Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1887)
- Date
- 1887-02-24
- Page
- Seite 124 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12-1 ausnahmsweise gemäß § 2 des Supplements zum Art. 486 des Paßgesetzes (Band XIV der russischen Gesetzsammlung, Fortsetzung aus dem Jahre 1876) wirklichen Großhändlern und Groß-Judustrielleu israelitischer Confessio«, bezw. deren Vertretern, welche Nachweisen können, daß sie in Rußland Handels-Operationen von bedeutendem Umfange durchführen oder bezwecken, der Eintritt nach Rußland gestattet ist. Dieser Nachweis kann entweder durch ein von der betreffenden Handels- und Gewerbekammer auszustellendes Zeugniß oder durch sonstige der kais. russischen Regierung Garantie bietende Referenzen erbracht werden. Diese Legitimationen müssen jedoch den Umfang des Geschäftsbetriebes des den Eintritt nach Rußland begehrenden Kaufmanns womöglich durch präcise ziffermäßige Angaben zur Darstellung bringen." Amerika. Rew-Pork, Ende Januar. Rabbiner Di-. Alexander Kohut hat hier ein „Jüdisch-theologisches Seminar" eröffnet. Aus der Breslauer Schule hervorgegangen, will er durch diese Lehranstalt die Anschauungen jener nach Amerika verpflanzen. Ob ihm dies bei dem großen Terrain, welches die Radikalreform in Amerika gewonnen hat, gelingen werde, muß die Zeit lehren. Bei der Eröffnung vermißte man die beiden bedeutenderen Rabbinen, welche dieselbe Stellung einnehmen, die DDi-. Jastrow und Szold unter den Anwesenden. Daß Kohut übrigens bereits einigen Anhang gefunden, ersieht man aus dem Umstande, daß ihm die Mittel zur Eröffnung der Anstalt zugegangen waren. Rcw-Nork, im Januar. (Privatmitth.) Die amerikanischen Blätter, namentlich die jüdischen Wochenschriften, klagen sehr über den übermäßigen Zufluß polnisch-russischcr Einwanderer. Unter der Ueberschrift: „Genug und zuviel!" berichtet z.B. der Occident, daß vom 31. Oct. 1885 bis30.SePt. 1886 27,348 Juden, 8813 mehr als im vorhergehenden Jahre gelandet seien. Darunter seien 7056 Oesterreicher, 17396 Russen, 1554 Rumänen, 857 Deutsche, 59 Engländer, 8 Franzosen, 5 Dänen. Die drei ersten Posten würden selbst im westlichen Deutschland als polnische Juden anerkannt. Dies mache 26,000 polnische Juden in einem einzigen Jahre! Solches wäre „selbst für den amerikanischen Magen eine unverdauliche Masse!" Denn nach ihrer Sprache, ihren Gebräuchen und Traditionen, welche sie unter dem Druck der heimischen Verhältnisse streng bewahrt haben, bilden sie eine besondere Classe, die sich gleich den Chinesen dem amerikanischen Wesen schwer einlebt. Allerdings ist diese große Zahl dieser meist unbemittelten Einwanderer auf einmal eine schwere Last für die einheimischen Israeliten, da sie ja nur eine starke Vermehrung der bereits in Amerika früher angelangten polnisch-russischer Einwanderer ausmachen. Aber für die gesammte Bevölkerung ist dies doch von keiner großen Bedeutung. Auch 26000 polnische Juden verlieren sich ohne Mühe unter den 52 Millionen Bewohnern der nordamerikanischen Union. Auch ist der Vergleich mit den Chinesen durchaus nicht zutreffend, denn die polnischen Juden besitzen doch viel mehr Befähigung zur Assimilation als die Chinesen, und in der 2. Generation schon werden sie Amerikaner geworden sein, wie dies bei den Chinesen niemals der Fall ist. Bonn, 11. Febr. (Literarische Notizen.) Wir haben eine Anzahl kleinerer Schriften vorliegen, über welche wir unseren Lesern berichten wollen. Wir haben (1886 S. 397) über den Tod des von Allen, die ihn kannten, viel betrauerten Rabb. Di\ Isidor Kalisch in Newark (New Jersey) eine ausführliche Mittheilung. Wir erhalten soeben eine prachtvoll ausgestattete Schrift: In Memoriara. Rev, Dr. Isidor Kalisch. of Newark. 1886. Die Schrift enthält eine ausführliche Biographie des Verstorbenen, eine Beschreibung seines Leichenbegängnisses, die Grabrede des Rabb. Dr. Gottheit, das Gebet des Rabb. Leucht und zum Schluß Resolutionen des Vereins „Treue Schwestern" in Milwaukee. Die letzteren ehren in dem Verstorbenen den Gründer des Vereins und rühmen seine seelsorgerische Thätigkeit, als er eine längere Zeit hindurch Rabbiner daselbst war. Dem Hefte ist ein Porträt des Gefeierten in schöner Photographie hinzugcfügt. — „Hymns and Anthems adapted for Jewisk Worship. Selected and arranged by Dr. Gustav Gottheil, Rabbi of Temple Emanuel. New York. G. P. Putnam’s Sons, New York 1887.“ Wenn, wie es in mehreren amerikanischen Synagogen geschehen, die überkommenen hebräischen Gebete auf einen sehr geringen Theil beschränkt werden, und an deren Stelle Gesänge und Lieder in der Muttersprache treten sollen, so muß man seine Zuflucht zu Poesien nehmen, die nicht ursprünglich unserem Boden entsprossen sind, sobald sie ihrem Inhalte nach dem jüdischen Bekenntniß nicht wiedersprechen, da der Vorrath an modernen jüdischen gottesdienstlichen Dichtungen außer in Deutschland noch gering ist. Und doch fand man sich auch hier zur Annahme von Gedichten aus der Feder von Nichtjuden genöthigt, wie das Gesangbuch von Joelson, der k. württembergischen israelitischen Oberkirchenbehörde, des Hamburger Tempels ff. erwiesen. Es kommt dabei allerdings auch vor, daß man recht passende Lieder aus jüdischer Feder übersieht und bei Seite läßt. Das vorliegende Buch ist eine solche Sammlung religiöser Gesänge für den jüdischen Gottesdienst in englischer Sprache. Außer einer Anzahl von Psalmen und einiger