistungen dieser Schulen von den Herren vr. H. Adler, siellv. Oberrabbiner in London, vr. A. Harkavh, Bibliothekar in Petersburg, A. Grünbaum aus Schwabach, A. Roos aus Amsterdani und I. Hamburger aus Frankfurt a. M. vor, welche die Lehranstalten persönlich besucht haben. Die Red actio». Berlin, 16. Febr. (Literarische Notizen.) Geehrter Herr Redacteur! Bei dem Antheil, den Sie an der Förderung der jüdischen Literatur nehmen, darf ich hoffen, daß Sie Ihren Lesern von dem glücklichen Fortgange des hebräischen Literatur-Vereins Mekize-Nirdamin Kenntniß geben werde«. Die Schriften für den zweiten Jahrgang sind jetzt fertig gedruckt und soll die Versendung derselben an die Mitglieder noch im Laufe dieses Monats erfolgen. Es erscheinen in diesem Jahrgange: 1) Pachad Jizchak Buchstabe v, 23 Bogen von deni ca. 38 Druckbogen betragenden Theile, der erst im folgenden Jahrgange ganz vollendet sein wird. 2) Fortsetzung der Geonim-Bescheide 8 Bogen. 3) Mischna-