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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-02-24 · Heft 8 (24.2.1887) · p. Seite 114

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 8 (24.2.1887)
Date
1887-02-24
Page
Seite 114 (sequence 2)
Language
German
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114 ben aufzutragen strebt. Hingegen spricht zu Gunsten dieser Schrift eine Beglaubigung eines H. Sumangala, Hohenpriesters von Sripada und Galle und Vorstandes der Woidydaya Parivena. Er äußert sich dahin, daß er die singhalesische Ausgabe des Katechismus sorgfältig geprüft habe und daß dieselbe sich mit dem Kanon der südländischen buddhistischen Kirche in Einklang befinde. Wenn nun auch die Person dieses Priesters in Europa unbekannt ist, sein Ausspruch deshalb in wissenschaftlicher Beziehung keinen großen Werth hat, so spricht doch auch die große Verbreitung, welche der Katechismus gefunden hat, für die Bedeutung desselben. Jedenfalls können diejenigen, welche mit Beseitigung des orientalischen Gepräges den einfachen Lehrinhalt des Buddhismus kennen lernen wollen, denselben in der vorliegenden Schrift finden. — Die katechetische Form ist eine europäische, und europäisch ist die erste Frage: „Welcher Religion gehörst Du an?" — obschon der Vers, in einer Anmerkung selbst erklärt, daß der Buddhismus keine „Religion, sondern eine Moralphilosophie" sei. Und dies ist richtig, denn der Buddhismus lehrt nichts von Gott, sondern nur die Vergötterung von Menschen, da Jeder, der den höchsten Grad der Heiligkeit erlangte, nach dem Tode ein Buddha wird, welche Buddhas als Götter verehrt werden und so der Weg zum Polytheistheismus und einem polytheistischen Cultus zurückgefunden ward. Die Antwort auf jene Frage lautet daher: „Ich bin ein Anhänger Buddha's und nehme dessen Lehre für wahr an." Buddha war „der äußeren Erscheinung nach ein Mensch, in seinem Innern aber dem Menschen unähnlich, weil er in seinen moralischen und geistigen Eigenschaften seine eigenen Zeitgenossen überragte und die Menschen aller folgenden Zeitalter überragt." Von da ab wird die Legende über das Leben Buddha's, der 500 vor der gew. Ztr. gelebt haben soll, ausführlich erzählt. Es fehlt dabei nicht an Astrologie, an Erscheinungen höherer Wesen (Dewa) und an großartigem Fasten mehrere Jahre hindurch, so daß er „täglich nur ein einziges Reiskorn oder Sesamkorn zu sich nahm." Er kam, wie die Fr. 52 lehrt, dahin, „alle seine natürlichen, dem Körper anhaftenden Fehler und menschlichen Begierden zu besiegen, alle schädlichen Einflüsse der sündhaften Welt um sich her zu überwinden." Er erkannte als die geheime Ursache alles menschlichen Elends „die Unwissenheit", durch die wir hochschätzen, was nicht schätzenswerth, und uns über Dinge grämen, die des Grämens nicht Werth sind. Als „Wahrheiten" werden verkündet: „1) die Armseligkeit unseres Daseins; 2) das stets wiederkehrende Verlangen, das eigene Ich zu befriedigen; 3) die Ertödtung dieses Verlangens und 4) die Mittel hierzu." Das Ziel ist das „Nirwana". Dieses Wort wurde oft als das Nichts oder die gänzliche Vernichtung erklärt. Die Fr. 66 giebt folgende Erklärung: „Ein Zuständ, in welchem jegliche Veränderung aufgehört hat, ein Zustand vollkommenster Ruhe ohne jedes Verlangen, ohne jede Täuschung, ohne allen Kummer, ein Zustand, in welchem alles aufgehört hat, was zum physischen Menschen gehört. Bis der Mensch Nirwana erreicht, ist er beständiger Wiedergeburt unterworfen; hat er aber Nirwana erreicht, so wird er nicht wieder geboren." Man sieht, der Vers, begnügt sich mit einer blos negativen Antwort und umgeht die Frage: Besteht die Seele in dem Nirwana fort oder nicht? Die buddhistischen Lehrer behaupten dagegen: im Nirwana wird die Seele aufgelöst „wie der Thautropfen verschwindet in der leuchtenden See, wenn die Sonne sich erhebt, so lösen sich die Heiligen im Nirwana auf." — Hiermit ist die zweite Grundlehre des Buddhismus verbunden, die Seelenwanderung, d. h. daß nach dem Tode die Seele gerichtet wird und nach deren moralischen Eigenschaften und Verdiensten oder Lastern und Verbrechen in einen besseren und glücklicheren Menschen oder in ein Thier verschiedenen Ranges versetzt wird, also wiedergeboren. Diese Wiedergeburten dauern für das Individuum so lange fort, bis dieses den Grad von Heiligkeit erreicht hat, der ihn zum Nirwana bringt. Der Vers, will dieses in der Fr. 67 dadurch erklären, daß der unbefriedigte Durst nach physischem Leben eine Kraft ist, welcher eine so starke, schöpferische Gewalt innewohnt, daß! sie das Wesen wieder ins irdische Leben znrückzieht." Wir! überlassen es den Lesern, zu beurtheilen, wie weit eine solche Erklärung irgend genügt, um jene auffällige Lehre auch nur in Etwas zu motiviren. Hier ist es, wo der Vers, den unglücklichen Versuch macht, die buddhistische Lehre von der Seelenwanderung als übereinstimmend mit den „Lehren der modernen Wissenschaften" zu erklären, ja daß sie jene „bestätigen ", nämlich mit der Entwickelungstheorie oder den Darwinismus (Fr. 70 u. 71). Er kann dies nur mit den Worten begründen, daß die Wiedergeburt und die Entwickelungstheorie „auf der Lehre von Ursachen und Wirkungen beruhen." Darauf beruhen die Philosopheme aller Zeiten und der Vers, könnte sich ebenso gut auf jede andere Philosophie, aber auch auf jede andere Religion berufen, welche die Schöpfung als eine Wirkung der Ursache aller Ursachen, Gottes, betrachten. Der Darwinismus befaßt lediglich die materielle Welt, achtet auf die moralischen Eigenschaften eines Menschen nicht im Entferntesten und wird sich deshalb dafür bedanken, mit der abergläubischen Meinung, irgend eine Verwandtschaft zu haben, daß der Mensch nach seinem Tode, wenn er ein guter Sclave gewesen, ein König werde, oder war er schlecht, zu einem Fuchs, Tiger oder Schwein erniedrigt wird. Der Vers, will hier offenbar seinen europäischen Freunden etwas weiß oder mundgerecht machen, was eine Täuschung ist, worüber er sich in eine Selbsttäuschung hineingedacht hat. — Doch kommen wir zu der buddhistischen Morallehre. Sie

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