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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-02-24 · Heft 8 (24.2.1887) · p. Seite 120

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 8 (24.2.1887)
Date
1887-02-24
Page
Seite 120 (sequence 8)
Language
German
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120 Unteritalien her wehenden Wind) nannten; er hieß auch! ’lämder Japygische, vom Japygischen Vorgebirge her! wehende. Wenn auf S. 7a die Persischen Großen nach dem Midrasch verlangen, daß die Königin Waschti unbekleidet vor dem König und den Großen erscheinen solle, so liegt darin ein Hinweis auf die heidnische Sittenlosigkeit der entarteten Griechen, wie sie an den verbildeten Höfen von Alexandria und Antiochia sich breit machte, und wie sie auch bei den römischen Kaisern in gleichem Maße die Throne geschändet. Aehnliches erzählt Herodot vom Lyderkönig Kandaules und seiner Gattin, die aber dem Gyges ob seiner Schamlosigkeit die Wahl ließ zwischen augenblicklichem Tod oder dem Versprechen, den Kandaules sofort zu tödten und an seiner Statt dessen Reich und Gemahlin zu gewinnen, worauf denn Gyges den Kandaules tödtete. S. 10'', wo die Rede ist von den zwei Thürhütern, die sich verschworen gegen des Königs Leben, sagt der Midrasch, der Grund ihres Zornes gegen den König sei ge-! wesen, daß er Thürhüter (nämlich sie selbst) abgesetzt, und I diesen Barbaren (Mordechai) an ihre Stelle gesetzt. Der Text hier und in Thargum Esther hat ‘2, Herr Buber erklärt dies nach Musafia als vmVüq und ffsvihwo, „edle Senatoren", was hierher gar nicht paßt. Die Stelle hier, in Midrasch Esther und in Pesikta Bachodesch ist, wie schon Sachs angegeben, nach Pesikta rabbathi § 15 (wo ':) in '2 zn berichtigen; es heißt: 2 (pvXcc/.TrjQEg, 2 Wächter, 2 Thürhüter. Ein weiteres Verdienst hat sich Herr Buber erworben durch Herausgabe des vollständigen Werkes Schibbole halleket von Zedekia dei Mansi aus Rom. Dieser Familie dei Mansi hatte auch der berühmte Verfasser des Aruch, M. Nathan ben Jechiel, angehört. Der Vers, lebte in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die biographischen und literargeschichtlichen Noten des Herausgebers geben dem Werke einen erhöhten Werth. Herr Buber ist eben mit einer Herausgabe des Midrasch Schocher tob beschäftigt. vr. I. Fürst. %Z\X\AVl<pYl<XC Deutschland. Berlin, 16. Februar. (Privatmitth.) Was der Eine oder der Andere auch über die enge Verbindung denken möge, welche die Nationalliberalen und Conservativen eingegangen, das Resultat ist doch insofern erfreulich, daß dadurch die antisemitischen Agitatoren aus dem Berliner Wahlkampfe entfernt und zum Schweigen gebracht worden sind. Dies hat nicht sowohl darum eine Bedeutung, daß jene Agitatoren nicht als Candidaten ausgetreten, denn das war nicht gefährlich, da sie doch jedes Mal durchfielen, sondern daß all' die Hetzereien gegen die Juden aufhörten, welche sich sonst aus dem Munde jener über uns ergossen und immer doch etwas Gift in den Seelen der Zuhörer zurückließen. Erklärte doch Stöcker selbst in einer, dieser Tage gehaltenen Versammlung der „Christlich-Socialen": „Die Berliner Bewegung sei krank." Er hätte freilich lieber sagen sollen, sie sei krank gewesen von Anfang an. Wenn dies der sagt, welcher stets mit großer Selbstbefriedigung sich als Urheber und Motor dieser „Bewegung" pries, so muß sie wohl zum Stillstand gelangt sein und sich im Sande verlaufen. Dies erweist sich auch schon dadurch, daß die Christlich-Socialen nicht mehr in den großen Sälen der öffentlichen Wirthschaften tagen, sondern sich mit den bescheidenen Räumen des Stadtmissionshauscs (Johannistisch) begnügen. Uebrigens wiederholen wir, daß die beiden verbündeten Parteien hiermit keinen pri ncipiellen Grundsatz bethätigen wollten. da sie ja in der Provinz Stöcker durch ihre Verbindung wählen lassen. Immer aber wurde doch die Fahne der Judenhetze in der Hauptstadt des deutschen Reiches aufgehißt; hier ist sie nun herabgelassen, und weht sie noch hier und da in der Provinz, so hat dies viel weniger zu bedeuten. Berlin, 18. Febr. (Privatmitth.) Da das Ende der Wahlbewegungen durch die Wahlen am 21. d. nahe ist, fragt man sich schon, was wohl nach den Vorgängen der letzten Zeit nach Beendigung des Wahlkampfes hinsichtlich des Antisemitismus geschehen werde. Am meisten denken die extremen Conservativen und Antisemiten selbst hieran. Die Cartellverbindung hat dieselben betreffs der Wahlen zurückgedrängt, die antisemitischen Agitatoren sind aus der Hauptstadt nach der Provinz verwiesen worden. Dies ärgert sie natürlich und loird sie anfeuern, nach den Wahlen ihr altes Handwerk mit desto größerem Eifer wieder aufzunehmen. Sie sprechen deshalb schon offen von „der Schonzeit der Juden" die mit den Wahlen aufhöre. Durch die Cartellverbindung und das Zurückdrängen der Antisemiten fühlte sich einer und der andere Börsenfürst gerechtfertigt, seiner conservativen Neigung zu folgen und für das Cartell Opfer zu bringen. Es mögen wohl auch aus demselben Grunde Juden für die Candidaten des Cartells stimmen wollen. Dies genirt die extremen Conservativen, und die „Kreuzzeitung" spricht es offen aus, daß man diese Leute wieder „abschütteln" müsse. Dies sind allerdings keine erfreulichen Aussichten, und wir können uns auf ein neues Sturmlaufen gefaßt machen. Aber

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