Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1887)
- Date
- 1887-02-24
- Page
- Seite 125 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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125 anderen Schriftstellen aus Jesaias, Jeremias, Chronik sind es englische und amerikanische Dichter und Dichterinnen, welche die hier gesammelten zahlreichen Lieder verfaßt haben. Doch sind auch einige wenige Uebertragungen von Moses ben Esra und Juda Halevy darunter. Nicht unerwähnt wollen' wir lassen, daß auch einige jüdische Damen Beiträge geliefert haben. Der Sammler und Herausgeber, Rabbiner am Emanuel-Tempel zu New-Iork, hat sich für seine Gemeinde und gewiß auch für andere durch diese Schrift ein rechtes Verdienst erworben. Er hat die Hymnen in die Abtheilungen „Gottesdienst", „Gott", „Mensch", „Israel" und „Für verschiedene Gelegenheiten" gebracht. Ob die Wahl immer zutreffend gewesen, zu beurtheilen, müssen wir dortigen Kritikern überlassen. Die Ausstattung ist sehr angemessen. — „Targum Arvi. Die arabische Interpretation des Pentateuchs von Rabbi Saadia Hagaon. Ein Auszug aus einer in der Großh. Badischen Hof- und Landesbibliothek zu Carlsruhe befindlichen Edition einer authentischen Handschrift. Ins Deutsche übertragen und commentirt von Rabb. I. Schwarzstein, Carlsruhe, Genesis. Frankfurt a. M. 1886. A. I. Hofmann." Das vorliegende Heft befaßt das 1. B. Mosis. Wenn auch dieser Schrift der wissenschaftliche Charakter fehlt, so giebt sie doch dem Forscher mancherlei brauchbares Material und ist besonders geeignet, die Auslegungen Sacidia's dem größeren Publikum zugänglich zu machen. — „Hebräischer Elementar-Unterricht." Erste Stufe. Bearbeitet von Dr. M. Marx. Dritte vielfach verbesserte und erweiterte Auflage. Gleiwitz, Paul Raschdorff, 1886." Das Bedürfniß nach neuen Auflagen dieses Schulbuches erweist dessen Nutzbarkeit. Die Methode, die hier angewendet wird, hat viel Eigenthümliches, indem sie das Lesen an ganzen Wörtern mit Prae- und Suffixen und deren Auswendiglernen verbindet, und so der Schüler leicht eine Anzahl Bocabeln und die im Hebräischen so wichtigen Prae- und Suffixen inne bekommt. Zugleich gewinnt der Schüler mehr Lust zu diesem Gegenstände, als durch viele Monate langes Lautiren ohne die Bedeutung der Worte zu erfahren. Im Weiteren beziehen wir uns auf unsere frühere Besprechung des Buches. — „Professor Paul de Lagarde, nach seiner Natur gezeichnet von Dr. A. Berliner. I. Benzian, Berlin, 1887." Prof. Paul de Lagarde hat die unangenehme Eigenthümlichkeit, jedem Gelehrten seines Faches Etwas anzuhängen, wogegen sich schon ausgezeichnete Männer, wie Nöldecke, Eb. Schräder, A. Weber und H. Hübschmaun erklärt und jenen der Eifersucht, der Anmaßung und Selbstüberschätzung geziehen haben. Aehnlich vergriff er sich an dem Dr. Berliner bei Gelegenheit von dessen Arbeiten über den Targum. Charakteristisch ist es, daß der Herr Professor dem Dr. Berliner nicht verzeihen kann, daß diesem die k. Aeademie der Wissenschaften ein Reisestipendium nach Italien zu Untersuchungen in dortigen Bibliotheken verliehen hatte und dies wiederholt zu bespötteln sucht. Schließlich fand sich Dr. Berliner doch veranlaßt, dem Herrn Lagarde die Wahrheit zu sagen und ihm selbst Widersprüche und arge Verstöße nachzuweisen. Die vorliegende Broschüre erfüllt ihren Zweck vollständig und wünschen wir nur, daß sie den sonst verdienstlichen Gelehrten veranlasse, in Zukunft sich mehr in Acht zu nehmen, was ihm selbst zum Besten gereichen wird. I e u i i l e t o n. Gin Stück Orient. j Während meines ganzen Lebens hegte ich den Wunsch,‘ eine Orientreise machen zu können, allerdings keine flüchtige für einige Wochen oder Monate, vielmehr eine gründliche ausgedehnte. Aber für eine solche, die ein oder anderthalb Jahre in Anspruch genommen hätte, fand ich niemals Zeit. Meine Amtsthätigkeit, die Vollendung meines Bibelwerks und die Redaction dieser Zeitung ließen eine so lange Unter' brechung nicht zu. Später war mein Gesundheitszustand nicht ausreichend. Ich wollte in Egypten außer dessen Sehenstvürdigteiten jene Landschaft besuchen, welche als die Provinz Gosen angenommen werden kann, dann die sinaitische Halbinsel durchstreifen, das heilige Land besuchen, besonders jenseits des Jordans das Land der drittehalb Stämme und womöglich das Moabiterland durchforschen. Bon dort über den Libanon nach Damaskus, und von Constantinopel aus einen Abstecher nach der Krimm machen, wo bei Baktschiserai, der ehemaligen Residenz der Tartarenchana, besonders die alte Stadt oder Burg der Karäcr Tschufut-Kalü mich anzog. Schon im zweiten Jahrgang (1838 S. 365) gab ich aus guten Quellen eine Beschreibung des damaligen Zustandes dieser Stadt, und auf diesem Boden spielt meine Erzählung „die Jüdin und der Chan", die ich 1841 Nr. 3i> ff. veröffentlichte. Jetzt liegt mir aus der Feder eines französischen Reisenden (llsvrw äs8 Deux Mondes) eine Beschreibung von Tschufut-Kalö, wie es gegenwärtig ist, vor. Wer jene Schilderung mit der folgenden vergleicht, wird erkennen, daß auch an diesem weltentlegenen Platze während des letzten halben Jahrhunderts große Veränderungen vor sich gegangen. Die Karäer sind von hier ausgezogen, wahrscheinlich aus Mangel an jedem Erwerb, nach blühenden südrussischen Städten. Damals standen noch dreihundert Häuser von Juden bewohnt und ihr Chacham Jussuf wurde als Ober-